laut.de-Kritik

Vom Glück zurück in der Realität des Deutschraps.

Review von

Heimfahren ist schön. Es gibt reichlich Essen im Hotel Mama und man kann "die Seele mal baumeln lassen" (Tucholsky/Denyo). Nun gurkt die Bahn aber starke drei Stunden durch Käffer und Dörfer, die mit Ach und Krach ein grünes Ortsschild verdient haben. Zeit genug also, sich dem Essener PA Sports zuzuwenden.

Vom Glück zurück in der Realität: Während die Singener Zollbeamten sich ungeschickt durch die mit Koffern zugebombten Gänge drücken, stolpert in meinen Kopfhörern ein selbsternannter Gangster-Rapper über langsame Tunes, die künstliche Melancholie mit in Moll vorgetragenen Klavier-Melodien erzeugen. Lieblos drunter gekehrte Hi-Hats mit an Bedeutungslosigkeit grenzende Bässe definieren nicht die "Wahre Liebe 2012" sondern die Beat-Langeweile 2012.

Das ruft nicht mal im Ansatz dieses Gänsehautgefühl eines Curse-Flairs herauf. Im Gegenteil: Das Gejammer von Parham Vakili wiegt in etwa das Plärren eines Kleinen im Kinderwagen auf, den eine mürrische Frau mit überlangen, pink lackierten Fingernägeln gerade in das Abteil wuchtet. Immerhin gibt der 22-Jährige bereits fast verständliche, entfernt an Worte erinnernde Laute von sich.

Der Pseudo-Romantiker macht einen auf großen Beschützer und hält seinen "Engel" auf Händen ("Ich Such Dich"), während er im nächsten Moment mit vorgehaltenem Verständnis und Hook-Gejammer von Moe Phoenix den großen Poet heraushängen lässt ("Eine Chance"). Sein Gast Alpa Gun nennt PAs Problem beim Namen: "Deutscher Rap redet über Sex, Gewalt oder Drogen / Doch von dem was sie uns erzählen ist die Hälfte erlogen." Kann man so stehen lassen.

Spannung liefert einzig der Ausblick aus dem Fenster rund um den Dreifaltigkeitsberg am äußersten, südwestlichen Rand der Schwäbischen Alb. "Vom Glück Zurück" ist die inhaltlose Inkarnation der auf Platte gepressten Langeweile. Weder die Heulsusen-Nummern berühren in irgendeiner Weise, noch die Straßen-Tracks oder das Geblubber rund um Luxuswagen. Den 20 Songs fehlt selbst die nötige PS-Stärke, um eine Wurst vom Teller zu ziehen.

"Deutsch-Rap ist Flower Power, ich bin hier die Heckenschere". Ich korrigiere: bestenfalls ein stumpfer Nagelknipser.

Trackliste

  1. 1. Intro
  2. 2. Narben Der Zeit
  3. 3. Volles Magazin
  4. 4. Harami Crimesound feat. Hamad 45
  5. 5. Eine Chance feat. Moe Phoenix
  6. 6. Sie Ist Eine Hure feat. KC Rebell & Moe Phoenix
  7. 7. Pasozial 2
  8. 8. Wahre Liebe 2012
  9. 9. Ich Such Dich
  10. 10. Kurzer Prozess
  11. 11. Alles Filme feat. Alpa Gun
  12. 12. Ich Muss Gehen
  13. 13. Kickdown
  14. 14. Schick Mir Ein Zeichen feat. Moe Phoenix
  15. 15. Ich Wollte Nie Sein Wie Ihr
  16. 16. Arazel Business PA Sports feat. Nazar
  17. 17. Nur Ein Tag feat. Vega
  18. 18. Happy End (Outro)
  19. 19. Plastik (Bonustrack)
  20. 20. Eiskalt (Bonustrack)

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32 Kommentare

  • Vor 7 Jahren

    laut.de was soll denn der ganze aufwand für diese alben immer neue reviews zu schreiben? wenn die 'gangster' auf ihren alben nichts neues erzählen, müsst ihr das doch auch nicht. also erstellt mal 1 textbaustein (dürfte reichen um die unendliche ideenvielfalt abzudecken)
    ps: gab's wirklich kein interessanteres album zum rezensieren?

  • Vor 7 Jahren

    "Sein Gast Alpa Gun nennt PAs Problem beim Namen: 'Deutscher Rap redet über Sex, Gewalt oder Drogen / Doch von dem was sie uns erzählen ist die Hälfte erlogen.'"

    DAS ist das Problem an dem Album? Also wenn PA seine Gewalt- und Drogenexzesse selbst erlebt hätte, wäre es qualitativ besser?

    Diese Realnessdebatte werde ich nie verstehen.