laut.de-Kritik

Drei Schweden stemmen sich gegen die One-Hit-Wonder-Schublade.

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Wer im Pop-Biz das schnelle Geld verdienen will, der freut sich natürlich über einen Debüt-Hit. Wer allerdings länger plant, dem kann ein massenkompatibler Über-Dreiminüter zu Beginn der Karriere aber auch wie ein Klotz am Bein hängen. Auch die drei schwedischen Elektro-Popper von NoNoNo hatten im vergangenen Sommer mit dem klebrigen One-Hit-Wonder-Button zu kämpfen.

"Pumpin Blood" hieß der süffige Pop-Hüpfer, der die Skandinavier praktisch über Nacht ins Rampenlicht katapultierte und rasend schnell jede Menge Kritiker an den Start brachte, die beim Namen des Dreiers bereits abwinkten, noch ehe überhaupt klar war, was sich hinter der vermeintlich transparenten Elektro-Pop-Fassade der drei Verantwortlichen noch verbirgt. Ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung ihrer Debütsingle wollen Sängerin Stina Wäpling und die beiden Icona Pop-Produzenten Astma und Rocwell nun beweisen, dass es sich bei "Pumpin Blood" nicht nur um eine musikalische Eintagsfliege handelt.

Das erste Ausrufezeichen setzen NoNoNo nach einer knappen Viertelstunde Spielzeit mit dem melancholischen Ohrwurm "Echo" – einem Song, der getragen von leichten Piano-Anschlägen und emotionsgeschwängerten Synthie-Schwaden im Refrain, genau in die entgegengesetzte Kerbe des Frohsinn-Tänzers "Pumpin Blood" schlägt.

Auch die chorale Stadion-Hymne "One Wish" beweist, dass die Nordlichter weit mehr draufhaben, als nur einen halben Sommer mit bezirzendem Gepfeife zu versüßen. Weitere Nebenpfade werden mit Songs wie "Hungry Eyes", "Jungle" oder dem vertrackten "Johnny" gelegt, wenn es sich die Band irgendwo zwischen altehrwürdigen 80s-Anleihen, modernen Clubsounds und hin und wieder eingeworfenen Florence And The Machine-Kniefällen gemütlich macht.

Schlussendlich gibt es nichts zu nörgeln, denn der insgesamt sehr ausgewogene und homogene Mix aus wahlweise bittersüßem oder beschwingtem Urban-Pop verliert auch mit zunehmender Reife kaum an Nährwert. Tschüss, One-Hit-Wonder. Es ist an der Zeit, weiterzuziehen.

Trackliste

  1. 1. Jungle
  2. 2. Like The Wind
  3. 3. Pumpin Blood
  4. 4. Echo
  5. 5. One Wish
  6. 6. Hungry Eyes
  7. 7. Down Under
  8. 8. Fire Without A Flame
  9. 9. Johnny
  10. 10. Love

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LAUT.DE-PORTRÄT NoNoNo

Mit ihrer Debütsingle "Pumpin Blood" katapultierten sich die drei schwedischen Elektro-Popper von NoNoNo im Sommer 2013 praktisch über Nacht ins internationale …

1 Kommentar mit 7 Antworten

  • Vor 6 Jahren

    Manchmal habe ich bei Laut das Gefühl, dass Musik nur gut ist wenn sie keinen Spaß macht sondern Melancholie fördert.

    • Vor 6 Jahren

      Also ich kenn' das zumindest von mir auch, dass ich Alben, das von vorne bis hinten nur auf dem Feel-Good-Pedal stehen, eher nicht so mag. Die funktionieren immer deutlich besser, wenn es zu den übertrieben fröhlichen Stücken auch ein Gegengewicht gibt. Gute Laune über zehn oder zwölf Songs halte ich nicht aus.

    • Vor 6 Jahren

      #Justice4Kesha

    • Vor 6 Jahren

      Schnuddel: Definiere mal gute Laune. Kannst du dir dann kein AC/DC Album anhören, weil keine Schnulze dabei ist? Normalerweise hört man doch Musik, damit man Spaß hat. Also nach meinem Verständnis sollten doch so Momente, in dem man Musik braucht um über schwere Zeiten hinweg zu kommen eher die Ausnahme sein. Oder bin ich da eher die Ausnahme? Klar wer Nirvana mag weiß, dass man sich auch ohne Grund schlecht fühlen kann aber gesund ist das doch nicht.

    • Vor 6 Jahren

      @Pikachu: was ist los?

    • Vor 6 Jahren

      Gut, gibt ja auch noch etwas zwischen Gute-Laune-Knüppel und Ballade. Ist halt die Frage, wo man da die Grenze zieht.
      Ein Album ohne Ballade überleb' ich natürlich auch, "Definitely Maybe" fänd' ich auch ohne "Slide Away" von vorne bis hinten spitze. Trotzdem würd' ich da keinen Song als Gute-laune-Track brandmarken, das bleibt dem Jackson Five'schen "I Want You Back" und seinen Artverwandten vorbehalten.

      Ich kenn' von diesen NoNoNo-Typen hier jetzt nun bloß den einen "Hit", und der ist für mich schon so eine penetrante Feel-Good-Nummer, von der ich nicht mehr als drei Stück pro Album aushalte.

    • Vor 6 Jahren

      Ok das klingt einleuchtend ;)

    • Vor 6 Jahren

      "Normalerweise hört man doch Musik, damit man Spaß hat."

      Trifft auf mich jetzt nicht komplett zu. Ich hör sie in erster Linie zum genießen, so wie der Kunstfreund sich in einem Gemälde verliert oder der Weinkenner eine dreiviertel Stunde lang den Geschmack eines einzigen Schluckes analysiert, ohne dabei "Spaß" zu haben.
      Und die Musik, mit der ich am ehesten was anfangen kann ist oft melancholischer Natur, ohne dass ich deshalb in ständigem Selbstmitleid auf der Hinterhoftreppe mit Goth-Kindern abhänge und über den Weltschmerz klage.