Sie haben das Game gefickt: Casper, Kollegah, Shiml, Favorite - und Genetikk, die 257ers, Hollywood Hank, Karate Andi: ein Ritt durch den Labelkatalog.

Düsseldorf (dani) - Ihr zehnjähriges Betriebsjubiläum haben Selfmade Records vor sechs Jahren noch mit allem Pomp gefeiert - Labelsampler und aufwändig gestaltetes Buch inklusive. Im vergangenen Jahr wurde das einzige Rap-Label, das seinerzeit Aggro Berlin die Stirn bot, fünfzehn Jahre alt, und es lag wohl nicht nur an Corona, dass dieser Geburtstag weitgehend im Sand verlief. Egal, wir gratulieren nachträglich und werfen einen Blick auf ...

... alle Selfmade-Alben.

Die wilden Tage sind zweifellos vorbei, die einstigen Zugpferde weitergezogen, manche einfach auf der Strecke geblieben. Einzig die treuen 257ers und der als letzter zum Rudel gestoßene Karate Andi veröffentlichten zuletzt noch unter dem SR-Emblem. Wahrscheinlich liegt genau da eine der Hauptursachen für den Niedergang: An irgendeinem Punkt haben sie bei Selfmade die Nachwuchs- und Rekrutierungsarbeit eingestellt. Es rückte einfach niemand mehr nach, um die Lücken zu füllen.

Trotzdem lohnt der Blick in die Labelgeschichte. Die erzählt nämlich dennoch eine beispiellose Erfolgsgeschichte mit den Kapiteln "Einfach mal machen", "Durchhalten", "Durststrecken überstehen", "Irgendwann durch die Decke brechen" und "Den verdienten Lohn einstreichen".

Streng subjektiv

Schlimm genug, aber: Ich bin ja alt genug, um diese ganze Story von Beginn an bei (meist) halbwegs klarem Bewusstsein miterlebt zu haben. Ein Anfall von Wahnsinn, Nostalgie und Masochismus gebar die Idee, einmal den kompletten Label-Katalog unter die Lupe zu nehmen (Hätte ich noch genauer auf dem Schirm gehabt, wie fuckin' viele Kollegah-Alben das waren: Ich hätte es mir genauer überlegt).

Ich hab' alles noch einmal gehört. Nicht nur die Hits - die es gebündelt hier gibt. Nö. Al-les. Ich hab' vergessene Perlen wiedergefunden, Spezialitäten, bei denen man wahrscheinlich dabei gewesen sein muss, um sie zu verstehen, und anderes, bei dem man dabeigewesen ist, sich aber heute trotzdem (oder erst recht) fragt: Was zum Teufel? Ich hab' sortiert, natürlich nach streng subjektiven Gesichtspunkten und Vorlieben. Viel Spaß mit dem Ergebnis.

... und wenn ich irgendwann die Schmerzen vergessen habe, dann machen wir das gleiche mit Aggro Berlin. Oh, Mann ... was red' ich da? Ichmussweg!

Fotos

257ers, Genetikk und Kollegah

257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Gina Wetzler) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Gina Wetzler) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Gina Wetzler) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Gina Wetzler) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Gina Wetzler) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Gina Wetzler) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Gina Wetzler) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Gina Wetzler) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Gina Wetzler) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Gina Wetzler) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Gina Wetzler) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Gina Wetzler) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © Selfmade (Fotograf: Laion) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © Selfmade (Fotograf: Laion) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © Selfmade (Fotograf: Laion) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © Selfmade (Fotograf: Laion) 257ers, Genetikk und Kollegah,  | © Selfmade (Fotograf: Laion)

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111 Kommentare mit 3 Antworten, davon 104 auf Unterseiten

  • Vor einem Monat

    Selfmade war mein Aggro. Fand es sehr spannend dabei gewesen zu sein und zu beobachten wie sie Jahr für Jahr wachsen.

    • Vor einem Monat

      ja. fand die selfmade-leute dem stall von aggro halt technisch um welten überlegen und das angebot auch vielseitiger. marketing-technisch haben sie sich wenig geschenkt.

    • Vor einem Monat

      Ist auch immer wieder krass, wie schnell so was dann auf einmal zu Ende geht. Vielleicht hätte Elvir den Laden nach Kolles Abgang einfach schließen sollen. Hatte bis zu diesem Artikel auch total vergessen, dass es das Label ja auf dem Papier noch gibt. Um Elvir muss man sich dank RIN und seiner anderen Unternehmungen natürlich keine Sorgen machen, aber dieses Dahinvegetieren ist irgendwie unwürdig.

  • Vor einem Monat

    Ranking ist natürlich irgendwie zweifelhaft, aber eine nette Retrospektive auf das zeitweilig erfolgreichste und populärste HipHop-Label. Kolle und FAV Alben hab ich bestimmt hunderte Stunden lang gehört, war schon ne gudde Zeit. Man muss sich auch immer wieder vor Augen führen, dass die so 2009/2010 kurz davor waren, den Laden dicht zu machen. Und da ich das Privileg hatte, die meisten Alben davon gehört zu haben, ein alternatives Ranking für Deutschland (fehlende Alben nicht gehört):
    01. Hoodtape 1
    02. Zuhältertape 3
    03. Zuhältertape 1
    04. Schläge für HipHop
    05. Voodoozirkus
    06. ZHT 2 – Boss der Bosse
    07. JBG
    08. Alphagene
    09. Anarcho
    10. Kollegah
    11. D.N.A.
    12. Bossaura
    13. HRNSHN
    14. Zuhältertape 4
    15. Christoph Alex
    16. Harlekin
    17. Turbo
    18. JBG 2
    19. Chronik 1
    20. Chronik 2
    21. Rappen kann tödlich sein
    22. King
    23. Neues von Gott
    24. Asap Kotti
    25. Schwarzes Gold
    26. Achter Tag
    27. Alternative für Deutschland
    28. Chronik 3
    29. Fukk Genetikk

    • Vor einem Monat

      Wärmer.

      Schläge für Hip Hop und Bossaura zu hoch, ZHT4 und King zu weit hinten. Ansonsten einverstanden. Also d.h. soweit ich die Alben überhapt selber kenne, habe da - leider/zum Glück? - auch nicht alles gehört.

      1. ZHT4
      2. ZHT3
      3. Soziopath
      4. ZHT1
      5. Hoodtape 1
      6. BdB
      Rest egal

  • Vor einem Monat

    Ich bin ja immer sehr für Listen und kann euren eigentlich auch zuverlässig was abgewinnen. Aber wie random ist das Teil hier denn bitte? Also erstens der Anlass und dann natürlich auch die Reihenfolge?

    Ok, wenn man Soziopath mitzählt gehört es natürlich da vorne auch hin, die JBGs, die Sampler und meinetwegen Karate Andi eher nach hinten, so weit geh ich noch mit. Ansonsten aber quasi gar nicht.

    Favorite hat sein Potenzial doch nie ausgeschöpft - im Nachhinein, wie man mittlerweile leider schon sagen muss - sein Output gehört mMn durch die Bank ins zweite Glied verschoben. Gilt gerade auch bei Schläge für Hip Hop, das ich total überschätzt finde, weil da erstens auch Hank schon merklich schwächelt und zweitens das "musikalische Gesamtkonzept" (sprich: Beats, Hooks, Stilistik) komplett zum Vergessen ist. Ähnlich wie alles von den 257ers, bei dem ich nicht schnell genug aus- oder weggeschaltet hab. Bei Genetikk wiederum hat zwar Letzteres gestimmt, gerade Sikks Beats waren mMn Label-intern schon oustanding, dafür Karuzo generisch af, im Prinzip ab Foetus und steigend.

    Viel bleibt nicht mehr übrig und wer mein dbzgl. Fanboy-Gewäsch schon mal gelesen hat, wird sich denken, wessen Alben ich, teilweise überdeutlich, zu tief gelistet finde :D Ausnahme Bossaura, da bin ich einigermaßen einverstanden. Kollegah war aber auf jeden Fall der einzige Artist auf dem Label, von dem ich wirklich denke, dass er D-Rap maßgeblich beeinflusst und verändert hat. Kritik an Künstler und spätestens mittlerweile auch Schaffen natürlich berechtigt, keine Frage. Den Rest von SR hat er aber trotzdem locker in die Tasche gesteckt.

  • Vor einem Monat

    Hätte gerne ein Kollabo-Album von Fav und Kolle zur ihrer Prime gehabt, haben immer super harmoniert auf Tracks wie Shotgun, Selfmade Endbosse usw, stattdessen kam JBG :(

  • Vor 28 Tagen

    Ging mir ähnlich wie Tory, die waren schon auch mein Aggro. Heute ist vieles allein wegen der Beats unhörbar und man ist halt keine 16 mehr. Schade, dass Fave nie sein Potenzial für ein richtig geiles Album abgerufen hat und im Endeffekt witzig, dass Casper von allen Signings am besten gealtert ist.

    Top 5:

    ZHT3
    JBG
    Christoph Alex
    Voodozirkus
    Chronik 2

    Bester Song: Selfmade Endbosse

    Soziopath ist ein Meilenstein, aber nicht wirklich ein Selfmade-Album.

  • Vor 23 Tagen

    Finde ich hammer, dass Dani sich der Liste angenommen hat. Ein Genuss das nochmal so durchzugehen :) Mein Ranking würde naturgemäß auch ziemlich anders aussehen, aber das ist halt Geschmacksache^^