Eine der größten Plattformen für Livestreams hat über Nacht unzählige Videos gelöscht. Die User sind frustriert.

New York (ynk) - Twitch musste in Bezug auf Audio-Urheberrecht einen radikalen Schritt gehen. Nachdem die Livestream-Plattform jahrelang lax mit geschütztem Audio-Material umgegangen ist, ging in den vergangenen Monaten eine Lawine an Klagen ein. Als Reaktion darauf nahmen sie quasi über Nacht dutzende Aufnahmen vom Netz. User der Plattform beklagen Intransparenz.

Es geht um sogenannte DMCA-Beschwerden, also Anmerkungen, dass Twitch-User urheberrechtlich geschützte Musikstücke verwenden und monetarisieren. Ein Verband großer Player der Musikindustrie schrieb einen Brief, der das Vaterunternehmen Amazon und dessen Inhaber Jeff Bezos dazu aufrief, die versprochenen Zugeständnisse an die Musikindustrie vehementer einzuhalten. Denn obwohl sich der Streaming-Anbieter für eine Partnerschaft mit globalen Musikvertrieben verpflichtete, einen verlässlichen Scan für hochgeladene Audios durchzuführen, seien immer noch große Mengen an ungeprüften Daten online gegangen, ohne die genutzten Interpreten zu bezahlen.

Urheberrecht-Tool bereits in Betrieb

Der Streit entzündete sich wohl anhand eines neuen Vorstoßes seitens Twitch, seinen Nutzern lizenzfreie Musik zur Verfügung zu stellen. Das Tool namens "Soundtrack" käme zu spät, um den weiterhin grassierenden Copyright-Missbräuchen der Plattform beizukommen. Twitch positionierte sich erst ausweichend und argumentierte, dass die Möglichkeit, dass Musiker in der Corona-Pandemie Geld verdienen und mit Hörerschaften connecten können, ja eigentlich ein Beitrag zur Unterstützung der Musikindustrie sei. RIAA-Vorstand Mitch Glazier hielt in einem Statement für Variety dem entgegen, dass das nicht den Kern des Problems adressiere und bekräftigte, dass ohne angemessene Entlohnung von Songwritern und Musikern eine weitere Partnerschaft mit Twitch ausgeschlossen sei.

Da die RIAA und der Verband der Musikvertriebe im Recht sind, musste Twitch prompt und handfest reagieren. Die Massen-Löschaktion scheint demnach eine Notfall-Operation zu sein, aber eine der wenigen wirklich validen Lösungen für die Plattform. Trotzdem zeigten sich viele User verständlicherweise frustriert von den zahlreichen Löschungen. Manche User sprachen mit Blick auf die nun fehlende Musik-Integration von einem ausgelöschten Lebenswerk, die vorrangige Kritik beläuft sich derzeit aber allen voran auf die mangelnde Transparenz des Schrittes. In einem Statement versprach Twitch, in Kürze klarere Tutorials für die Nutzung von Musik auf der Plattform zur Verfügung zu stellen. Bis dahin helfen die User sich selbst: Ein Tool, das potentielle Uploads auf seine Urheberrechts-Sicherheit prüft, wurde vor zwei Tagen bereits probehalber in Betrieb genommen.

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4 Kommentare mit 7 Antworten

  • Vor einem Monat

    Völlig ernst gemeinte Frage: Wer oder was ist dieses Twitch? Ist das so´ne Art YouTube für 15 jährige?

  • Vor einem Monat

    Schon kurios, dass laut.de das hier Wochen nach den eigentlichen Vorfällen zur News macht.

    Problem an diesen ganzen Massenlöschungen ist/war so wie ich das mitbekommen habe auch, dass teilweise auch Content, bei dem keine Urheberrechtsverletzung vorlag, gelöscht wurde, ohne, dass die Nutzer sich dagegen wehren konnten.

    Und als ganz lustige Anekdote wurde im Zuge dieser ganzen Löschungen glaube ich auch der twitch-Kanal vom Dragonforce-Gitarristen suspendiert, weil er da seine eigene Mukke gespielt hat.

    Ist alles in allem schon 'ne ziemliche Katastrophe und Zeit, dass da mal eine vernünftige Lösung zur Musikeinbindung gefunden wird.

    • Vor einem Monat

      "Problem an diesen ganzen Massenlöschungen ist/war so wie ich das mitbekommen habe auch, dass teilweise auch Content, bei dem keine Urheberrechtsverletzung vorlag, gelöscht wurde, ohne, dass die Nutzer sich dagegen wehren konnten."
      Manche partner haben das auch präventiv von sich aus gemacht, idr sind die VODs ja nur ein paar Monate online, außer bei einigen älteren Partnern.

      "Und als ganz lustige Anekdote wurde im Zuge dieser ganzen Löschungen glaube ich auch der twitch-Kanal vom Dragonforce-Gitarristen suspendiert, weil er da seine eigene Mukke gespielt hat."
      Das ist nur ein Gerücht, der ban erfolgte wegen nudity, wegen eines Videos, das er im stream gezeigt hatte.

    • Vor einem Monat

      Oha, war dann mal wieder gefährliches Halbwissen, dass ich über irgendwelche Youtube-Kommentare aufgeschnappt habe.

  • Vor einem Monat

    Dieser Kommentar wurde vor einem Monat durch den Autor entfernt.