laut.de-Kritik

Das Album nach dem Floorkiller.

Review von

Als vor zwei Jahren der Northern Lite-Song "Go With The Flow" für Club-Furore sorgte, war da dieses untrügliche Gefühl, dass einen manchmal beim Hören eines Songs überkommt. Egal ob man gerade das Gitarrenriff oder den hymnischen Refrain erwischte, das Gefühl sagte einem, dass die Thüringer mit diesem Pop-Brecher gerade einen Höhepunkt in ihrer Entwicklung erreicht hatten, seit sie sich 1997 zum Zwecke elektronischer Musikerzeugung in Erfurter Hinterzimmern trafen.

Einziges Problem an der Sache: Der Song war gar kein eigener, sondern eine Coverversion von den Queens Of The Stone Age. Und obwohl man weiß, dass auch das Wagnis einer Neuinterpretation zuweilen gewaltige Fallen bereit hält, wohnte dem Jubelgeschrei über den Floorkiller doch eine gewisse Tragik inne. Die Frage stand nach "Go With The Flow" einfach überdeutlich im Raum: Was sollte jetzt noch kommen?

Der Band selbst scheint dieser Umstand nicht bewusst gewesen zu sein, jedenfalls legen sie anstelle einer kreativen Pause nun schon ein Jahr nach "Temper" den Longplayer "Unisex" vor. Ob das neue Label Universal bei dieser Entscheidung ein gewisses Mitspracherecht einforderte oder nicht: Auf den 13 neuen Tracks liefert die Band - böse formuliert - exakt das ab, was man nach Kenntnis ihrer zwei Vorgänger-Alben von ihnen erwartet. Weder Höhen noch Tiefen sind in ihrem äußerst gleichförmigen Kompositionsprozess erkennbar. Die Sound-Maschine rollt, sie scheint von den umjubelten Konzerten im In- und Ausland noch mächtig geölt und den Reifeprozess der Herren Andreas Kubat, Sebastian Boon und Sascha Littek noch beschleunigt zu haben.

Andererseits muss man Songs wie die Vorabsingle "What You Want" natürlich erstmal komponieren, auch gerade als deutsche Band. Knallende Sequenzer-Beats, störrische Gitarren, effektvolle Rhythmuspausen und einnehmende Vocals, so kann Synthie Pop abseits von Camouflage, Mesh oder Miss Kittin eben auch klingen. Nach wie vor ist es Kubats Stimme, die den Unterschied macht, sie lässt sogar allzu platte Reißbrettnummern wie "I Don't Remember" oder "Ain't Coming Back" in gnädigem Licht erscheinen.

Auch ist der Sänger hörbar gewillt, seinen monotonen Vortrag ab und an mit kleinen Wendungen etwas aufzulockern ("Tonight"), gerne auch mittels mehrstimmiger Passagen ("Alien Girl"), was dem Ziel der Vielseitigkeit sogleich entgegen kommt. Dennoch trifft man noch viel Stückwerk an, selbst das Cowbell unterstützte "1-2-3-4" oder das lange vor sich hin schlummernde "Cocaine" verbreiten eine gewisse Beiläufigkeit. Es beschleicht einen diesmal einfach zu oft das Gefühl, den Song nach einer Minute bereits zu kennen. Details, die im Moshpit vor der Northern Lite-Livebühne, sei es im spanischen Benicassim oder auf der Nature One, nach wie vor keine Rolle spielen.

Trackliste

  1. 1. What You Want
  2. 2. Alien Girl
  3. 3. I Don't Remember
  4. 4. 1-2-3-4
  5. 5. Cocaine
  6. 6. Enemy
  7. 7. Ain't Coming Back
  8. 8. Thousand Year Old Song
  9. 9. Dancing With My Demons
  10. 10. Play With Me
  11. 11. Tonight
  12. 12. Out Of My Head
  13. 13. Take It

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