laut.de-Kritik

Melancholischer Elektropop von Städten und Menschen.

Review von

Der Beat treibt, Keyboards schwirren euphorisch, ein Engelschor klagt über die "viel zu große Stadt". Unverkennbar Paula. Das Berliner Duo Elke Brauweiler und Berend Intelmann meldet sich mit seinem dritten Album zurück auf der Elektropop-Bühne.

"Warum Berlin". Keine Interpunktion. Der Titel des neuen Paula-Werks lässt Raum für Interpretationen. Irgendwie clever. Ein Kontrapunkt zum kläglichen Berlin-Hype, nicht ohne ihn selbst zu nutzen? Oder doch ganz anders? Fest steht, dass sich Bands wie 2raumwohnung, Quarks, Mia oder eben Paula in den vergangenen Monaten von Labels und Medien in eine gemeinsame Bären-Marke gepresst sehen. Doch ausser dem Faktum, dass Frauenstimmen und elektronische Klangerzeugung in der Musik der Genannten eine Rolle spielen, scheinen die Gemeinsamkeiten gering.

Mit ihrem Debut "Himmelfahrt" und dem kleinen Sommerhit "Als es passierte" haben Paula vor zweieinhalb Jahren einen eigenen, retrolastigen und doch frischen Sound kreiert, der ihnen nicht nur eine beachtlich Fangemeinde sondern auch reichlich Kritikerlob beschert hat. Zwei Echo-Nominierungen gab es, zuletzt als "beste Künstlerin" (sic!). Dass Paula diesen Erfolgssound auf dem neuen Longplayer beibehalten, kann man ihnen kaum vorwerfen.

Denn, zugegeben: Die Veränderungen sind marginal. Doch das ändert wenig daran, dass etwa die drei Auftakt-Songs allesamt Single-Qualitäten aufweisen. Treibende Elektro-Ohrwurm-Mitsinger. Keine Atempause. Erneut wird hier Pop in einem außergewöhnlich britischen Verständnis ganz groß geschrieben. Mit Berlin hat das nichts zu tun. Eher Hamburg. Ohne Schulpflicht. Denn die Texte, wieder überwiegend aus Berends Feder, sind nicht plakativ politisch sondern radikal privat.

Liebe, Leiden und Forderungen des Alltags sind die vornehmlichen Themen. Stücke wie "Tadelloses Paar" transportieren Intimität. So etwas macht angreifbar. "Naiv" könnte man sagen. Oder gar "bürgerlich" ("Ich weiß was ich zu tuen habe, warten auf die guten Tage"). Doch die melancholischen Jungstexte mit Mädchenstimme sind mehr als nur ein tanzbares Tagebuch. Und diese Mehrschichtigkeit hat großen Pop schon immer ausgemacht.

Trackliste

  1. 1. Ich Weiss Zuviel
  2. 2. Die Stadt
  3. 3. Ich Denke Nicht Oft An Dich
  4. 4. Wie Es War
  5. 5. Tadelloses Paar
  6. 6. Wenn Ich Mich Erinnerte
  7. 7. Je Te Vois Bien
  8. 8. Es Wird Weitergehen
  9. 9. Warten Auf Die Guten Tage
  10. 10. Der Erste Versuch

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