laut.de-Kritik

Kumpelpunk mit Refrains, die große Hallen füllen.

Review von

Kurz nachdem die Paper Arms mit ihrem Album "The Smoke Will Clear" in Europa Fuß fassten, stieg Gründungsmitglied und Gitarrist Max Hunt aus. Das kann eine gut befreundete Band hart treffen, vor allem in einer solchen Phase. Den Paper Arms hat das aber entweder gut getan oder schlichtweg nichts ausgemacht. Zwei Jahre später stehen sie mit einer neuen Platte in den Startlöchern – und übertreffen sich selbst.

Dabei klingt "Great Mistakes" im ersten Moment gar nicht so anders als der Vorgänger. Die Songs tragen Holzfällerhemden und Vollbart, atmen den Geist von Hot Water Music, Make Do & Mend, Rival Schools und Title Fight tief ein und werden von Josh Manns kratzender Stimme getragen. Der Sound ist so rau, emotional und melodiös wie vor zwei Jahren. Aber irgendwas ist anders. "Great Mistakes" wirkt kumpelhafter, verspielter und optimistischer als das Vorgängeralbum.

"The Smoke Will Clear" hatte eine latente Unzufriedenheit, eine resignierende Grundstimmung. "Great Mistakes" wirkt dagegen regelrecht freundlich, aufgekratzt und unternehmungslustig. Und das obwohl die Paper Arms bei ihren melancholischen Texten bleiben und sogar mal dem Grunge fröhnen. "This Time" rumpelt und scheppert in bester Nirvana-Manier, den Refrain hätte locker Kurt Cobain schreiben können. Am Ende keift Josh Mann sogar mal richtig herum.

In "Blackout" wispert er am Ende regelrecht verzweifelt über eine einzelne Gitarre, nur um sich dann im hymnischen Schluss den Frust von der Seele zu singen. So deprimiert wirkt die Platte aber tatsächlich selten. Gerade die ersten fünf Songs packen den Hörer an den Armen und ziehen ihn direkt vor die Bühne. Dort wird gesprungen, gepogt und mit den Fäusten in der Luft gemeinsam gegrölt: "With friends like this – who needs anything?" Kumpelpunk mit Refrains, die große Hallen zu füllen.

In "Factory Settings", einem der kraftvollsten Songs, zelebrieren die Jungs ihr Loser- und Außenseitertum: "Here's to freaks and the meek and the gay / Here's to finding our own way / Here's to dancing to our own beat / And knowing that's ok". Bei "Fader" erinnert Manns losgelöste Melodieführung mal wieder an Walter Schreifels zu Quicksand-Zeiten. "No money in my pockets / No savings in my crawl space / No stocks up in the market / I got a big fat smile upon my face".

In der Posthardcore-Welle der letzten Jahre sind die Paper Arms zu einer überraschenden Konstante geworden. Anders als zum Beispiel Title Fight müssen sie nicht ein komplett neues Genre ausloten, um sich weiterzuentwickeln. "Great Mistakes" ist die konsequente Weiterführung von "The Smoke Will Clear", ohne eine bloße Kopie zu sein. Das erfordert viel Geschick, Spielfreude und Liebe zur eigenen Musik. Vielleicht war dazu der Neuanfang mit einem frischen Bandmitglied genau das Richtige.

Trackliste

  1. 1. Dedication
  2. 2. You Don't Speak For Me
  3. 3. Great Mistakes
  4. 4. This Time
  5. 5. Pick Yourself Up
  6. 6. Wake And Run
  7. 7. Blackout
  8. 8. Volumes
  9. 9. Shifty
  10. 10. Stumble Over
  11. 11. Fader
  12. 12. Strings
  13. 13. Factory Settings

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