laut.de-Kritik

Wo viel Licht ist, ist auch reichlich Schatten ...

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Der mysteriöse Peter Licht aka Meinrad Jungblut gibt sich wieder die Ehre, Deutschland den Pop zurück zu geben. Weiterhin vermeidet es der Gute, sich abbilden zu lassen. Das allgegenwärtige "Sonnendeck" ist dafür in verschiedenen Einrichtungen verewigt worden, sogar eine Kneipe heißt mittlerweile so. Mission erfüllt, könnte man meinen. Weit gefehlt. Nach "Vierzehn Lieder" kommen jetzt "Stratosphärenlieder".

Wem "Sonnendeck" noch nicht die Schuhe ausgezogen hat, dem flutschen beim Genuss von "Stratosphärenlieder" gleich die Socken hinterher. Kompositorische Belanglosigkeiten paaren sich mit dadaistischen Texten, die weder witzig, noch sinnig, geschweige denn spannend wären. Die softe Low-Fi Produktion mit gepupsten Snare-Drums, billigen Synthies, gesampelten Streichern und eingeworfenen Gitarrenklängen bilden die Spielwiese, auf der sich Mister X austobt.

Die Leichtigkeit des Seins soll das wahrscheinlich zelebrieren, doch bei Machwerken wie "Safarinachmittag" hilft der beste Wille nicht weiter. "Und wir führten Gespräche über unsere Fragen, welche Tiere wir gerne wären, wenn wir mal wieder Tiere wär'n. Ich wünschte mich als Savannenbewohner, du wünschtest dich als Paarhufer oder so, wir einigten uns auf Termiten für die wir uns dann hielten" schallt es aus der Philosophie AG.

"Ich mag Musik, die nichts von mir will", sagte er große Gretschmann. Sehen wir das mal als Kontrast zum vorliegenden Sammelsurium aus Langeweile meets Gaga. Peter Licht will auch nichts, geht damit aber auf Hörseminar-Tour durch Deutschland inklusive "Moderierte Musik vom Band". Da darf der geneigte Student gerne auf der Bank sitzen, einschließlich Nickelbrille und Interpretationshilfe auf dem Schoß.

Um mit Lichts Worten zu sprechen: "Da kann ich mich auch drüber aufregen. So'n Hals habe ich über den!" Nichts gegen naive Pop-Romantik, aber das bekommen andere weitaus besser gebacken als der Peter mit dem Bürostuhl. Keine schmissigen Melodien, kein Ohrwurm wie das penetrante "Sonnendeck", nur gähnende Leere. Angefangen beim Titeltrack über "Abfliegen" bis hin zu "Antilopen zwei" plätschert der Opus den Lokus hinunter.

Auch wenn Licht dazu einlädt, Sinn in die Aneinanderreihung von Buchstaben und Worten hinein zu interpretieren, bleibt nach zwölf Songs und viel Blabla nur sehr viel Easy Listening übrig. Vielleicht ist dem mysteriösen Herr Licht seine Musik ja selber peinlich, dass er sich immerfort verstecken muss. Aber nach dieser Hörerfahrung wollen wir ihn eh' nicht mehr sehen ...

Trackliste

  1. 1. Stratosphärenlieder
  2. 2. Antilopen
  3. 3. Abfliegen
  4. 4. Bisnispiepeul
  5. 5. Ader
  6. 6. Safarinachmittag
  7. 7. Morgenlied
  8. 8. Zonen
  9. 9. Blaues Blau
  10. 10. Die Geschichte Vom Sommer
  11. 11. Klappergrasmücke
  12. 12. Antilopen Zwei

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2 Kommentare

  • Vor 15 Jahren

    Ich habe diese CD einfach mal gekauft ohne je was von Herrn Licht gehört oder gesehen zu haben, und konnte beim ersten mal reinhören nicht fassen wie sowas einen Verleger findet, als ich der CD dann eine zweite Chance gab und ihr mich mit mehr Zeit voll und ganz widmente war ich aber angenehm überrascht. Richtig scheisse ist auf der cd eigentlich nur das bescheuerte Lied "Buisnes-people" (oder so) was man beim durchhören der CD getrost überspringen kann. Ansonsten ist der Veriss der bei Laut.de steht nicht wirklich gerechtfertigt, ich finde die Musik die Peter Licht hier gemacht hat ganz angenehm, man hat beim anhören das schöne Gefühl leicht und völlig frei durch die Stratosphäre zu fliegen. Die Texte sind meistens tatsächlich etwas nichts sagend, fügen sich aber gut in die Musik ein, Witz vermisst man aber in der Tat. Ganz selten, z.B. wenn Rollschuhfahrer im heissen Asfalt versinken musste ich schon schmunzeln. Wenn der Archäopterix nix sagt weil er schon ausgestorben ist, frägt man sich, naja ob das wirklich witzig ist?? Während die CD zur einen Hälfte ziemlich langweilig ist ist sie zur anderen Hälfte eigentlich ganz nett!
    Ich hab mir die Lieder 1,2,3 und 6 gern auch ziemlich viel öfter mal angehört. Ich würd der Platte eine 4 geben. Ausreichend.

  • Vor 13 Jahren

    Also: Was ich deutlich sagen will.
    Alle hier veröffentlichen Kommentare erfassen den Inhalt der Lieder zum allergrößten Teil nicht ansatzweise! Anneinandergereihte Worte und Gedankensprüche sind nicht leicht zu interpretieren.. aber das dann so zu tun wie im Laut-Kommentar...gewagt!
    In solchen Songtexte werden Inhalte auf das Wichtigste dezimiert, was dem Hörer schnell als inhaltslos erscheinen kann..aber: das stimmt eben nicht.
    Wie hieß nochmal der Maler der diese komischen Formen auf eine Leinwand malte?..achja! Wassily Kandinsky..und sag mir mal einer, dass das keine Kunst ist..oder geb ihm doch mal 2 von 5 Punkten..

    ps: Auf plattentest.de gibts eine ausführlicher Rezension zu Stratosphärenlieder
    http://www.plattentests.de/rezi.php?show=1…