Für ihren Großen Zapfenstreich wünscht sich die scheidende Bundeskanzlerin Werke von Hildegard Knef und Nina Hagen.

Berlin (dol) - Heute verabschiedet die Bundeswehr mit dem Großen Zapfenstreich die Bundeskanzlerin Angela Merkel. Anlässlich der feierlichen Zeremonie durfte sie sich drei Musikstücke wünschen, die die Formation aus Militärmusikern am Abend spielen soll. Neben dem ökumenischen Kirchenlied "Großer Gott, Wir Loben Dich" bat die scheidende Kanzlerin um Hildegard Knefs Chanson "Für Mich Soll's Rote Rosen Regnen" und Nina Hagens "Du Hast Den Farbfilm Vergessen" aus dem Jahr 1974.

Vor allem die "Schlagerparodie einer staatlich geprüften Schlagersängerin", wie ZDF History Hagens Hit einmal nannte, gilt vielen als Überraschung, nicht zuletzt der Interpretin selbst. Auf Facebook schrieb Nina Hagen: "Auf alle Fälle bin ich von den neuesten und überraschenden Musik-Nachrichten aus dem BundeskanzlerInnen-Amt genauso erstaunt gewesen, wie wahrscheinlich alle anderen Lebenskünstler und Lebenskünstlerinnern hierzulande und abroad."

Verblüfft zeigte sich auch Reinhard Kiauka, der Dirigent des Blasorchesters. "Die Wünsche kamen spät und haben mich überrascht: Die beiden Songs sind in unserem Notenarchiv nicht vorhanden", erklärte er im Gespräch mit der taz: "Der Titel von Nina Hagen musste erst mal neu für Sinfonisches Blasorchester arrangiert werden. Zum Glück haben wir im Kreis der Militärmusik entsprechend kompetente Kameraden." Innerhalb von zwei Tagen habe ein Klarinettist des Musikkorps ein "Spezial-Arrangement" geschrieben.

Der Große Zapfenstreich ist Generälen, Generalleutnants und wenigen Vertretern aus der Politik vorbehalten. Neben der Bundeskanzlerin werden mit dem militärischen Zeremoniell der Bundespräsident und der Bundesminister der Verteidigung verabschiedet. Die meisten halten es bei der Auswahl klassisch. Seit einigen Jahren wünschen sich Politiker neben Klassik und Barockmusik aber zunehmend Werke der Popkultur.

Als Helmut Kohl 1998 aus dem Amt schied, spielten die Musiker die Europahymne "Ode An Die Freude", das geistliche Lied "Nun Danket Alle Gott" und den Militärmarsch "Des Großen Kurfürsten Reitermarsch". Gerhard Schröder setzte hingegen ganz auf Musik des 20. Jahrhunderts. Er wählte George Gershwins "Summertime", "Die Moritat von Mackie Messer" aus Brechts "Die Dreigroschenoper" und Frank Sinatras "My Way", die "universal anthem of assholes everywhere", wie US-Satiriker John Oliver es einmal nannte.

2011 spielte das Stabsmusikkorps der Bundeswehr zu Ehren von Karl-Theodor zu Guttenberg Deep Purples "Smoke On The Water". Als weniger geschmackssicher erwies sich drei Jahre später sein Nachfolger Thomas de Maizière, der den Gassenhauer "Live Is Life" von Opus geordert hatte. Ursula von der Leyen wiederum setzte neben Mozart und Beethoven auf das symbolträchtige "Wind Of Change" der Scorpions.

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