An der Spitze der britischen Charts steht in der Weihnachtswoche diesmal nicht der Gewinner der Casting-Show "X Factor". Mit dem Rückenwind der Facebook-Kampagne "Rage Against The X Factor" machten Rage Against The Machine das Rennen.

Ihr 17 Jahre alter Titel "Killing In The Name" wurde in der vergangenen …

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  • Vor 11 Jahren

    @zack-zack..aber zack («
    @dba
    Könnte man die Symbolik für junge Musiker nicht auch so interpretieren?: Warum 20 Jahre den harten Weg gehen um dann nur aufgrund einer Aktion "mal" einen Top 1 Hit zu haben, wenn man das auch in 3 Monaten Castingshow hinbekommt »):

    nein, denke ich nicht.
    schließlich läuft sowas ja gerade nur dann (und ohnehin als absolute ausnahme), wenn man aufgrund seiner eigenständigen künstlerpersönlichkeit, seiner integrität sowie standing und credibility hat, dass man sich nicht blamiert, sondern es funktioniert.
    das muss man sich aber erarbeiten
    und erarbeiten kann man sich sowas nur, wenn es authentisch ist.

  • Vor 11 Jahren

    na, dann passt mal bloß auf, dass ihr da oben nicht von eurer metaebene hinunterfallt...

    eine aktion zu verurteilen, bei der für 73.000 Euro bedürftigen menschen geholfen wurde, nur weil dadurch evtl einem stereotypisch auf böse gemünzten großkonzern geholfen werden könnte und dazu noch die beteiligte band einer analyse ihrer glaubhaftigkeit nicht gänzlich in allen punkten standhalten kann, ist für mich mehr als fahrlässig. wir leben halt einfach in einer welt, in der die theorie in der praxis einfach nicht komplett umsetzbar ist, aber dann ist es doch allemal sinnvoller, mit den bestmöglichen absichten zu handeln, als stur rational zu bleiben und sich in seinen theoretischen ausführungen zu ertränken.

    in meinen augen ist das ganze eine gute, erfrischende aktion, die den ganzen mist, der derzeit so durch radio, fernsehen, etc. fleucht, einfach mal ein wenig durchrührt und aufzeigt, wie sehr jener doch stinkt. und am ende wird doch wohl niemandem geschadet, sondern im gegenteil sogar noch geholfen, durch eine aktion, die lediglich dazu aufruft, einmal gepflegt den mittelfinger zu heben und "fuck you" zu rufen. inwiefern das nicht vllt doch nur ignoranz als reaktion hervorruft, ist wiederum eine andere frage, aber vom ansatz her steckt da doch echt nicht viel falsches drin, mal so ein zeichen zu setzen.

    und so zum abschluss noch mal ne kleine rechnung: ein download von "killing in the name" hat ganze 29p gekostet, das macht für sony am ende bei 500.000 verkäufen abzüglich der gespendenten summe umgerechnet knappe 90.000 €, geht also keinesfalls in die mehreren hunderttausender, wie man vllt vermuten könnte und macht sony nu auch nicht so viel reicher, als sie nicht sowieso schon sind, zumindest in anbetracht dessen, was auf der haben-seite steht.

  • Vor 11 Jahren

    ich würde gar nicht soviel diskutieren, ob RATM alternativer Konsens sind oder ob irgendwelche Songschreiber Teile der Musik von denen für mehr oder weniger begabte Retortenbands verwenden.

    Ich sehe es ähnlich wie dba, es ist eine symbolische Geste, um endlich eine Alternative zu den ewig gleichen Sing-alongs der Retortenstars, insbesondere der solcher Castingshows, entgegenzuhalten. Vor allem wenn man bedenkt, dass seit 4 Jahren dieser "X-Facor"-Gewinner auf Nummer eins ist.
    Sehr richtig wurde schon angesprochen, dass Lieder solcher Castingstars von gut ausgebildeten Musikern geschrieben werden. Da solche Lieder jedermann gefallen sollen, sind sie freilich auch recht harmlos produziert und mit ein paar einfachen Textzeilen versehen, die niemanden weh tun.
    Dass die Labels Geld benötigen - keine Frage und dass sie dementsprechend auf Lieder setzen, die ein erfolgreich werden könnten, ist verständlich.

    Leider wird meiner Meinung nach, dabei zu sehr auf die Gleichförmigkeit und die Ausbeutung junger Mädchen gesetzt, die sich dann einen neuen tollen Star in der Bravo kennenlernen können. Ich denke schon, dass es dabei zu einer Verflachung des Musikverständnisses der Allgemeinheit kommen kann, jedoch nicht muss. Solche Aktionen wie jetzt zeigen deshalb doch einmal sehr deutlich, dass es neben allgemeiner Fahrstuhlmusik, die uns in den Charts verfolgt, auch andere, alternative Musik gibt.

  • Vor 11 Jahren

    Ich finde das zutiefst naiv. Eine symbolische Geste gegen Castingshows weil eine "integre" Uralt-Band wieder in den Charts landet. Was haben Charts und Castingshows überhaupt mit Kunst zu tun? Wer ernsthaft Kunst machen will, der gibt einen Scheiß auf die Charts. Nicht, dass ein Künstler keinen Erfolg verdient hätte, aber der hat in den meisten Fällen eigentlich herzlich wenig mit Chartplatzierungen zu tun.

    Die eigentliche Aussage dieser Aktion ist doch, dass den Charts eben doch eine gewisse Aussagekraft beigemessen wird. Man könnte fast von einer Aufwertung sprechen.

    Es gibt heute so viele interessante Künstler zu entdecken und dazu muss ich noch nichtmal das Haus verlassen. Grundsätzlich ist der Musikmarkt aus meiner Perspektive durchlässiger geworden, was auch ein Grund dafür ist, dass die Plattenfirmen versuchen alles massenfähige aufs letzte auszuschlachten. Würde mich mal interessieren was es dazu an wissenschaftlichen Sichtweisen gibt.

  • Vor 11 Jahren

    @Baum (« Es gibt heute so viele interessante Künstler zu entdecken und dazu muss ich noch nichtmal das Haus verlassen. Grundsätzlich ist der Musikmarkt aus meiner Perspektive durchlässiger geworden, was auch ein Grund dafür ist, dass die Plattenfirmen versuchen alles massenfähige aufs letzte auszuschlachten. Würde mich mal interessieren was es dazu an wissenschaftlichen Sichtweisen gibt. »):

    Eben weil die Plattenfirmen alles massenfähige bis auf's letzte ausschlachten, finde ich die Aktion gut. Sie zeigt, dass eine Uralt-Band, die seit 10 Jahren kein Album mehr veröffentlicht hat, dennoch in die Charts einsteigen kann, sogar bis auf die "Pole Position".

  • Vor 11 Jahren

    Und was sagt das über die Kunst aus? Da wird aus meiner Sicht versucht ein sehr antiquiertes Bild zu zeichnen. Neben dem Mainstream haben sich heute unzählige Nieschen aufgetan. Diese Nieschen schaffen es vielleicht nicht auf Platz 1 der Charts, aber es gibt sie und sie sind wesentlich vitaler, als die One-Hit-Wonder der Castingshows. Die Dominanz des Mainstreams ist aus meiner Sicht längst gebrochen.

  • Vor 11 Jahren

    @Baum (« Nicht, dass ein Künstler keinen Erfolg verdient hätte, aber der hat in den meisten Fällen eigentlich herzlich wenig mit Chartplatzierungen zu tun. »):

    Mit was denn sonst? Die Charts repräsentieren mit den Verkaufszahlen (wahrscheinlich mit gar nicht mal so schlechter Annäherung) die Anzahl Hörer.

  • Vor 11 Jahren

    Erfolg ist nicht nur finanzieller Natur. Ich finde es erstrebenswert, wenn Künstler von ihrer Musik leben können. Wenn allerdings Retortenbands sich halbjährlich auf Platz 1 der Charts abwechseln nur um danach wieder in der Versenkung zu verschwinden, ist das dann Erfolg? Gut besuchte Konzerte, Festivalauftritte und Erwähnungen in der Presse sind heute bessere Indikatoren für Erfolg.

  • Vor 11 Jahren

    baum, bei den castingbands ist erfolg nur finanzieller natur. jedenfalls für die macher. es ist bei dsds bspw. fast egal, wieviele tonträger die dann verkaufen, wichtig ist, das leute anrufen, anrufen, anrufen. die verkauften cds sind da nur nebeneinkünfte... nicht zu vernachlässigende zwar, aber der reibach wird mit den anrufen gemacht.

    dass die dann mal auf platz 1 sind, ist kein wunder, bei der riesen-pr, die solche bands schon durch die sendung haben.

  • Vor 11 Jahren

    baum, bei den castingbands ist erfolg nur finanzieller natur. jedenfalls für die macher. es ist bei dsds bspw. fast egal, wieviele tonträger die dann verkaufen, wichtig ist, das leute anrufen, anrufen, anrufen. die verkauften cds sind da nur nebeneinkünfte... nicht zu vernachlässigende zwar, aber der reibach wird mit den anrufen gemacht.

    dass die dann mal auf platz 1 sind, ist kein wunder, bei der riesen-pr, die solche bands schon durch die sendung haben.

  • Vor 11 Jahren

    @Baum (« Und was sagt das über die Kunst aus? Da wird aus meiner Sicht versucht ein sehr antiquiertes Bild zu zeichnen. Neben dem Mainstream haben sich heute unzählige Nieschen aufgetan. Diese Nieschen schaffen es vielleicht nicht auf Platz 1 der Charts, aber es gibt sie und sie sind wesentlich vitaler, als die One-Hit-Wonder der Castingshows. Die Dominanz des Mainstreams ist aus meiner Sicht längst gebrochen. »):

    Über Kunst sagt eine Chartplatzierung nicht viel aus, das dürfte Konsens sein.
    Dass es neben dem Mainstream, der vor allem solche Leute bedient, die nicht unbedingt tiefer in die Nischenmusik einsteigen, sondern mit dem Radiogeplärre einigermaßen zufrieden sind, noch viele kleine, vitale Musiksparten gibt, ist mir klar. Gerade hier setzt die Aktion, finde ich, ein Zeichen, indem sie eben eher untypische Musik kurzzeitig in den Fokus des Mainstream hebt. Mehr nicht und nicht weniger.

    Davon abgesehen, Mainstream im Sinne einer vorherrschenden Musikkultur bzw. -art, wie es vielleicht noch in den 80iger Jahren war (NDW), gibt es heute nicht mehr. Dahingehend gibt es keine Dominanz eines musikalischen Mainstreams, sehr wohl aber eines finanziell-orientierten Mainstreams.
    @Baum (« Erfolg ist nicht nur finanzieller Natur. Ich finde es erstrebenswert, wenn Künstler von ihrer Musik leben können. Wenn allerdings Retortenbands sich halbjährlich auf Platz 1 der Charts abwechseln nur um danach wieder in der Versenkung zu verschwinden, ist das dann Erfolg? Gut besuchte Konzerte, Festivalauftritte und Erwähnungen in der Presse sind heute bessere Indikatoren für Erfolg. »):

    Natürlich sind die Charts kein Zeichen für Erfolg, nicht einmal in finanzieller Hinsicht. Sie repräsentieren aber, wie mbg schon sagte, eine Vielzahl von Hörern mit ihren Hörgewohnheiten. Durch diese Downloads des RATM-Songs wird insofern eine "Gegenströmung" zu den sonstigen Hören, die die langweiligen Castingshowretortenbandlieder kaufen, sichtbar.

  • Vor 11 Jahren

    @SixDrunkenNobodies (« Nimm allein die Generationen 40+, da dürfte es ziemlich schwierig werden, R.a.t.M.-Freunde zu finden, vielleicht kennen einige die Band namentlich und aus "Matrix", aber mehr auch nicht. »):

    Höhö. So ein Quatsch.

    Ich gebe dir Recht, dass es in der Generation viele gibt, die RatM nicht gut finden (was nicht gleichbedeutend mit "nicht kennen" ist), aber die Tanzflächen waren KNACKENVOLL, wenn Songs von denen gespielt wurden. Ausnahmslos.

    Das war etwa 1992-96 (also sieben Jahre vor "Matrix" ...), die Leute waren 20 bis 35, sind also heute 35 bis 50. Ich muss mich mbg anschließen: Auch ich kenne niemanden, der die nicht geil findet (zumindest das erste Album ...)

    Ansonsten sehe ich das wie der Anwalt als eine symbolische Aktion, die dem Musikbusiness in Form der durch Castingshows hochgepushten Retortenbands mal den Stinkefinger zeigt: Seht her, es gibt noch reale Bands mit realen Anliegen, und die Leute wollen so etwas!

    Und ich bin so froh, wenn ein Song in der Öffentlichkeit (omni)präsent ist, dessen zentrale Textzeile ist:

    "Fuck you, I won't do what you tell me!"

    Allein dafür hat sich die Aktion gelohnt.

  • Vor 11 Jahren

    @Thelema («
    Und ich bin so froh, wenn ein Song in der Öffentlichkeit (omni)präsent ist, dessen zentrale Textzeile ist:

    "Fuck you, I won't do what you tell me!"

    Allein dafür hat sich die Aktion gelohnt. »):

    Und wäre es nicht genau deshalb sinnvoller gewesen, diesen Facebook-Gruppenaufruf NICHT mitzumachen?

    Ich finde, da wurde Protest ad absurdum geführt.

  • Vor 11 Jahren

    @Häretiker (« @Thelema («
    Und ich bin so froh, wenn ein Song in der Öffentlichkeit (omni)präsent ist, dessen zentrale Textzeile ist:

    "Fuck you, I won't do what you tell me!"

    Allein dafür hat sich die Aktion gelohnt. »):

    Und wäre es nicht genau deshalb sinnvoller gewesen, diesen Facebook-Gruppenaufruf NICHT mitzumachen?

    Ich finde, da wurde Protest ad absurdum geführt. »):

    Total! Das ist wie wenn Bon Jovi singt "We weren't born to follow!".

  • Vor 11 Jahren

    "Seid ihr nicht alle Individuen?"
    (alle:) "Jaaaaaa!"
    (eine einzelne verschüchterte Stimme aus der Menge:) "Nein, ich eigentlich nicht ..."

    :D

    Die Welt steckt eben voller Widersprüche. In diesem Fall: individuell-moralischer Trotz (ich würde das auch nicht als "Rebellentum" sehen, weil es politisch nichts austrägt) vs. politische Aktion (wenn auch nur symbolisch).

    Auch wenn ich dieses "wir holen uns die Macht zurück" für ziemlich aufgeblasen halte. Die Macht kommt nicht aus dem Lauf einer Stromgitarre.

  • Vor 11 Jahren

    @Thelema («
    Auch wenn ich dieses "wir holen uns die Macht zurück" für ziemlich aufgeblasen halte. Die Macht kommt nicht aus dem Lauf einer Stromgitarre. »):

    [klugscheißmode]
    das "wir holen uns die macht zurück" war wohl einfach eine anspielung aufm den RATM-song "we take the power back"
    [/klugscheißmode]

    :D

  • Vor 11 Jahren

    @Thelema (« "Seid ihr nicht alle Individuen?"
    (alle:) "Jaaaaaa!"
    (eine einzelne verschüchterte Stimme aus der Menge:) "Nein, ich eigentlich nicht ..." »):

    Zitat (« "God is dead," the priest chanted.
    "God is dead," the congregation repeated in chorus.
    "God is dead: we are all absolutely free," the priest intoned more rhythmically.
    "God is dead," the congregation picked up the almost hypnotic beat, "we are all absolutely free."
    Joe shifted nervously in his chair. The blasphemy was exhilarating, but also strangely disturbing. He wondered how much fear of Hell still lingered in the back corridors of his skull, left over from his Catholic boyhood. They were in an elegant apartment, high above Lake Shore Drive—"We always meet here," Simon had explained, "because of the acrostic significance of the street name"—and the sounds of the automobile traffic far below mingled strangely with the preparations for what Joe already guessed was a black Mass.
    "Do what thou wilt shall be the whole of the law," the priest chanted.
    "Do what thou wilt shall be the whole of the law," Joe repeated with the rest of the congregation »):

    Wobei das hier nicht meine zentrale Kritik ist. Individualisierung ist kollektivistisch, das in diesem Zusammenhang zu kritisieren ist eigentlich fast obsolet.

    Aber nochmal ganz konkret: Wo liegt hier die symbolische Leitsung? Wir sind uns anscheinend doch darüber einig, dass die Charts über Kunst oder Erfolg nichts wesentliches aussagen und die Dominanz des Mainstreams scheint auch gebrochen, also warum ist es dann so ein großer Erfolg für die "alternative" Kunst, wenn es dieser Song anno 2009 auf Platz 1 der Charts schafft?

  • Vor 11 Jahren

    Ich bin kein Crowley-Anhänger, falls du das meinst.

  • Vor 11 Jahren

    Das war eine blose Ergänzung zu deinem Zitat mit ähnlicher Quintessenz.

  • Vor 11 Jahren

    @Baum («
    Aber nochmal ganz konkret: Wo liegt hier die symbolische Leitsung? Wir sind uns anscheinend doch darüber einig, dass die Charts über Kunst oder Erfolg nichts wesentliches aussagen und die Dominanz des Mainstreams scheint auch gebrochen, also warum ist es dann so ein großer Erfolg für die "alternative" Kunst, wenn es dieser Song anno 2009 auf Platz 1 der Charts schafft? »):

    Es ist ein Erfolg für die alternative Kunst, weil der Song 17 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung immer noch eine - vor allem auch textliche - Aktualität besitzt, die ihn auf Platz 1 hebt, im Gegensatz zu der Weichspülmusik sowie den Weichspülaussagen, die eine halbjährliche Castingband verzapft.
    Das ist für mich die Symbolik.

    Woher stammt das englische Zitat, imho?