Porträt

laut.de-Biographie

Perverz

"Auf der einen Seite gibt dir die Maske viele Möglichkeiten, weil du anonym bist, aber sie grenzt dich auch unheimlich ein. Du nimmst den Leuten den tieferen Zugang zu dir. Bei Sido war das interessant, aber irgendwann wirkt das nicht mehr so toll." Als Künstler des Berliner Labels Hirntot Records gehört die martialische Pose zum Standardrepertoire. Ab Mitte der 2000er lässt Perverz an der Seite von Psychokore-Rappern wie Blokkmonsta und Schwartz Druck ab. Privat genießt er dagegen das entspannte Leben im Frankenland, abseits der aufmerksamkeitsheischenden Hauptstadt.

Perverz - Mein Kopf Zerplatzt 3
Perverz Mein Kopf Zerplatzt 3
Vom Selbstmord-Soundtrack zu Schlager-Vibes.
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Perverz wird in Nürnberg geboren. Geprägt von Punk- und Metal-Bands wie Blink 182, Kettcar, Böhse Onkelz, System Of A Down, Disturbed, Slipknot und Rammstein erwacht früh der Wunsch, selbst eine musikalische Karriere anzustreben. Da ihm die Möglichkeit fehlt, ein Instrument zu erlernen, greift er zum Mikrofon und versucht sich als Rapper. Erste Stücke landen im Horrorkore-Forum von MC Basstard. Obwohl seine Songs noch recht trashig ausfallen, findet Blokkmonsta Gefallen an ihnen. 2005 eröffnet ihm ein Vertrag bei Hirntot Records den Zugang zur Untergrund-Rap-Szene.

Inspiriert von eingängigen Namen wie King Orgasmus One oder Frauenarzt verpasst er sich das Pseudonym Perverz. Auf seine erste EP "Süßes, Sonst Stich" mit Blokkmonsta und Uzi folgen "Das Mixtape", sein Debütalbum "Keina Kann Helfen" sowie "Mein Kopf Zerplatzt", der erste Teil einer Trilogie. 2007 begleitet er als Support die 'Schluss mit lustig'-Tour von Basstard und Kaisa. Neben seinen Veröffentlichungen über Hirntot Records gründet der Rapper mit dem Produzenten Voodoo das Label 23Klikk. Ab 2011 erscheinen dort Projekte wie "Weiter Gegen Das Gesetz".

Mit "Fehler Im System" an der Seite von Uzi und "Mein Kopf Zerplatzt 2" veröffentlicht Perverz noch zwei markante Hirntot-Werke. Zwar finden sich noch Rap-Beiträge des Franken auf "Schwartz Auf Weiss" von Schwartz oder "Rakokalypse" von Rako, doch mit Hochzeit und regulärer Arbeit als Pfleger auf der Intensivstation wendet er sich ab 2014 weitgehend dem bürgerlichen Leben zu. "Ich habe lange Zeit Pause mit Musik gemacht. Es hatte nicht mehr so die Bedeutung für mich", erinnert er sich später, "Aber ich habe immer gemerkt, dass es mir im Leben gefehlt hat."

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Nach vier Jahren Pause feiert er gemeinsam mit Blokkmonsta als "Hirntot Originals" sein Comeback auf Albumlänge. Es folgt der Labelsampler "Mörder Ohne Gesicht", für den sich auch der zwischenzeitlich verlorengegangene Uzi reaktivieren lässt. Die Pandemie-Jahre 2020/2021 erlebt Perverz "vollumfänglich an vorderster Front" auf der Intensivstation. Zugleich nutzt er die Zeit für eine "persönliche Zäsur" in Form des Albums "Mein Kopf Zerplatzt 3". Auf dem als Abschiedsbrief konzipierten Werk gibt sich der Nürnberger so persönlich wie nie zuvor.

Früher habe er sich "im Rap immer ein bisschen gefangen gefühlt." Songs wie "Zombie" bezeugen, dass sich sein Fokus mittlerweile in Richtung Gesang verschoben hat. Sein kriegerisches Outfit passt zwar immer weniger zum musikalischen Stil, doch zeigt er sich zunehmend erleichtert, dass ihm Blokkmonsta einst ausgeredet hat, die Sturmmaske abzulegen: "Im Nachhinein denke ich, Gott sei Dank. Gerade wegen meines Berufs ist es eine gute Sache." Weitgehend anonym fühlt sich Perverz in seiner Nische wohl: "Vielleicht ist es auch gut, dass es keine große Öffentlichkeit gibt".

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