Westbam reflektiert in seinem neuen Buch die deutsche Techno-Geschichte von den Gründerjahren bis zur "Techno Postmoderne".

Berlin (mat) - Westfalia Bambaataa aka Westbam aka Maximilian Lenz hat seine Gedanken über die Gründerjahre der elektronischen Musik bis zur von ihm postulierten "Techno Postmoderne" biographisch verarbeitet und etwas pathetisch "Die Macht Der Nacht" genannt. Lange überfällig eigentlich, wird er doch nicht nur von Weggefährten wie Rainald Goetz und Moritz von Uslar als Techno-Intellektueller geschätzt.

Seine Kenntnis von Schriftstellern wie Thomas Bernhard oder Philosophen des Kalibers Schopenhauer mag manchen überraschen, aber wer seinen legendären Aufsatz "Was ist Record Art?" aus den mittleren 80er Jahren kennt, weiß, dass es sich bei Westbam um einen DJ UND Denker handelt. Die Münsteraner Jugendjahre, vom Punk und New Wave hin zu den ersten wackligen Plattenaufleg-Versuchen. Dann Kontakte knüpfen mit seinem späteren Labelpartner William Röttger - davon erzählt Westbam ernst, reflektiert, aber dennoch in süffisant feuilletonistischem Stil.

Westbam gibt dem Leser Zucker

Natürlich dürfen auch absurde Afterhour-Geschichten nicht fehlen, etwa das Schwein, das plötzlich in Hardy Hards Wohnung steht, und bei dem keiner weiß, ob es sich um Dichtung oder Wahrheit handelt. Westbam gibt uns Lesern Zucker. Das Erwartete, nämlich der Kampf Berlin gegen Frankfurt oder Tekknozid gegen Mayday wird selbstredend abgehandelt. Oder die Kommerzdiskussion um Low Spirit und die Verbandelung mit der Loveparade. Einer subjektiven Sicht auf die Dinge kann sich keiner erwehren, aber Westbam bleibt meistens selbstkritisch stellt sein Tun nicht in ultimativer Lobhudelei dar.

Es ist also nicht nur Musikwissenschaft, sondern auch Soziologie und Zeitgeist, die der Altersweise abbildet. Auch die dunklen Seiten bleiben nicht verborgen, der Tod von alten Gefährten wie Lupo oder Mark Spoon oder aber der Niedergang vom Labelbaby Low Spirit, das, wie man lernt, nicht "niedriger Geist", sondern vielmehr "Niedergeschlagenheit" bedeutet. Auch die für den Techno-Dinosaurier unverständliche Entwicklung hin zum "Techno Biedermeier" ist ein Thema.

"Keep the good times in your mind" und "We'll never stop living this way" sind beliebte Rave- und Westbam Zitate. Beide Formeln spiegeln sich in "Die Macht der Nacht" wider. Über zwei Jahre Recherche, Erinnerung und literarisches Wirken haben ein Standardwerk zur deutschen Techno-Geschichte hervorgebracht.

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laut.de-Porträt Westbam

DJ WestBam, alias Westfalia Bambaata, alias Maximilian Lenz gilt neben Sven Väth als der kreative Kopf der teutonischen "Raving Society". Genauer gesagt …

1 Kommentar

  • Vor 6 Jahren

    "wird er doch nicht nur von Weggefährten wie Rainald Goetz und Moritz von Uslar als Techno-Intellektueller geschätzt"... wie bitte?

    Seine musikaischen Leistungen und seinen Einfluß auf die Szene und andere Musiker unbestritten. Aber ich hab den Kerl neulich in einem längeren, aktuellen Interview auf NDR gesehen und der war dermaßen durchgeknallt und hat Stuhl gelabert, dass einem wirklich übel wurde. Da war nichts intellektuelles dabei...