laut.de-Kritik

Mit der Kippe auf dem Schaukelpferd.

Review von

"Alles Gute!"? Gratuliert sich Oli. P jetzt schon selbst zum Albumrelease? Oder will er den Hörern zum Kauf seines neusten Langspielers gratulieren? Ist eigentlich auch Wurst: "Hauptsache gute Laune!" Dieses Motto schreibt sich der ehemalige GZSZ-Star schon seit Jahren auf die Kappe. Egal, ob er mit der nächsten Trödel-Show für die ARD um die Ecke kommt, sich an mal mehr, mal weniger bekannten Schlagerklassikern vergeht, oder einfach beides miteinander verbindet ("Hallo Schatz"): Es scheint nicht möglich, der Berliner Butterbirne das schelmische Grinsen aus dem Gesicht zu zaubern.

So lacht er uns auch auf seiner neusten Scheibe entgegen. Ähnlich wie bei der davor und der davor und der davor und der davor. Wüsste man es nicht besser, könnte man meinen, Oliver Petszokat sei eine KI, programmiert, um gute Laune in die Welt hinauszutragen.

Schade nur, dass einem das Lachen relativ schnell vergeht. Peter Maffay, die Münchener Freiheit, Yvonne Catterfeld, ja noch nicht einmal seine eigenen Lieder sind vor der Ein-Mann-Recycling-Anlage sicher. Man kann zwar nicht behaupten, Songs wie "Über Sieben Brücken Musst Du Gehen" oder "Engel 07" seien lyrische Meisterwerke. Aber einen gewissen trashigen Charme kann man ihnen eben nicht absprechen.

Doch der mehrfach mit Bravo-Ottos ausgezeichnete Oli stiehlt buchstäblich jedem einzelnen Song seine Essenz. Alle Ecken und Kanten bügelt er glatt, und die originale Instrumentation gleich mit. Denn wer hier auf Schlager mit echten Gitarren oder Drums hofft, ist an der falschen Adresse.

Junge Leute fänden das aber sowieso uncool. Tanzbar soll es schließlich sein. Doof nur wenn man dann Songs wie "Sehnsucht" inklusive Einzeilern wie "Regen fällt, kalter Wind, Himmel grau, Frau schlägt Kind" covert und erwartet, dass die Oma nach dem Bingo dazu das Tanzbein schwingt.

Vom Inhalt und der Produktion abgesehen fällt vor allem auf, dass Oli. Ps Stimme nicht mehr ganz so geschmiert läuft wie früher. Am Beginn von "Solang' Man Träume Noch Leben Kann" könnten böse Zungen sogar vermuten, dass da nachträglich ein wenig Autotune beigemischt wurde. Doch nicht einmal die elektronische Hilfe täuscht über die Peinlichkeit hinweg, dass Thomas Anders mit seinem Feature auf "We Love To Love" den einzigen vokalen Lichtblick auf dem gesamten Album darstellt.

Nicht einmal sein eigenes musikalisches Vermächtnis, das ja ebenfalls auf einem Cover beruht, lässt der 40-Jährige in Frieden ruhen. Mit "Flugzeuge Im Bauch 2k19" fabriziert er einen Totalausfall, für den sich sein 20-jähriges Milchbubi-Ich in Grund und Boden schämen würde. Wer weiß? Hätte man ihm damals gesagt, dass er in 20 Jahren so verzweifelt Geld brauchen wird, dass er seinen größten Hit einfach noch einmal neu auflegt, vielleicht hätte er GZSZ nie verlassen.

Oli. P will hier Schlager für Bravo-Leser machen und vergisst, dass er nicht mehr so eng am Zeitgeist der Jugend lebt wie noch zu RTL II-Zeiten. Denn ironischerweise kauft man ihm den Fakt, dass er sein Schaukelpferd vermisst ("Über Sieben Brücken Musst Du Gehen") genau so ab wie sein Verlangen, zwei oder drei Schachteln am Stück zu rauchen ("Ich Liebe Dich").

Trackliste

  1. 1. Dein Ist Mein Ganzes Herz
  2. 2. Lass Die Sonne In Dein Herz
  3. 3. Solang' Man Träume Noch Leben Kann
  4. 4. Über Sieben Brücken Musst Du Gehen
  5. 5. Ich Liebe Dich
  6. 6. We Love To Love (mit Thomas Anders)
  7. 7. Engel 07
  8. 8. Nachts, Wenn Alles Schläft
  9. 9. Kleine Taschenlampe Brenn' (mit Pauline)
  10. 10. Für Dich
  11. 11. Sehnsucht
  12. 12. Hallo Schatz
  13. 13. Lieb Mich Ein Letztes Mal
  14. 14. Flugzeuge Im Bauch 2k19

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