laut.de-Kritik

Gelungenes Debüt des Stuttgarter Songwriters.

Review von

"Hier endet das Wort / Hier beginnt die Leidenschaft / für den Fehler im System / für den Stachel in deinem Fleisch." So läutet der junge Singer/Songwriter seinen "Prolog" ein und stellt gleich klar, dass er dem Hörer gerne Kopfzerbrechen bereitet. Überhaupt hängt die große Deutungsfreiheit seiner Zeilen nicht nur mit den stets auf ein Wort beschränkten Songtiteln zusammen, sondern avanciert auch unter genauerer Betrachtung zu Nicolas Sturms Markenzeichen.

Dass den Strophen und Refrains trotz übergroßem Interpretationsspielraum nicht die Eindringlichkeit verloren geht, liegt an Sturms hingebungsvollem Gesangsstil. Dafür dient "Löcher", der eingängigste und intensivste Song der Platte, als bestes Beispiel. Gerade dessen Refrain halt noch stunden- bis tagelang im Kopf nach:

"Du bist viel zu viel von allem / deine Welt lässt meine implodieren / Ich hab lang gebraucht, das einzusehen / also schieß' mir nicht in den Rücken." Da geht die kleine Lebensweisheit am Ende der zweiten Strophe fast ein bisschen unter: "It's all about leavin' tomorrow / before the sorrow grows."

Wie verflogen scheint die hier verbreitete Aufbruchstimmung gleich im anschließenden "Schiffbruch", einer wunderbar stillen Akustiknummer, in der Sturm mit Metaphern um sich wirft. "Mein Herz steht still, weil es nicht mehr wandern will."

Seine Liebe zum Britpop schlägt sich im entspannten Midtempo-Track "Windmühlen" nieder. Ansonsten beweist der 30-Jährige eine Vorliebe für schwungvolle Nummern wie "Idealist", das country-eske "Herzkammer" oder das leidenschaftliche "Nordpol". Und gerade diesen steht das puristische, Singer/Songwriter-typische Soundgewand bestens zu Gesicht.

Gemeinsam mit dem ständigen und einzigen Bandkollegen Jeremy Dhôme spielte er die Songs zuerst in der Konstellation Akustikklampfe/Schlagzeug live ein, um sie anschließend um die bewährten Overdubs aus E-Gitarre, Bass, Piano ("Löcher") oder Glockenspiel ("Zetermordio") zu ergänzen. Verpackt in ein unperfektes aber liebevolles, stellenweise charmant rumpelndes Wohnzimmerklangbild, kommen die spartanischen Mittel als runde Sache daher.

Manch einen mag Nicolas Sturms selbstbetiteltes Debüt stellenweise gerade thematisch an Gisbert zu Knyphausen erinnern. Rein musikalisch gibt sich der gebürtige Stuttgarter jedoch ein Stückweit extrovertierter als der gefeierte Rheingauer und kommt im Gegenzug mit noch weniger Sounddesign aus. In der Statistenrolle des Supportacts muss sich der eigenständige Newcomer bei den anstehenden Konzerten mit Kid Kopphausen also keinesfalls verstecken.

Trackliste

  1. 1. Prolog
  2. 2. Herzkammer
  3. 3. Ben Hur
  4. 4. Löcher
  5. 5. Schiffbruch
  6. 6. Windmühlen
  7. 7. Idealist
  8. 8. Sauerstoff
  9. 9. Nordpol
  10. 10. Zetermordio
  11. 11. Ikarus
  12. 12. Baustelle

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