laut.de-Kritik

Nehmt Abstand von diesem Mumpitz!

Review von

Es ist schon ein Leichtes, nach Lust und Laune auf eine Band wie One Direction draufzukloppen. Angriffsflächen bietet das mittlerweile nur noch zu viert operierende britisch-irische Kollektiv schließlich genug. Boyband-Dilemma halt. Vier smarte Mittzwanziger mit geföntem Haupthaar und schmachtenden Stimmchen, die vom Umgang mit klassischen Instrumenten in etwa genauso viel verstehen wie "Schwiegertochter Gesucht"-Beate vom Liebemachen, lechzen förmlich nach einem alljährlichen Verriss-Feuerwerk.

Die Fans der Beaus von der Insel sehen das natürlich alles ganz anders. Das bekommen auch wir hier in der Redaktion jedes Jahr wieder aufs Neue zu spüren. So kam zum Beispiel diese Beschwerde im vergangenen November auf: "Vielleicht einfach noch einmal anhören, an die Zielgruppe, an die es gerichtet ist denken und nicht so einen abartigen Dreck von sich lassen. Nur weil es den persönlichen Geschmack nicht trifft, sollte man nicht alles schlecht machen."

Nun, genau das tun wir aber doch, wenn wir das Gehörte mit giftiger Feder in der Luft zerreißen. Wir denken dabei ausschließlich an die Zielgruppe. Denn wenn die Eltern der "Directioners" ihre Kinder nicht auf den rechten musikalischen Weg lotsen, dann müssen wir halt in die Bresche springen. Es ist dann unsere Aufgabe, einen immens wichtigen Erziehungsauftrag zu leisten und dafür zu sorgen, dass der soundgewordene Teufel hinter den Millionen verschlossenen Kinderzimmerzimmertüren mit strengen Worten exorziert wird. Was getan werden muss, muss getan werden. Punkt!

Und so sehe ich mich – als auserkorener Austreiber der musikalischen Verdummung auch in diesem Jahr gezwungen, den mahnenden Zeigefinger zu heben und der jugendlichen Welt da draußen zu verkünden: Nehmt Abstand von diesem Mumpitz!

Auch anno 2015 verfolgen die Verantwortlichen nur ein Ziel: die Eroberung orientierungsloser Herzen, die zum Großteil erst seit zwölf oder fünfzehn Jahren schlagen. Die Träger dieser Herzen sind natürlich ein gefundenes Fressen für liebestolle Versprechungen, eingewickelt in ein musikalisches Gerüst aus Zuckerwattestangen und Hubba Bubba-Verbindungsstücken.

Sicher, das Ganze hat oberflächlich betrachtet Hand und Fuß. Keiner singt schief, die Beats pumpen auf internationalem Niveau und auch die Melodien wollen so schnell nicht aus dem Ohr. Aber das alles ist nur Fassade. Hinter seufzendem Kerzenscheingesäusel ("Love You Goodbye", "If I Could Fly", "Walking In The Wind") und forsch nach vorne preschendem Plastik-Pop ("Perfect", "Never Enough", "Olivia") verstecken sich schwarze Krater, die jedwede Hoffnung auf keimende musikalische Echtheit erbarmungslos in die finstere Tiefe ziehen.

Herausgespuckt werden am Ende lediglich zermalmte Zahnspangen und haufenweise zerfledderte BRAVO-Ausgaben. Während es Miley und Justin mittlerweile eingesehen haben, dass man der pubertären Gefolgschaft irgendwann auch mal mit einer künstlerischen Weiterentwicklung begegnen sollte, düsen One Direction in ihrer rosaroten Limousine weiter unbeirrt in Richtung Niemandsland. Aber zum Glück sind wir ja noch da, mit in Worte gefassten Straßensperren und Radarfallen im Gepäck – zum Schutze unserer Jugend!

Trackliste

  1. 1. Hey Angel
  2. 2. Drag Me Down
  3. 3. Perfect
  4. 4. Infinity
  5. 5. End Of The Day
  6. 6. If I Could Fly
  7. 7. Long Way Down
  8. 8. Never Enough
  9. 9. Olivia
  10. 10. What A Feeling
  11. 11. Love You Goodbye
  12. 12. I Want To Write You A Song
  13. 13. History
  14. 14. Temporary Fix
  15. 15. Walking In The Wind
  16. 16. Wolves
  17. 17. A.M.

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7 Kommentare mit 8 Antworten

  • Vor 3 Jahren

    entweder ist die mail vom chef, welche besagt, dass neuerdings jeder schrott hier gefälligst mit 4 zählern durchzujubeln ist im spam gelandet, oder butterweck ist ein wahrer rebell :D

  • Vor 3 Jahren

    Man kann von der CD ja halten was man will, aber dass sie im Vergleich zum Debüt-Album einen Stern weniger erhält finde ich schon etwas merkwürdig. Immerhin haben die Jungs hier fast jeden Song selbst (mit)geschrieben und spielen auch einige der Instrumente.
    Und ganz so seicht geht es auch nicht mehr zu, so geben sie offen zu, dass es sich bei einem Lied um Sex am Tag der Trennung handelt. Klar, das Album ist nicht jedermanns Geschmack, und man kann einen Stern sicher rechtfertigen, aber als negative Entwicklung im Vergleich zum Anfabg würde ich es nicht bezeichnen.

    • Vor 3 Jahren

      "Immerhin haben die Jungs hier fast jeden Song selbst (mit)geschrieben und spielen auch einige der Instrumente."

      und das ist jetzt schon ein kriterium für höhere punktzahlen?

    • Vor 3 Jahren

      "Und ganz so seicht geht es auch nicht mehr zu, so geben sie offen zu, dass es sich bei einem Lied um Sex am Tag der Trennung handelt."

      Immerhin ... mal was anderes Seichtes als die seichten Lieder über One-Night-Stands ... Wenn wir nicht aufpassen und die Entwicklung so weitergeht, kommen auf dem nächsten Album seichte Lieder über Sex in der Nacht nach dem Ableben.
      Gruß
      Skywise

    • Vor 3 Jahren

      "Immerhin haben die Jungs hier fast jeden Song selbst (mit)geschrieben und spielen auch einige der Instrumente."

      Da schau mal her. Ne Musikgruppe, die ihre Songs mitbestimmt UND auch sogar ein paar Instrumente bedient? Wer hätte das gedacht!

    • Vor 3 Jahren

      Das Trio der altgedienten, nimmermüden Windmühlenbekämpfer und Mit-Fanbois-Debattierer findet sich zu einem Gipfeltreffen zusammen.

    • Vor 3 Jahren

      ja wieso über Kriegsverbrechen schreiben wenn man über Sex schreiben kann? (ja ich hör halt grad mal holy mountains)

  • Vor 3 Jahren

    @Paranoid_Android
    Nö, darum schrieb ich ja, dass man einen Stern durchaus rechtfertigen kann. Ich verstehe nur nicht ganz, warum das Album schlechter als das erste sein soll.

  • Vor 3 Jahren

    Und so Kaputte bekommen bei iTunes 2x (!) nen dicken Banner auf der Hauptseite? Burn them!

  • Vor 3 Jahren

    nun den 10 bis 14 Jährigen gefälls ,.. und es scheint ein lukrativer Markt zu sein, solche Band's werden doch jedes Jahr für die Newcomer gergündet und sicherlich immer von den gleichen Producenten "beliefert"

  • Vor 3 Jahren

    Mir fehlen die Worte...was denkt sich jemand, wenn er so einen Artikel verfasst? Das frage ich mich ganz ehrlich. Sollte eine Review nicht konstruktive Kritik enthalten? Dieser Artikel besteht nur aus dummen Parolen und haltlosen Vorurteilen. Wenn das wirklich der Anspruch dieser Webseite ist, dann ist das echt ein Armutszeugnis. Ich bin maßlos enttäuscht, aber falls der Verfasser dieses Artikels sich dazu entscheiden sollte, irgendwann einmal eine ernsthafte Review zu verfassen, würde ich die gerne hören. Ob es dazu kommt, liegt allein in seiner Hand.