31. Januar 2019

"Ich will mit dieser Band Festivals headlinen"

Interview geführt von

Papa Roach sind einfach nicht tot zu kriegen. Knapp 20 Jahre nach ihrem Über-Debüt "Infest" sitzen Jacoby Shaddix und Co immer noch fest im Crossover-Sattel. Und das auch völlig zurecht.

Papa Roach haben in ihrer mittlerweile 25 Jahre umfassenden Karriere so ziemlich alles erlebt, was das Rock-Business so zu bieten hat. Mit ihrem Dreifach-Platin-Debüt "Infest" legte die Band gleich zu Beginn die Messlatte hoch an. Überall auf der Welt lagen den Kaliforniern um Rampensau Jacoby Shaddix die Fans zu Füßen.

Es dauerte aber nicht lange, ehe Papa Roach auch die Schattenseiten des Rock-Olymp-Lebens kennen lernten. Rückläufige Plattenverkäufe, künstlerische Durststrecken und der übermäßige Konsum von Alkohol und anderen Substanzen brachten die Band in den Folgejahren nicht nur einmal an den Rand des Abgrunds.

Mittlerweile als treusorgende Familienväter, und vom Sex-Drugs-And-Rock-And-Roll-Rausch der Anfangstage befreit, machen Papa Roach nur noch musikalisch von sich reden - das allerdings noch genauso energiegeladen wie zu Beginn ihrer Karriere. Mit ihrem aktuellen Album "Who Do You Trust?" beweisen sie einmal mehr, dass sie in puncto Leidenschaft, Spielfreude und Power mit der aufmüpfigen neuen Crossover-Generation problemlos mithalten können. Kurz vor der Veröffentlichung von "Who Do You Trust?" schickten wir ein paar Fragen an Gitarrist Jerry Horton. Dieser Tage erreichten uns die Antworten:

Jerry, die Veröffentlichung eures neuen Studioalbums "Who Do You Trust?" steht kurz bevor. Nach 25 Jahren im Rock'n'Roll-Zirkus mal Hand aufs Herz: Wem könnt ihr noch vertrauen?

Jerry Horton: Wir mussten lernen, uns selbst zu vertrauen. Das war das Wichtigste. Es ging nie um andere Leute. Es ging immer nur um uns, und unsere künstlerische Vision. Wir wissen genau, was wir musikalisch wollen, und mit welchen Bands wir unterwegs sein wollen.

Mal abgesehen vom gängigen Promo-Standard à la "Das neue Album ist das bisher beste": Was macht "Who Do You Trust?" für dich zu einem besonderen Album?

Ich denke, dass wir diesmal viele Risiken eingegangen sind. Wir haben uns bisher mit jedem unserer Alben weiterentwickelt. Das tun wir auch diesmal. Aber es gibt einige Songs auf dem neuen Album, die ziemlich weit weg sind von dem, was wir normalerweise tun. Das ist für mich das Besondere an diesem Album.

"Wir wissen, dass wir auch viel Glück hatten"

Zwischen Songs wie "Top Of The World" und "I Suffer Well" liegen musikalische Welten. War das so geplant? Oder hat sich der Sound des Albums erst während des Produktionsprozesses entwickelt?

Unsere Intention war es, unseren Sound in unterschiedliche Styles einzubinden, und nicht umgekehrt. Ich habe jetzt irgendwie das Gefühl, ich würde mir eine selbst zusammengestellte Mixtape-Playlist anhören. Genau das wollten wir auch erreichen.

Lasst ihr euch noch von anderen Bands inspirieren? Oder musiziert ihr mittlerweile nur noch aus dem Bauch heraus?

Natürlich ist man offen für äußere Einflüsse, wenn es um bestimmte Atmosphären geht. Wir setzen uns aber nicht hin und sagen: Wir schreiben jetzt einen Song, der klingt, als hätten ihn die Jungs von Rage Against The Machine geschrieben. So ticken wir nicht.

Wenn ich einen Song auf dem Album besonders hervorheben müsste, würde ich mich entweder für "The Ending" oder "Come Around" entscheiden. Wie sieht es da bei dir aus? Gibt es ein Track auf dem Album, der dir besonders am Herzen liegt?

Das ändert sich bei mir fast täglich. Im Moment steht "Not The Only One" ganz oben auf meiner Liste. Das ist ein faszinierender Track, der zwischen Pop und Anti-Pop hin und her pendelt.

Ihr habt in den vergangen 25 Jahren unheimlich viel als Band erreicht. Ihr musstet aber auch einige tiefe Täler durchschreiten. Mal ehrlich: Wundert ihr euch manchmal, dass ihr noch am Start seid?

Wir haben uns die Ärsche abgearbeitet. Wir haben immer versucht, die besten Songs zu schreiben. Und wir geben bei jeder Show unser Bestes. Natürlich wissen wir aber auch, dass wir viel Glück hatten.

"Die Reise ist noch lange nicht zu Ende"

Als ihr damals mit "Infest" auf dem Gipfel standet, gab es erfolgreiche Crossover- und Nu Metal-Bands wie Sand am Meer. Heute stehen neben euch nicht mehr viele Bands mit ähnlichen musikalischen Trademarks auf der Sonnenseite. Woran liegt das?

Über andere Bands kann ich mir kein Urteil erlauben. In unserem Fall ist so, dass wir stets bemüht waren, uns weiter zu entwickeln. Wir haben uns mit jeder Platte verändert, ohne dabei unsere Basis aus den Augen zu verlieren. Ich denke, dass Entwicklung und der Mut zur Veränderung die Schlüssel sind. Es gibt nicht ohne Grund nur eine Handvoll Bands, die so klingen wie am ersten Tag und heute trotzdem noch relevant und erfolgreich sind.

Welche Bands da draußen hauen dich dieser Tage aus den Socken?

Oh, da gibt es so einige. Momentan steh ich besonders auf Bring Me The Horizon, Of Mice And Men, Beartooth, Don Broco und A Day To Remember.

Gibt es einen unerfüllten Traum, den du unbedingt noch wahr werden lassen willst?

Natürlich haben wir noch Träume. Die Reise ist noch längst nicht zu Ende. Ich will mit Papa Roach Festivals headlinen. Ich denke auch, dass wir da sehr nah dran sind. Wir müssen einfach noch präsenter sein.

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3 Kommentare mit 5 Antworten

  • Vor 15 Tagen

    Mann muss einfach eingestehen das die Jungs die letzten Paar Jahre, wo andere untergegangen sind, richtig hart gearbeitet haben und viele Geile Sachen Geschrieben. Also ich war immer wieder überrascht wie frisch ihre Alben klangen, bzw es immer noch tun.

  • Vor 13 Tagen

    was das nicht erst so ne überschrift mit "mixtape blabla"?

  • Vor 9 Tagen

    Die haben es tatsächlich irgendwie geschafft, in Würde aus der Chose rauszukommen. Sowas wie die Pearl Jam ihres Genres.

    • Vor 9 Tagen

      Sorry, aber den Titel würde ich aus diesem NuMetal/Crossover-Sumpf maximal den deftones zusprechen - also, "in Würde aus der Chose herausgekommen" zu sein und nur für den Fall, dass jemand deftones jemals zu dieser Chose hinzugerechnet haben sollte...

      "Die Pearl Jam ihres Genres" sehe ich persönlich ja als Beleidigung für jede Band, die heute noch mit verzerrten Gitarren arbeitet, da "die modernen Pearl Jam", sprich alles ab dem neuen Jahrtausend, für mich der Inbegriff des zahnlosen Dad-Rocks sind und die mir bei längerer Überlegung auch damals schon als Freund von Faith No More und helmet zu angepasst und gemäßigt rüberkamen, als dass ich die wirklich ernsthaft mal zu Hause aufgelegt hätte.

    • Vor 9 Tagen

      "...und die mir bei längerer Überlegung auch damals schon..."

      Iz klar.

    • Vor 9 Tagen

      Take it or leave it, aber nach gut 30 Jahren Musik konzentriert hören / machen / auswärts auflegen brauchst du bei manchen Acts oder Platten echt nen Moment, um dir zu vergegenwärtigen, ob und wenn ja, warum du das überhaupt besitzt - und unter welchen Umständen bzw. in welchen Zuständen du das gehört und/oder selbst irgendwo aufgelegt hast.

      Zusätzlich bin ich heute nach ner unerwarteten Zahnwurzelbehandlung ordentlich nachsediert und entsprechend kognitiv verlangsamt, my bad.

    • Vor 8 Tagen

      "Dad-Rock" ist so ein bescheuerter Begriff. Natürlich sind sie nicht mehr so zwingend wie in den 90ern, wie denn auch. Ich kann mit den späteren PJ-Alben (alles nach der Avocado) auch wenig anfangen, aber mir ist es 100x lieber, wenn eine Band so altert, als wenn sie mit der Brechstange Peinlichkeiten begeht. Die Deftones sind auch recht solide "alt" geworden, wobei ich die für maßlos überschätzt halte. Vor allem die "härteren" Songs, in denen Chino wie ein Schwein kreischt, funktionieren für mich gar nicht mehr. Sowas wie "Minerva" ist dagegen schon noch cool.