laut.de-Kritik

Nur teilweise Interessantes aus der Bandgeschichte.

Review von

Was ist das denn bitte? Nach dem Wind, der um die Paradise Lost-Doku gemacht wurde, hab ich etwas anderes, vor allem ausgefeilteres erwartet. Sorry Leute, aber anstatt das ganze so künstlich aufzublasen, dass es auf zwei DVDs passt, hätte man so etwas locker auch als Bonus-DVD der nächsten CD beilegen können.

Das fängt schon damit an, dass es die eigentliche Doku noch als sogenannten "Director's Cut" gibt. Wer schaut sich denn da bitte die um 17 Minuten kürzere Version an? Kommen wir aber kurz zu deren Inhalt: Neben Barney Greenway, Martin Eric Ain, Mille, Cristian Scabbia, Lee Dorian und vor allem Aaron Stainthorpe ist es natürlich an der Band selbst, die bisherige Geschichte von Paradise Lost zu erzählen. Das hat durchaus seinen Reiz. Merkt man doch, dass die Engländer alle nicht nur äußerst sympathisch sind, sondern auch einen guten Sinn für Humor haben.

Auch der erste Drummer Matt 'Tuds' Archer kommt zu Wort und hat seinen nachfolgenden Kollegen damit einiges voraus. Lee Morris hat überhaupt keinen O-Ton auf der Scheibe und auch Jeff Singer kommt nur nebenbei einmal zu Wort. Greg, Nick und Aaron entpuppen sich aber als sehr humorvolle und interessante Erzähler, auch wenn man sich bei Nicks Aussprache doch sehr konzentrieren muss. Die Einsichten, die man dabei in die einzelnen Charaktere und die Band erhält, sind interessant und vor allem witzig.

Die Geschichte wird dabei chronologisch anhand der Alben abgearbeitet. Man wundert sich ein wenig, dass Greg die tiefen Growls von Nick Anfangs recht albern fand und sich seine ersten Riffs von Aaron beibringen lassen musste. Bei den wenigen Passagen, in denen tatsächlich mal Basser Steve zu Wort kommt, hat man ein wenig das Gefühl, dass sein Text schneller läuft, oder der Kerl einfach extrem durch die Nase spricht. Bei den Aufnahmen aus dem Backstage-Bereich in Griechenland ist das später allerdings nicht mehr der Fall ...

Die zweite DVD ist eigentlich weitgehend entbehrlich. Was in der Doku als Schnipsel mit minimalen Live-Einspielern zu sehen war, gibt es in Form der einzelnen Interviews mit Greg, Cristina und Barney nun in ausgespielter Länge. Gregs Sachen sind in der Doku fast zu 100% vertreten. Was Cristina und Barney zu erzählen haben, ist hingegen nur bedingt spannend. "Greece Backstage" ist genauso aufregend wie "Thessaloniki Rehearsal", nämlich überhaupt nicht. Jede Band langweilt sich bis zum Auftritt zu Tode. Bis auf ein paar Jokes ist das bei Paradise Lost nicht anders.

Man registriert vielleicht beim durchschauen, dass Nick in einem St. Pauli-Shirt durch die Gegend schlappt und dass die freundliche Crew der Band im Spaß ein Schaf zum Opfern anbietet, dessen Blut man später gemeinsam weg schlürfen könnte, aber das war's dann auch schon. Allein "Aaron Aedys's Paradise Lost Memorabilia" offenbart wieder Unterhaltungswert. Zuvor hat man schon erfahren, dass Aaron so etwas wie Gregs Gedächtnis ist, wenn es um Tourerlebnisse geht. Jetzt weiß man auch warum. Jener sammelt nämlich alle Karten und Unterlagen und packt sie hier aus. Für den Fan ist das nur halb interessant, allerdings sind die Anekdoten, die er zum Besten gibt, durchaus humorig.

All das erklärt aber immer noch nicht, warum man daraus ein Doppel-DVD-Set machen muss. Außerdem unterliegen sowohl die Aufnahmen, als auch der Sound immer wieder massiven Schwankungen, die es in einer professionellen Dokumentation einfach nicht geben darf. Für Fans ganz unterhaltsam, aber als Bonus-DVD wäre das mehr als genug gewesen.

Trackliste

DVD I

  1. 1. Over The Madness
  2. 2. Over The Madness (Director's Cut)

DVD II

  1. 1. Uncut Interview With Greg Mackintosh
  2. 2. Thessaloniki Rehersal
  3. 3. Greece Backstage
  4. 4. Uncut Interview With Cristina Scabbia
  5. 5. Uncut Interview With Barney Greenway
  6. 6. Aaron Aedy's Paradise Lost Memorabilia

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