laut.de-Kritik

Ich bin Groot!

Review von

"Guardians Of The Galaxy" geht schlichtweg als der beste Marvel-Film durch. Ein kunterbuntes Vergnügen, das sich im Gegensatz zu den anderen Werken der zweiten Phase im Marvel Cinematic Universe nie zu ernst nimmt und selbst den Avengers im Vorbeiflug die Zunge rausstreckt. Loki mag eine Armee haben, die Avengers Hulk, aber nur die Guardians haben Groot.

Einen von vielen Gründen, warum die Geschichte um Peter "Star Lord" Quill, Rocket Raccoon, Drax, dem Zerstörer, Gamora und Groot so gut funktioniert, liegt im Soundtrack und dessen geschickter Verbindung mit der Story verborgen. Hier werden nicht einfach ein paar aktuelle Stars durch das Studio gejagt, um ein paar unmotivierte Stücke einzusingen. Vielmehr lauschen wir einem Mixtape von Mama Star Lord, das sie im Jahr 1988 für ihren Sohn Peter aufgenommen hat. Diese im Grunde vollkommen deplatzierten Songs unterstützen zusammen die Stimmung des Films perfekt.

Als sich der kleine Bub ungewollt auf seinen Weg ins Weltall macht, bleiben diese Kassette und ein kleines Geschenk die letzten Erinnerungen an seine Mutter. Zum Glück hielt sich die Dame bei der Aufnahme an ihre Lieblingslieder, so bleiben uns die zeitgenössischen Phil Collins, Los Lobos, Poison und Rick Astley erspart.

Die Filmmusik verbreitet vom ersten "Ooga-Chaka-Ooga-Ooga" in Blue Swedes "Hooked On A Feeling" eine ganz eigene schrullige Atmosphäre. Klassiker wie das eh schon intergalaktische "I'm Not In Love" von 10cc treffen auf den vom Punk beeinflussten Hard Rock von The Runaways "Cherry Bomb". In dieser Umgebung ergibt selbst das seit vielen Jahrzehnten ausgelutschte "Spirit In The Sky" von Norman Greenbaum noch ein letztes Mal Sinn.

Netterweise verzichtet der Film auf die mittlerweile obligatorische tiefsinnige Erklärung der einzelnen Charaktere. Wo heutzutage ansonsten gerne 45 Minuten drauf gehen, um die düstere Vergangenheit der Hauptfiguren und ihre Motivation zu erklären, reichen in "Guardians Of The Galaxy" wenige Bilder und Sätze aus. So spart sich auch der erfrischende Soundtrack all zu dunkle Momente. Stattdessen darf die Beinprothese munter zum Takt von Rupert Holmes' "Escape (The Pina Colada Song)" mitwippen.

"I'm an alligator / I'm a mama-papa coming for you / I'm the space invader / I'll be a rock 'n' rollin' bitch for you." Allein dafür, dass die Marvel Studios David Bowies "Moonage Daydream" mitsamt Mick Ronsons ins Weltall abdriftendem Gitarrensolo in eine optisch adäquate Umgebung schießen, gebührt ihnen Dank.

Im Grunde war uns allen doch schon immer klar, das einst die Grazie der The Five Stairsteps in "O-o-h Child" ganze Welten rettet. Doch den ganz besonderen Augenblick, dieses kaum zu erreichende meisterhafte Zusammenspiel aus Film und Musik, schafft der "Awesome Mix Vol. 1" eigentlich erst dann, als wir ihn im Grunde schon verlassen haben. Sobald auf der Leinwand die ersten Töne von "Ain't No Mountain High Enough" von Marvin Gaye und Tammi Terell erklingen, bleibt nichts anderes, als von einer Gänsehaut geschüttelt niederzuknien. Eine kleine Nebengeschichte verbindet sich mit einem der schönsten Songs, die die Erde zu bieten hat, zu einem unvergesslichen Kino-Moment.

Mit "Guardians Of The Galaxy: Awesome Mix Vol. 1" gelingt Peters Mutterherz ein ganz besonderes Kleinod. Ein Schatz, für den man auch gerne noch einmal in ein revoltierendes Gefängnis zurückkehrt. Ein Mixtape, wie es einem Star Lord gebührt. Ohne mit der Wimper zu zucken, springt sie vom Soul über Soft- und Glam Rock zum Punk und wieder zurück. Trotzdem bleibt das Ding in sich stimmig. Letztendlich lässt sich all dieses Geschwafel hier jedoch in drei ganz einfache Worte zusammenfassen: Ich bin Groot.

Trackliste

  1. 1. Blue Swede - Hooked On A Feeling
  2. 2. The Raspberries - Go All The Way
  3. 3. Norman Greenbaum - Spirit In The Sky
  4. 4. David Bowie - Moonage Daydream
  5. 5. Elvin Bishop - Fooled Around And Fell In Love
  6. 6. 10cc - I'm Not In Love
  7. 7. Jackson 5 - I Want You Back
  8. 8. Redbone - Come And Get Your Love
  9. 9. The Runaways - Cherry Bomb
  10. 10. Rupert Holmes - Escape (The Pina Colada Song)
  11. 11. The Five Stairsteps - O-o-h Child
  12. 12. Marvin Gaye & Tammi Terrell - Ain't No Mountain High Enough

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