laut.de-Kritik

Ein hassenswerter Soundtrack des Micky Maus Jazz Clubs.

Review von

Bei den Oscar-Verleihungen 2016 kam es zu einem Aufschrei des afroamerikanischen Hollywoods. Zum zweiten Mal in Folge nominierte die Academy ausschließlich weiße Schauspielerinnen und Schauspieler. Eigentlich kein Wunder, da gerade einmal 12,5 Prozent der Sprechrollen in Hollywood an Schwarze vergeben werden. Jeweils fünf steht Asiaten und Latinos zu.

Ein Jahr später steht Damien Chazelles Musical "La La Land", das bei den Golden Globes bereits sieben Auszeichnungen einheimste, bei den Buchmachern hoch im Kurs für mehrere Oscars. Ein Film, der Mia Dolans (Emma Stones) Traum von der großen Schauspielkarriere und den Jazz in den Mittelpunkt stellt. Eine Musikrichtung, geprägt von der Geschichte der Afroamerikaner. Die männliche Hauptfigur, der von Ryan Gosling gespielte Pianist Sebastian Wilder, zählt Thelonious Monk und Bud Powell zu seinen Vorbildern. Während die Ausstattung des Films kunterbunt gerät, färbt Hollywood die Jazz-Geschichte in der einzigen Farbe, die es kennt: Weiß. Für die eigentlichen Protagonisten des Genres bleiben nur Nebenrollen.

Ebenso wie der Film, spart der Soundtrack die Schwarztöne zum größten Teil aus. Die meiste Zeit überflutet er seinen Hörer mit putzmunteren Dur-Akkorden. Ein Konfettiregen der guten Laune, den nur Justin Hurwitzs kurze Pianostücke, das melancholischen "City Of Stars" und "Audition (The Fools Who Dream)" unterbrechen. Der "La La Land"-Soundtrack klingt, als hätte Disneyland mit dem Mickey Mouse Jazz Club einen neuen Themenbereich eröffnet.

Für den Alibischwarzen Keith, gespielt von John Legend, reicht es nicht einmal für einen Nachnamen. Gnädigerweise darf er dann 'Seb' die Geschichte des Jazz erklären und mit "Start A Fire" einen eigenen Song singen. Dieser hebt sich mit seinem modernen Soundgewand deutlich von den anderen Stücken ab, bleibt aber, wie so vieles in Legends jüngerer Vergangenheit, verzichtbar.

Justin Jurwitzs kann man sein Händchen für mitreißende Melodien nicht absprechen. Mit den überzuckerten "Another Day Of Sun", "Someone In The Crowd" und "City Of Stars" gelingen ihm Kompositionen, die sich nachhaltig in die Filmhistorie knabbern. In "Herman's Habit", dem besten Stück des Albums, kopiert er Jazz sogar ausgesprochen authentisch. Für diesen Moment lässt er die Zuckerglasur, die er ansonsten über die ganze "La La Land"-Filmmusik verteilt, weg. Ein hassenswerter Soundtrack, der über die nächsten Jahrzehnte seinen Weg in in jede Musiksammlung findet, die nichts auf sich hält.

Trackliste

  1. 1. Another Day Of Sun
  2. 2. Someone In The Crowd
  3. 3. Mia & Sebastian's Theme
  4. 4. A Lovely Night
  5. 5. Herman's Habit
  6. 6. City Of Stars
  7. 7. Planetarium
  8. 8. Summer Montage / Madeline
  9. 9. City Of Stars
  10. 10. Start A Fire
  11. 11. Engagement Party
  12. 12. Audition (The Fools Who Dream)
  13. 13. Epilogue
  14. 14. The End
  15. 15. City Of Stars (Humming)

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17 Kommentare mit 24 Antworten

  • Vor 3 Jahren

    Dieser Kommentar wurde vor 3 Jahren durch den Autor entfernt.

  • Vor 3 Jahren

    Habe leider auch so meine Zweifel, dass der Film eher symptomatisch für das aktuelle Kino in Hollywood steht. Hast du sehr schön ausgearbeitet, Sven. Für ein Musical an sich erwarte ich da auch eine gewisse Zeitlosigkeit der Kompositionen, dass andere Künstler sie in 20, 30 Jahren neu interpretieren und am Leben erhalten, denn eine Zuckergussglasur Marke Traumfabrik.

  • Vor 3 Jahren

    Diese allgemeine Rückbesinnung auf das glamouröse "alte Hollywood", welche in dem Award-Hype für diesen Musicalfilm kondensierte, halte ich für das letzte Aufbäumen einer überalterten und selbstgefälligen Maus, die erst beim Verschlingen durch die chinesische Schlange bemerkt, dass sie in diesem Leben Maus und nicht Schlange ist.

    • Vor 3 Jahren

      >:|

      Sehr anschauliche Metaphern.

    • Vor 3 Jahren

      Glaube ehrlich gesagt nicht, dass der Abstieg Hollywoods viel mit den Chinesen zu tun hat. Eher mit Netflix & Co.

    • Vor 3 Jahren

      Der Abstieg allein sicher nicht (da sehe ich neben Netflix und Co. auch wirklich die Ideenlosigkeit, Turbokapitalismus und resultierende Fixierung auf Comicverfilmungen mit Merchandise-Goldesel dran in den letzten beiden Jahrzehnten).

      Mein Kommentar war mehr so auf meine Spekulation gemünzt, dass noch das ein oder andere "Traditionsstudio" in den Hills die nächsten Jahre betriebswirtschaftlich von der chinesischen Kinoindustrie und deren Wirtschaftsboom übernommen werden könnte - und es sollte darin bildlich mitschwingen, dass jene Kinoindustrie m.E. auch viele (oder mehr) interessante Stoffe und Geschichten verarbeitet im Vergleich zum ehemals großen westlichen Vorbild...

    • Vor 3 Jahren

      Kennt sich eigentlich jemand mit chinesichen/asiatischen Filmen aus? Paar Sachen von Akira Kurasawa kenne ich, und ein Bisschen was von Johnnie To (Sparrow und Vengeance), aber sonst leider sehr wenig. Wäre dankbar für Tipps.

    • Vor 3 Jahren

      Mal nur Japan jetzt: fang' mal mit Ozu an, Imamura, Mizoguchi, wenn du genug Geduld hast dann die 'The Human Condition'-Trilogie.

      Und zwei ganz persoenliche Tipps von mir: die Klassiker 'All Women Are Whores' und 'Niku daruma (Tumbling Doll of Flesh)'.

    • Vor 3 Jahren

      Interessante Deutung, der ich vollkommen zustimme. Aber vergiss nicht, dass die alten Producer-Säcke in Hollywood, die einen Herzinfakt bekommen und sich zu Tode pissen würden, wenn ein gut aussehender, pech-schwarzer Darsteller Miles Davis Bitches Brew für Emma Stone spielen würde, glauben, sie hätten das Problem mit dem asiatischen Markt gelöst:
      Egal ob neuer Terminator oder Remake der Glorreichen Sieben, sie casten einfach einen einzigen Südkoreaner in jeder denkbaren Nebenrolle. ^^
      http://www.imdb.com/name/nm0496932/?ref_=t…

    • Vor 3 Jahren

      Was chinesische Filme betrifft, kommt man wohl nicht an Zhang Yimou vorbei. Dabei denke ich aber nicht so sehr an seine neueren Martial-Arts-Epen "Hero" und "House of Flying Daggers" (Ang Lees "Tiger & Dragon" gehört natürlich auch in diese Sparte), sondern eher an "Rote Laterne" und "Leben!", zwei hervorragende Dramen, die auch noch einen tollen Einblick in die chinesische Gesellschaft und Geschichte im 20. Jahrhundert geben. Und die Hauptdarstellerin Gong Li ist natürlich auch nicht zu verachten... ;)

      Ansonsten stehen ja viele Programmkino-Freunde auf Wong Kar-Wai, besonders wohl auf "Chungking Express" und "In the Mood for Love". Würde zumindest letzteren empfehlen, ersterer ging mir irgendwie auf den Sack. :D

    • Vor 3 Jahren

      Dann würde ich dir wärmsten "Ente süß/sauer" mit Christopher Walken und Lindsay Lohan empfehlen. Eine epochale Charakterstudie voll feinsinniger Momentaufnahmen. Ein ehemaliges Hutmodel reist von Bonn nach Hongkong um die dortige Curb zu waxen. Jim Carey als Dr. Fumanschu brilliert in einer Nebenrolle. Wann der Film in deutschen Lichtspielhäusern zu sehen ist bleibt ungewiss, da Günther Oettinger mit der Lokalisierung betraut wurde

    • Vor 3 Jahren

      Icy: Schau' ihn nochmal an. Und nochmal. Und nochmal. Alleine was Doyle da anstellt, ist der komplette Wahnsinn. Fuer den Rest muss man halt eine hochromantische Ader haben, dbzgl. weiss ich ja nichts ueber dich. ;) Und es hilft natuerlich auch viel, wenn man mal das Hong Kong der Neunziger gesehen hat (Kowloon Walled City - heftig). Chungking Mansions aehnlich verrueckt, gibt es immer noch, wird immer irrer. Muss man gesehen haben. Da haette ich stories am Start, Deutschrap ist dagegen Kinderkacke.

      Zwei der besten (Festland-) Chinafilme der Moderne sind 'Suzhou River' und 'Beijing Bicycle'.

  • Vor 3 Jahren

    Bei der Wortwahl "hassenswerter Soundtrack" muss sich der Autor dieser Rezension fragen lassen, ob er Musik überhaupt noch als Ausdruck von Gefühlen wahrnehmen kann oder nur noch als Objekt musik"wissenschaftlicher" Besserwisserei.

  • Vor 3 Jahren

    der film mochte ich nicht sehr. gute momente, gutes endig, aber ich hasse musicals halt hart.

    6 oscars find ich nicht gerecht, wobei ich nicht wüsste wer es verdient hätte.

  • Vor 3 Jahren

    Für laut.de eine relativ unseriöse Kritik die klingt, als hätte sie ein bockiger Teenager verfasst. Wer wirklich etwas Seriosität am Tag legen will, sollte lernen, Worte wie "Hassenswert" nicht unbedingt gleich in die Überschrift einzubacken. Der Rezensent klingt beleidigt, als wäre er letzte Nacht in Bangkok in einem billigen Hotel aufgewacht und jemand hätte ihm seine Niere geraubt. Und das wäre doch etwas, was wirklich hassenswert wäre.