Wer holt sich in den Sing-Offs einen Hot-Seat? Mark Forster und Fanta 4 suchten Hilfe bei mehr oder minder bekannten Gastcoaches.

Berlin (hhu) - Dritte Runde bei The Voice of Germany: In den sogenannten "Sing-Offs" streiten sich die zehn Talente jedes Teams um die drei "Hot-Seats" und die damit verbundene Teilnahme an den Halbfinals. Gestern starteten die Teams Forster und Fanta, was bedeutet: Es präsentieren sich 20 "Voices" in einer Show. Dafür fuhr der Sender angenehmerweise nicht nur den Werbeanteil drastisch herunter, auch die Spirenzchen der Coaches (vor allem Mark) hielten sich in engen Grenzen.

Jess Glynne im Team Fanta

Allerdings wirkte die Show gehetzt und hangelte sich ohne rechten Überbau von Auftritt zu Auftritt. Dass die Moderatoren Lena Gercke und Thore Schölermann obendrein eine unterirdische Performance ablieferten, machte es nicht besser. Jeder Coach bekam einen Gastjuror beiseite gestellt. Gewohnt großspurig empfing das Team Fanta "DIE Popsängerin Großbritanniens" (die zufälligerweise gerade ein neues Album promotet), und es kam Jess Glynne. Wer? Eine kurze laut.de-Recherche ergibt lediglich eine Rezension zu Glynnes Debütalbum von 2015, zu finden auf der Clean Bandit-Artistpage. Was weniger auf mangelnde Redaktionsarbeit, als auf den Bekanntheitsgrad der Sängerin hinweist.

Bei den Voices liefert Lia Joham mit "Believer" brutal ab. Sowohl langsame als auch schnelle Parts im Song meistert sie und rechtfertigt so die Entscheidung ihres Coaches, auf die Konkurrentin Mascha zu verzichten. Einfach nur Wow. Zum Lohn darf Lia auf einem der drei noch leeren Hot-Seats Platz nehmen.

Elvis langweilt"

Zu ihr gesellt sich schnell Alexander. Dessen Elvis Presley-Organ ist zwar wahrlich beeindruckend, seine Version von "Ring Of Fire" fordert ihn aber überhaupt nicht und entsprechend langweilig kommt sein Vortrag daher. Vor allem das Banjo erinnert mehr an eine billige Butterwerbung als an einen ernsthaften Song.

Dass Kaye-Ree den dritten Stuhl einnimmt, erscheint logisch. Ihre Balladenversion von "Grenade" gerät jedenfalls viel meisterhafter als die billigen Gags über ihren Job am Frankfurter Flughafen ("Du bist First-Class"). Bei Fabrice kommt zum ersten Mal Spannung auf, da er seinen Hot Seat nicht automatisch bekommt. Hätte er auch nicht verdient, denn mit "Kein Zentimeter" transportiert er keine Gefühle, sondern langweilt einfach nur.

"Eun-Chae ist ein Gesamtpaket"

Ganz anders "Gesamtpaket" Eun-Chae. Die versucht sich an Britneys "Toxic" und begeistert vor allem bei schnellen, lauten Parts. Besser ist nur Jochen Distelmeyers Version, aber Alexanders Hot Seat ist ihr sicher. Ein Selbstläufer ist die Darbietung von Eros ("Roxanne"). Zum einen ist seine perkussive Gitarrentechnik außergewöhnlich, zum anderen ist er ein "Charaktersänger". Eros singt nicht nur technisch sauber, sondern mit einer klaren Persönlichkeit. Das einzige Problem: Er bekommt Lias Sitz.

Ein perfektes Beispiel für einen Mangel an Persönlichkeit in der Stimme liefert danach Jeanie Celina ab. Sie macht zwar "Genie In A Bottle" zu etwas eigenem, aber auch zu etwas verdammt langweiligem. Obwohl sie jeden Ton trifft, kommen zu keinem Zeitpunkt Gefühle auf. Sascha singt "Breaking The Habit" von Linkin Park trotz schwerer Grippe, doch am Ende reicht es für ihn nicht.

Coby Grant wirft Kaye-Ree raus

Eine weitere Performance der Kategorie Selbstläufer liefert Coby Grant. Die Australierin identifiziert sich voll und ganz mit "I Wanna Dance With Somebody" und rührt Smudo zu Tränen. Vor lauter Rührung werfen er und Michi Beck Kaye-Ree von ihrem Sitz und bieten ihn Coby an.

Ein Highlight zum Schluss: Clifford, der "Hip Hopper aus dem Team der Hip Hopper" ballert mit "Niggas In Paris" böse. Dass The Voice eigentlich eine Gesangsshow sein soll, ist an dieser Stelle vollkommen wurst. Eun-Chae muss gehen und damit steht das Team Fanta. Cobey, Eros und Clifford dürfen weiter von der Krone träumen.

Dua Lipa macht eine Topfigur

Diese Auftritte hätten locker für eine ganze Sendung gereicht, doch es gab noch eine weitere Runde. Team Mark tritt mit einem echten Superstar an: Dua Lipa ist nicht nur bekannter, sondern auch besser als Jess Glynne. Waren deren Beiträge meist nur hohle Phrasen, macht die kosovarische Sängerin vor allem anfangs eine Topfigur. Kandidat Alessandro ist besonders geflasht vom berühmten Gast, seine energiegeladene Version von "Hotter Than Hell" vergleicht Forster mit einem Stier.

Eine besondere Aufgabe erhält "Rock Chick Kira" (Dua Lipa), die nicht nur ihre erste Ballade singen muss, sondern mit "Jealous" auch einen der Lieblingssongs ihres Coaches erhält. Der verdrückt auch prompt ein Tränchen.

Ist das Liberace? Nein, Dominik

Dominik komplettiert das vorübergehende Trio auf den begehrten Sitzen mit "Bye Bye". In großer Entertainerpose sitzt er anfangs am Klavier und trägt dazu ein Liberace-Gedächtnis-Hemd. Mark prophezeit ihm Starpotenzial für die nächsten fünf bis zehn Jahre. Wenns einer weiß, dass Mark Forster.

Der erste verdiente Hot-Seat geht an Sweet Lolita Jessica. Deren "Human"-Version bringt nicht nur Michi Beck aus der Fassung. Kira hingegen muss gehen. Einen ganz schweren Stand hat Laura mit "Don't Leave Me Alone": Im Gewitter der Effekte geht sie schlicht und ergreifend unter und tritt folgerichtig die Heimreise an.

Rahel begeistert mit einem Song ihres Coaches"

Rahel hingegen bleibt. Für sie hat ihr Coach auch eine besondere Wahl getroffen. "Zu Dir", verfasst von Meister Forster höchstpersönlich. Der Song ist zwar ziemliche Grütze, Rahel glänzt aber und schnappt sich Dominiks Sitz. Aber der wird ja eh ein Star, wie wir alle wissen. Ganz schön schwachbrüstig kommt danach Damiano bei "She Said" daher. Es gelingt ihm vorne und hinten nicht, irgendetwas Verführerisches zu transportieren. Tolle Einschlafnummer.

Diana hat allerdings etwas gegen Schlafen. Mit "Nutbush City Limits" haut sie mich komplett aus den Socken. In rotem Leder, Fransenweste und Jagger-Moves lässt sie den großen Rock der 70er wieder aufleben. Moderator Thore bekommt kaum noch einen klaren Satz raus. Für ihre "Hot Hose" (Zitat Forster) gibt es einen Hot Seat. Alessandro räumt dafür seinen.

Keine Gefahr für das Führungstrio geht von Felicitas aus. Die verwechselt bei "If I Wasn't Your Daughter" Gefühle mit dem mangelnden Aussingen von Tönen und muss folgerichtig den Heimweg antreten. Einen Hotseat hat sie nur in Marks Herzen. Wie schön.

Warum denn bitte "Despacito"?

Zum Abschluss bringt Forster noch eine besondere Gemeinheit: Die hingebungswürdigen Misses Meaza sollen "Despacito" aufführen. Gib den Damen doch echte Musik. Trotz der zweifelhaften Songauswahl ist Dua Lipa begeistert von den drei Damen. Das reicht aber leider nicht für einen Hot Seat. Wahrscheinlich wäre das Trio auch schwer als Gewinnerinnen der Sendung zu vermitteln gewesen: Gesucht wird schließlich "die" Stimme.

Am Donnerstag geht es in die zweite Runde. Dann sprechen auch Paddy und Yvonne mal wieder, die mussten gestern als Nichtentscheidungsträger nämlich größtenteils ruhig bleiben.

Fotos

Yvonne Catterfeld und Die Fantastischen Vier

Yvonne Catterfeld und Die Fantastischen Vier,  | © BMG Music (Fotograf: ) Yvonne Catterfeld und Die Fantastischen Vier,  | © BMG Music (Fotograf: ) Yvonne Catterfeld und Die Fantastischen Vier,  | © BMG Music (Fotograf: ) Yvonne Catterfeld und Die Fantastischen Vier,  | © BMG Music (Fotograf: ) Yvonne Catterfeld und Die Fantastischen Vier,  | © BMG Music (Fotograf: ) Yvonne Catterfeld und Die Fantastischen Vier,  | © BMG Music (Fotograf: ) Yvonne Catterfeld und Die Fantastischen Vier,  | © BMG Music (Fotograf: ) Yvonne Catterfeld und Die Fantastischen Vier,  | © BMG Music (Fotograf: ) Yvonne Catterfeld und Die Fantastischen Vier,  | © BMG Music (Fotograf: ) Yvonne Catterfeld und Die Fantastischen Vier,  | © BMG Music (Fotograf: ) Yvonne Catterfeld und Die Fantastischen Vier,  | © BMG Music (Fotograf: ) Yvonne Catterfeld und Die Fantastischen Vier,  | © BMG Music (Fotograf: ) Yvonne Catterfeld und Die Fantastischen Vier,  | © BMG Music (Fotograf: ) Yvonne Catterfeld und Die Fantastischen Vier,  | © BMG Music (Fotograf: ) Yvonne Catterfeld und Die Fantastischen Vier,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Yvonne Catterfeld und Die Fantastischen Vier,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Yvonne Catterfeld und Die Fantastischen Vier,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Yvonne Catterfeld und Die Fantastischen Vier,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Yvonne Catterfeld und Die Fantastischen Vier,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Yvonne Catterfeld und Die Fantastischen Vier,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Yvonne Catterfeld und Die Fantastischen Vier,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Yvonne Catterfeld und Die Fantastischen Vier,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Yvonne Catterfeld und Die Fantastischen Vier,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Yvonne Catterfeld und Die Fantastischen Vier,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Yvonne Catterfeld und Die Fantastischen Vier,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Yvonne Catterfeld und Die Fantastischen Vier,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Yvonne Catterfeld und Die Fantastischen Vier,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Yvonne Catterfeld und Die Fantastischen Vier,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Yvonne Catterfeld und Die Fantastischen Vier,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler)

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