laut.de-Kritik

Das ist kein Label, das ist ein Haufen Trunkenbolde.

Review von

"Am Anfang war das Ende, am Ende folgerichtig der Anfang, und zwischendrin beweint die Welt das eigene Lachen." Was auf den ersten Blick wie eine sinnlose Aneinanderreihung nicht eben tiefgründiger Wortspiele wirkt, umrahmt in Wirklichkeit das durchdachte Albenkonzept von PCP.

Denn zwischen Ende und Anfang findet die Neuordnung der Gesellschaft statt, begleitet vom diabolischen Lachen der vier selbsternannten apokalyptischen Reiter JAW, Maexer, Rynerrr und Private Paul.

Obgleich das Cover des zweiten Albums der Breisgauer erneut auf die Droge Angel's Dust hindeutet, steht das Kürzel PCP doch nach wie vor für Projekt Chaos Punks. Und ebenso wie Meat Loafs Gesellen im namensgebenden Film "Fight Club" fühlt man sich trotz Mittelstand, Ausbildung, Job und Freundin schlicht wie ein großer Haufen Weisser Scheisse oder eben "ein Stück Dreck - aber ein Stück Dreck mit einer Knarre!" ("Schmetterling").

Trotz des vielversprechenden Titels "Menschenfeind" widmete sich Labelzugpferd JAW auf seinem letzten Output mit Hollywood Hank eher lauem Battlerap. Der zweite Streich seiner Crew dreht sich wiedergutmachend um antisoziale Gewaltphantasien. Er dreht sich um Nihilismus ("Ich geb' so kein' Fick, ich flieg im Puff raus"), Selbsthass, um Anarchie. Und des Öfteren auch um die eigene Achse: Exzessive "Bierliebe" ist wohl die einzige positive Emotion, die ein PCP sich eingesteht.

"Wenn heute durch das Kanzleramt / Leute mit nem Panzer fahr'n / weiß die ganze Welt Bescheid: Projekt Chaos Punks am Start!" Inhalt und Attitüde des Crewalbums orientieren sich mehr an Rynerrrs Juice-geadeltem Debütalbum "Symptome" und dem PCP-Erstling "Nimm's Und Verreck' Dran" als an JAWs depressivem Meisterwerk "Schock Fürs Leben". Dennoch kotzt der Kopf des Labels einige der besten Zeilen seit langem aus dem alkoholgetränkten Schädel.

Besonderer Respekt gebührt Private Paul: Der Neuzugang fügt sich nicht nur textlich absolut homogen in dieses emotional derangierte Trio ein, auch technisch ist er seit der "Kash EP" einen Riesenschritt gegangen: Der selbstbenannte Solotrack gehört neben "Schmetterling", "Spiel Mir Das Lied Vom Dach", dem Titeltrack und dem Outro zu den Höhepunkten der Scheibe.

Musikalisch finden die zehn verschiedenen Produzenten ihr Jagdgebiet hauptsächlich bei harten Gitarrenriffs, klassischen Chorälen und Fanfaren. Dieses erstaunlich gelungene Gemisch torkelt während stattlicher 20 Tracks nur selten: Mit dem unerträglich faden "Maschinen" und dem dreist von Cake geklauten "Kein Zurück" fliegt es allerdings auch mal hart auf die Fresse.

"Kein Label, sondern ein Haufen Trunkenbolde"? Möglich. Doch trotz des proklamierten ständigen Pegels und thematischer Schwerverdaulichkeit ist auch die dritte Geburt aus dem Weissen Scheisshaus durchaus nett anzuschauen. Und wenn das nächste Mal "die Jam beendet wird, weil die besoffenen Rapper die Gäste hauen", sollten diese fortan wenigstens die Namen derer kennen, die es anzuzeigen gilt.

Trackliste

  1. 1. Am Anfang...
  2. 2. ...War Das Ende
  3. 3. Kein Zurück
  4. 4. Weisse Scheisse
  5. 5. Nimm Die Welt Wie Sie Ist
  6. 6. Asokacke ft. Hollywood Hank
  7. 7. Bierliebe
  8. 8. Spiel Mir Das Lied Vom Dach
  9. 9. Punkrockbaby ft. Me$$age
  10. 10. Private Paul
  11. 11. Lache Und Die Welt Weint Mit Dir
  12. 12. Harter Tag
  13. 13. Kommt Ran! ft. Peter Maffya
  14. 14. Rinderbraten
  15. 15. Maschinen
  16. 16. Schmetterling
  17. 17. Engelsstaub ft. Me$$age
  18. 18. Am Ende War
  19. 19. ...
  20. 20. Der Anfang

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