Ein stichwortartiger Überblick über die Neuerscheinungen der kommenden Wochen.

Konstanz (mma) - Redaktionsvolontär Matze M. II wühlt sich wöchentlich durch den Neuveröffentlichungsstapel auf seinem Schreibtisch, um den stets geschäftigen laut.de-Autoren das eine oder andere Werk zur Rezension anzuempfehlen.

Seine sachdienlichen Hinweise an die Kollegen wollen wir Euch nicht vorenthalten.

Hercules & Love Affair - dto. (14.3.)
Queere Post-Disco/House zwischen Gnarls Barkley und Antony And The Johnsons-Antony (der hier auch mitwirkt). DFA, Spex-Platte des Monats.

Smoosh -Free To Stay (25.4.)
Zwei Schwestern aus Seattle, 13 und 15 Jahre jung, Jason McGerr (Death Cab For Cutie) als Mentor und Schlagzeuglehrer. Niedlicher pianogestützter Poprock und Touren mit Jimmy Eat World, Mates Of State, Pearl Jam, Death Cab, Sleater-Kinney, Rilo Kiley, Cat Power.

Downstairs - Oh Father (14.3.)
Experimental Punk aus Finnland. Auf Hardcore-Wurzelwerk erwachsen. Könnte Matze gefallen. Oder dem Beatsteaks-Fan in und unter uns, twinkletwinkle nach Südwest. Aber eigentlich doch vor allem Matahaze.

Tribe After Tribe - M.O.A.B. (28.3.)
Statement gegen die Absurdität überkommener Glaubenssysteme und anhängender Kulturkriege. "Nichts weniger als das 5. Buch Mose stand Pate für das Album". Sowas. Andrerseits passt das ganz gut zu überambitioniertem TribalProgRockMetal. Für Rockhard-Leser.

Flying Pickets - Big Mouth (25.4.)
Fünf-Männer-köpfige A-Capella-Oktav-Akrobatik, sehr groovybaby, sehr nonchalant.

Vincent Van Go Go - People (25.4.)
Beswingter Soulfunk mit etwas Gospel-Weihrauch. Nicht die Lidell-Liga, aber auch nicht untauglich.

Attacke Royal - Ausverkauft (21.3.)
Auf der Trabrennbahn mittags um halb zwei: Fünf gestandene Männer basteln an ihrer Lieblingsversion von deutschsprachigem Rock mit Popappeal und warmer 60s-Orgel. Torsten Otto (Tocotronic, Kante, Gods Of Blitz u.a.) stand der Band mit Auge und Ohr zur Seite.

Pete Molinari - A Virtual Landslide (25.4.)
Country-Blues. Das Debüt entstand noch in Billy Childishs Küchenzeile, jetzt nahm sich der Producer vom White Stripeschen Elephant der Geschichte an. Klunkert, kloppt, klampft schön unperfekt. Man liest Dylan- und Guthrie-Vergleiche. Interessante, geschlechtsneutrale Stimme auch.

Juggling Jugulars - Salute No One (14.3.)
Eine der dienstältesten finnischen Poonkcombos proklamiert mit Tempo und Sängerin. Relativ zum Genre-Standing betrachtet eine durchaus wertige Angelegenheit.

Pitchblack Inc - Folge Mir: Interpretation + Remixes (März)
Diverse modellieren an einem einzigen Stück des Synthiepop/EBM-Projekts Pitchblack herum. Die Bandbreite erstreckt sich folglich von Akustikpop über Techno und Elektro zu Punkrock und GothicFolk mit kleinstem gemeinsamen Nenner. Lässt sich folglich schwer am Stück hören.

Gregor Samsa - Rest (25.4.)
Auf der Drei gehen Gregor Samsa ein gutes Stück weg von ätherischem Gitarren-Postrock hin zu nebulösem Bösendorfer-Klassizismus. Geblieben sind die sanften Elfensänge und die Streicherbegleitung. Vermutlich eine gute Entscheidung.

Wendy James - Racine 2 (22.2.)
Die (unforgettable?) Blondine von Transvision Vamp (?). Sollte ich die kennen? Zumal siebenmal UK-Top30 zwischen 1988 und 1993? Öh... Wiki weiß: "Ihr 1993er-Soloalbum 'Now Ain't the Time For Your Tears', welches von ihrem Freund Elvis Costello komplett geschrieben wurde, erntete ausnahmslos schlechte Kritik und so beendete Wendy James ihre Solokarriere." Jetzt kommt Wendy mit Rock'n'Roll-Band zurück. So miserabel produziert, dass es fast schon wieder trasho-putzig ist. Welche von den zwei CDs die "Demo"-CD ist, weiß der Kuckuck.

Forward, Russia! - Life Processes (11.4.)
Typische Visions-Hype-Band. Somewhere between Screamo, Emo, Posthardcoro. Um im Hintergrund fordert Bruce "Noch mehr Drama, Baby". Klickträchtiges Thema.

Meat Beat Manifesto - Autoimmune (11.4.)
"I feel closest to the Dubsteb trend." Zehntes Album hängt aber noch mit anderthalb Füßen im D'n'B.

Tristan Brusch - My Ivory Mind (18.4.)
Bizarre Stimme. Wie ein rumänischer Weird-Folk-Gnom, der seine imaginären Freunde zum Tee in die Puppenstube lädt. Guter Disney-Märchen-Plot auch.

Dear John Letter - Between Leaves | Forestal (3.3.)
Wunderschönes Artwork mit ausgestanzten Tiersilhouetten, vier Jungs aus dem wunderschönen Allgäu, schon durchgeskippt hübscher, wuchtiger, atmosphärischer Neo-Prog.

Bodi Bill - Next Time (16.5.)
Arhythmisch zerfahrener, düsterer Elektro-Barock-Soul, aus Berlin, in Apparat-Nähe. Fordernd.

Der Popolski-Show - Live In Zabrze (14.3.)
Polska-Punk-Folklore-Trash für die Sauregurkenernte. Endlich kommt die Wahrheit ans Licht: "Sexy Bomba", "Großer Bruder" und "Cheri Cheri Lady" haben ihren Ursprung im Osten! Mit luschtiger Videobeigabe.

Destroyer - Trouble In Dreams (21.3.)
Pedal Steel, ick hör dir jaulen! Hier geht wer seiner Hauptband The New Pornographers in mal mehr, mal weniger polternden Singer-Songwriter-Gefilden fremd.

Bettie Ford - Singapore Sling (25.4.)
Gibt's auch nicht mehr jeden Tag: social distortete Schweinerocker, die sich damit rühmen, gut im Eierlikörsaufen zu sein. Frohe Ostern noch mal an dieser Stelle!

Langhorne Slim - dto. (2.5.)
Kemado Records, da kennt man Tarantula AD her. Soll jetzt aber nicht in die irre führen, weil proggig ist das nicht. Vitalitätsstrotzender Bluesfolk wie Moneybrother, überschwänglich wie Modest Mouse-Leichtmatrosen auf Landgang, bluesgrassig wie Mark Twain-Geschichten. Touren mit Murder By Death und Cake. Für Leute von 9-99.

Be Your Own Pet - Get Awkward (21.3.)
Indie-Thema mit Spannbreite von Visions bis Intro. Ungestümer Rrriot-Poppunk wie YYYs, Help She Can't Swim, You Say Party! We Say Die!. Da brennt das Jugendzentrum.

The Teenagers - Reality Checks (21.3.)
LoFi-Gitarren-Synthpop-Trash aus Frankreisch. Drum auch durchaus charmant. "Einflüsse: Sex, Love, Party, Vodka, Summer, Puberty, Red Bull, Ham Rollz".

Freezepop - Future Future Future Perfect (25.4.)
Aus dem Albumnamen spricht mal jede Menge Fortschrittsgläubigkeit raus. Mittachtziger-Videogame-Soundtrack (Beiträge für Guitar Hero und Dance Dance Revolution) mit Vocoder-Gesang, sehr humorig und danceable. Oder um es mit Song 2 zu sagen: "Pop Music Is Not A Crime". Mitunter bisschen sehr opulente Synthie-Arrangements.

Fjarill - Pilgrim (4.4.)
Schwedisch-südafrikanisches Frauenduo aus Wahlhamburg singt wie schwedische Enyas, veröffentlicht auf deutschem Kleinstlabel, bezieht "ethnische Elemente" aus Skandinavien und Südafrika in die Musik mit ein und grinst im Booklet etwas arg dämlich in die Kamera. Selbst Königin Sylvia geht auf ihre Gigs.

Eric Sardinas & Big Motor - dto. (4.4.)
Southern Blues-Riffrock. Uh, can you feel my motor running? Uh, you gotta keep my motor running. Yeah, that's all I need! ...

The Matches - A Band In Hope (14.3.)
Streichhölzer zerbrechlich, Band hoffnungsvoll-zittrig (wegen was eigentlich?), Epitaph emorig. În need of any more words, Heulsuse?

Pennywise - Reason To Believe (21.3.)
Matze says: Willst Du einen auf die Fresse? Kein Problem, Pennywise teilen nur zu gerne aus. Aggro-Skatepunk in schwindelerregender Geschwindigkeit. Kaum zu glauben, dass sie heuer ihr 20-Jähriges feiern.

Anti-Flag - The Bright Lights Of America (28.3.)
"This is washington burning". Das hätten sie nach wie vor gerne. Anti-Flag machen mittlerweile Breitwandpunk, aber auch das steht ihnen ganz hervorragend. Gegen das Establishment kann man schließlich auch in Cinemascope wüten.

V.A. - Die Welle OST (14.3.)
Krude Zusammenstellung: Hier treffen El*ke und Empty Trash auf Coldcut, Bonobo und Digitalism.

Neva Dinova - You May Already Be Dreaming (25.4.)
Neulich in Saddle Creek-Land der hausinterne Anschlag: "Wir signen in nächster Zeit nur noch mäßig spannende Countryfolk-Acts, weil eigentlich sind wir ja doch ganz schön wertkonservativ."

The Duke Spirit - Neptune (11.4.)
Chriss Goss produziert englische Artschüler, die von Velvet Underground, Patti Smith und Sonic Youth beeinflusst zum Songwriting in die Wüste von Joshua Tree reisten, um dort ihre Sehnsucht nach dem Ozean zu entdecken. Rough, stonerig, sandig.

First Floor Power -Don't Back Down (5.5.)
"Das Ziel dieser Band sind nicht die Charts, sie erobern Herzen", "Vier Leute entscheiden sich, unberechenbare und aufregende Musik zu machen". Andersrum wäre ja auch doof, oder, liebes Promoblättchen. Psychedelischer Nervpop aus Sweden.

Elliot Murphy - Notes From The Underground (28.3.)
"Er musizierte mit Künstlern aus dem Umfeld von Lou Reed und Jonathan Richmans Modern Lovers, wie dem Bassisten Ernie Brooks. Mit den New York Dolls, der Patti Smith Group und anderen bildete er die New-Yorker Art Rock-Szene, wobei er als klassischer Singer/Songwriter mit Begleitgruppe in Erscheinung trat. Auf seinem 1976 in London aufgenommenen Album Just a Story from America sind so namenhafte Musiker wie Phil Collins, Mick Taylor und Bruce Springsteen sowie der Knabenchor der Saint Paul’s Cathedral
vertreten."

Ad Vanderveen - Still Now Do-CD (18.4.)
Zwischen Neil Young, Blues-Sozialisation und Alter-Mann-erzählt-Geschichten-Setting. Gebt's doch zu, kennt ihr doch alle außer mir!?

Desert Planet - Moonrocks (25.4.)
Wenn ich bei "file under" immer wieder "8-bit inspired electronica" lesen muss, krieg ich irgendwann eiskalte Schauer. Ihr seid so (un-)frisch, ihr lustigen Finnen...

Goldfinger - Hello Destiny (25.4.)
Nach drei Jahren neues Album der US-Poppunker. Produziert von John Feldmann (Good Charlotte, The Used), Features mit deren Membern und solchen von Lostprophets und Youth Of Today. Im Herbst Tour mit Less Than Jake.

Prinze Low -Fenster Zur Strooß (28.3.)

  1. fängt man heute keine Alben mehr mit Regengeräuschen an. Das war schon 1980 durch. 2. Prinze Low, da denk ich an Prinzenrolle und nicht an Gangstarap. Da stimmt der Coolness-Factor nicht. 3. Booklet-Foto kommt zwar mit Auto, aber Low kuckt nur von hinten hinterher. Das hat was von Zug abgefahren. Und das andere Bild besitzt so Omakäffchen-Terrassen-Charme mit Mannheimer Panoramablick. Noch mal auf Anfang bitte.

Sonar Kollektiv Orchester - Guaranteed Niceness (19.5.)
Das letzte Mal hab ich den Ausdruck "Niceness" in der Kölner Straßenbahn gesehen, auf einem Reggae-Festival-Announcement, das ging so "Reggae, Sunshine, Niceness". Das war humorig. Hier haben wir es mit einem gestrichenen und geblasenen "Allstar-Team" im typischen Labelgewand zu tun.

Carl Douglas - Return Of The Fighter (21.3.)
Soul, Funk, R&B, Disco vom "Kung Fu Fighting"-Zimmermann. Tonight you gonna party like it's 1974...

The Indelicates - American Demo (28.3.)
"Last significant statement to be made in rock'n'roll / Everything that ollows is foot note". Och, schade, HipHop ist seit Nas ja auch schon tot, und über Classic Punk reden nur noch die Dorfjugendlichen. Vielleicht hätte sich dieses Mann/Frau-Gespann also auch diese dünntönende Eulogie schenken können. Urteilen Sie selbst: http://myspace.com/theindelicates

Dani meint:

Clueso - So Sehr Dabei (30.5.)
Vermutlich noch mehr Pop, noch weniger Hip Hop.

Tonspur - Frühaufsteher (14.4.)
Ordentliche Raps in quälendem Regensburger Dialekt über lustige Beats.

Axl Makana - "Ich Ist Ein Anderer" (21.3.)
Ex-Mutabor-Frontmann war in Äthiopien und macht jetzt Reggae. Cool.

Mono & Nikitaman - Außer Kontrolle (25.4.)
Präsentieren wir, also eh gut.

Looptroop Rockers - Good Things (23.4.)
Der Titel verrät's. Gute Sachen. Musikalisch vielfältiger, stellenweise deutlich poppiger als der Vorgänger. Promoe rappt ungebrochen wie der Teufel.

Eddy meint:
Cataract - Cataract (22.03.)
Die Schweizer stellen alle paar Monate nen neuen Basser vor, schneiden sich aber trotzdem zehn fette Metalcore-Schinken aus den Rippen. Da werden die Nüstern auch ohne Ricola frei.

Jon Oliva's Pain - Global Warning (22.03.)
Nachdem der Dicke (auch bekannt als Mountain King) Savatage nun endgültig zu den Akten gelegt hat, gibt es zu Ostern die "Wiederauferstehung" in Form der nächste JOP Scheibe.

:Wumpscut: - Schädling (22.03.)
Auch Ratzinger's Rudi konnte es wieder nicht lassen und legt pünktlich zum Frühlingsbeginn das nächste, akustische Unkrautvernichtungsmittel vor. Also nach dem Eiersuchen in Garten immer die Hände und Ohren waschen ...

Cavalera Conspiracy - Inflikted (28.03.)
Maxe hat seinen Bruder wieder hinter die Drums geklemmt und gibt dem (traurigen) Rest von Sepultura so was wie die akustische Einladung zur öffentlichen Wiedervereinigung. Sollte man als Fan nicht verpassen!

Illdisposed - The Prestige (28.03.)
Die 'schwulen Nutten aus dem Norden' haben ein paar neue Songs eingehustet und setzen dabei einmal mehr auf Brachial-Death Metal.

Ministry - Cover Up (28.03.)
Eigentlich ist ja Schluß im Hause Ministry doch Onkel Al behält sich ja immer mal wieder den ein oder andern Spaß vor und legt ein paar äußerst abgefahrene Coverversionen vor. Krank, auf die Glocke, eben Ministry.

In Flames - A Sense Of Purpos (04.04.)
Die neue Scheibe der Schweden wird wohl wieder mit genauso viel Vorfreude, wie Befürchtungen erwartet. Erstn Eindrücken zufolge werden die einen wohl "Ich hab's ja gleich gewusst" nörgeln und die anderen "was n geiler Scheiß" jauchzen.

Übermutter - Unheil (04.04.)
Lucy van Org (die Heulboje, die vor 3000 Jahren "Weil Ich N Mädchen Bin" über den Äther gekräht hat) kennt keine Gnade und geht der Nation nun im rammsteinschen Stechschritt auf den Sack. Ob als Übermutter oder als Unterdruckbrause spielt dabei fast keine Rolle.

Belphegor - Bondage Goat Zombie (11.04.)
Die österreicher Krawallcombo brüllen mit ihrer neue Scheibe mal wieder sämtliche Knospen vom Baum und spielen dem Deibel sein Wiegenlied.

Desperadoz - An Eye For An Eye (tbr)
In der selben Woche kramen die Desperadoz ihre Revolver wieder hervor und verpassen ihren Klampfen ein ordentliches Westernfeeling. The BossHoss auf Metal? So ähnlich ...

20 Kommentare

  • Vor 10 Jahren

    Forward, Russia! - Life Processes (11.4.)
    Typische Visions-Hype-Band.

    Manchmal seid ihr wieder cool

  • Vor 10 Jahren

    aha. soweit ich weiß, hat die visions die erste platte von denen weitestgehend verpennt. oder hab ich einfach zu lange keine visions mehr in der hand gehabt? außerdem ist das doch gar nicht deren musik. egal. *taschentuchreich*

  • Vor 10 Jahren

    Zitat (« Wendy James - Racine 2 (22.2.)
    Die (unforgettable?) Blondine von Transvision Vamp (?). Sollte ich die kennen? Zumal siebenmal UK-Top30 zwischen 1988 und 1993? Öh... Wiki weiß: "Ihr 1993er-Soloalbum 'Now Ain't the Time For Your Tears', welches von ihrem Freund Elvis Costello komplett geschrieben wurde, erntete ausnahmslos schlechte Kritik und so beendete Wendy James ihre Solokarriere." Jetzt kommt Wendy mit Rock'n'Roll-Band zurück. So miserabel produziert, dass es fast schon wieder trasho-putzig ist. Welche von den zwei CDs die "Demo"-CD ist, weiß der Kuckuck. »):

    wenn man mit Transvision Vamp und Wendy James nichts anzufangen weiss und erstmal in Wikipedia nachschlagen muss, sollte man auch keine Kurzkritik zum Racine Album verfassen.

    Schlecht produziert finde ich das Album übrigens nicht...