Der Sänger hatte in einem Gedicht über eine Vergewaltigung fantasiert und dafür Kritik geerntet. Sein Verleger verweist auf das lyrische Ich.

Köln (dük) - Wegen seines Gedichtes "Wenn Du Schläfst" war Rammstein-Sänger Till Lindemann mal wieder ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Sein kürzlich publizierter Lyrikband "100 Gedichte" beinhaltet folgende Zeilen, die davon handeln, eine Person mit Rohypnol (Medikament, das überwiegend als Schlafmittel eingesetzt wird) zu betäuben und zu vergewaltigen:

"Ich schlafe gerne mit dir wenn du schläfst
Wenn du dich überhaupt nicht regst
Mund ist offen
Augen zu
Der ganze Körper ist in Ruhe
Kann dich überall anfassen
Kann mich völlig gehen lassen
Schlaf gerne mit dir wenn du träumst
Weil du alles hier versäumst
Und genauso soll es sein (so soll das sein so macht das Spaß)
Etwas Rohypnol im Wein (etwas Rohypnol ins Glas)
Kannst dich gar nicht mehr bewegen
Und du schläfst
Es ist ein Segen
".

Die Öffentlichkeit reagierte zum Teil angewidert auf Lindemanns Zeilen. SWR-Literaturkrtitiker bezeichnete das Gedicht als "eine Vergewaltigungsfantasie, wie sie im Buche steht. Eine zu Papier gebrachte Straftat". Laut Publizist Arno Frank, der für den Spiegel schreibt, kollidiere die Selbstverständlichkeit der Kunstfreiheit und Differenz zwischen lyrischem Ich und Autor mit der Selbstverständlichkeit, dass Opfer von sexueller Gewalt ein berechtigtes Interesse daran hätten, "nicht mit verharmlosenden oder gar verherrlichenden Schilderungen dieser Gewalt behelligt zu werden".

Auf die Trennung zwischen Autor und lyrischem Ich verweist auch Till Lindemanns Verleger Helge Malchow von Kiepenheuer & Witsch in einer Stellungnahme auf Twitter:

Till Lindemann hat sich persönlich noch nicht zur Debatte um das Gedicht geäußert. Zuletzt sorgte er für Schlagzeilen, weil er trotz Versammlungsbeschränkungen Konzerte gab, die Sperrzone Pripyat besuchte und wegen einer Lungenentzündung eine Nacht auf der Intensivstation verbringen musste.

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23 Kommentare mit 61 Antworten

  • Vor einem Monat

    Man muss aber auch mal das Positive an diesem Gedicht finden!
    Es ist kurz...

  • Vor einem Monat

    Gähn, wäre der gleiche Kram von Hans Mustermann, so würde es überhaupt niemand interessieren. Und provozieren würde es auch niemand, denn es würde niemand drucken oder lesen.

  • Vor einem Monat

    obwohl ich beim rammstein/lindemann h8en gerne mitten in der phalanx stehe, so muss man ihm schon zu gute halten, dass er ein gewisses "künstlerisches talent" hat. allerdings funktioniert weder rammstein noch alles andere von lindemann ohne die dazugehörige visulle unterstützung nicht. d.h. rein lyrisch ohne das dazugehörige video ist es halt guugus.

    damit will ich jetzt nicht sagen, dass JEDES rammstein/lindemann video ausnahmslos ein MEISTERWERK sei, gott bewahre. aber eine gewise (insel)begabung hat der ehem. Korbflechter aus dem Osten schon. einige (wenige) videos+texte funktionieren schon recht gut. #manmussauchhakgeben

    aber mei, ich schaue mir die halt alle paar jahre mal an und dann ists auch wieder gut

    • Vor einem Monat

      Ja, sehe ich auch so. Im audiovisuellen Kontext oder live funktionieren Rammstein tatsächlich oft sehr gut und sind sehr gut darin, ihre Ästhetik rüberzubringen. Da wird dann auch gerne einmal die Tatsache, dass sie eine etwas gröbere und stumpfere Ästhetik zum Ausdruck bringen, unfairerweise mit "künstlerisch schlecht" gleichgesetzt/verwechselt.

      Ändert aber natürlich nichts daran, dass das Gedicht hier in seiner vorliegenden Form schlicht grottenschlecht ist und bin mir auch nircht sicher, ob da multimedialere Umsetzung helfen würde. Aber nun gut.

    • Vor einem Monat

      Naja, das Gedicht ist so formuliert, dass sich im Verlauf einer visuellen Inszenierung herausstellen könnte, dass das lyrische ich weiblich (der betäubte Gegenpart männlich ist)

    • Vor einem Monat

      Die Interpretation, es liegt eine"klassische" weiblich-männlich opfer-täter beziehung vor, übernehmen bis jetzt die Kritiker. Das Gedicht gäbe auch eine andere Lesart her

    • Vor einem Monat

      Auch wahr, Lora_Zepam. Es geschieht etwas zu schnell, daß man sich bei der Phantasie einer Vergewaltigung einen Mann als Täter und eine Frau als Opfer vorstellt. In diesem kleinen Teilaspekt hat das Gedicht sogar einen kleinen Wert.

    • Vor einem Monat

      Ich frag mich, ob das alles was mit seinem Penis zu tun hat. Ich befürchte wirklich, dass ich bei dem Thema hier an meine intellektuellen Grenzen komme. Der Mann ist einfach so hart(!) Crazy.