laut.de-Kritik

Scheinbar spielend finden No Underground die passenden Töne.

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Wenn man in London in den Schächten der Untergrundbahn steht und laut "No Underground" ruft, dann weiß man, dass man zu spät dran ist und gezwungenermaßen auf die Nachtbusse umsteigen muss. Zweifelsohne beziehen sich Robert Defcon und Dr. Phelbs auf die Londoner U-Bahn, was sonst sollten sie damit meinen?

Das dazugehörige - im Booklet und auf der Homepage vorgestellte - Konzept ist doch arg verkopft ausgefallen und auch nicht neue auf dem Jahrmarkt der Provokationen. Defcon verbrennt 500 Mack? Gut, die Bestmarke wurde Anno Dunnemal schon von KLF aufgestellt, als auf irgendeinem gottverlassenen schottischen Eiland eine Millionen Pfund den Flammen anvertraut wurden. Bei solcherlei intellektueller Penetration ist man eventuell versucht, auch die CD diesen Tod sterben zu lassen, aber dann lässt man die gute Musik außen vor und das ist nicht im Sinne des Erfinders.

Passend zum Titel eröffnen cheesy Keyboard-Passagen und zirpende Gitarrendudelei "Pornostaat". In diesen Gefilden kann man es sich erst einmal gemütlich machen. Nebelschwaden gleich ziehen die Tracks wie Phantome am Ohr vorbei und wärmen schon mal die Sitze vor. Bei "Tango XL" wird dann zum ersten Mal Vokalakrobatik eingeflochten, die sich elegant im herrschenden Ambiente zurück lehnt.

Elegant ist das Stichwort. Scheinbar spielend finden No Underground die passenden Töne. Auch wenn es einmal etwas flotter und beatlastiger zur Sache geht - stilvoll geht die Welt zu Grunde. Jetzt könnte man fast die Brücke zur Philosophie von No Underground schlagen, das ist aber halb so interessant wie das, was nach der G Child-Trilogie kommt.

Da kracht es doch tatsächlich prompt, da wummern verzerrte Beats und Gesang die chillige Atmosphäre von der Blümchentapete, nur um "Streetmachine" mit dem Gegenpol "Ill Figure" wie einen Betriebsunfall erscheinen zu lassen. Bezeichnend für "Burn my Body" ist die Heterogenität, die die Platte wie ein Flickenteppich erscheinen lässt. Das macht aber gleichzeitig den Charme aus, denn alles andere als zufällig erzeugen Defcon und Phelbs Atmosphärenschwankungen beim Hörer, der schon viel Aufmerksamkeit aufwenden muss, um der Musik folgen zu können.

"Downbeat" und "Lounge" sind zwar Begriffe, die "Burn My Body" grob umreißen können, werden der Komplexität dieses Werkes aber nicht gerecht.

Trackliste

  1. 1. Pornostaaat
  2. 2. Donna
  3. 3. Tango XL
  4. 4. Truck Drivin' Devil
  5. 5. G Child (Intro & Flight)
  6. 6. G Child b (Sunshine)
  7. 7. G Child c (Twilight)
  8. 8. Streetmachine
  9. 9. Ill Figure
  10. 10. The Unknowns
  11. 11. September
  12. 12. G Child (Reprise)
  13. 13. Luxury

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