"Nächstes Mal in Jerusalem": Israels Premierminister Netanjahu gratuliert, orthodoxe Juden, Muslime und Asiaten reagieren empört.

Jerusalem (wink) - "Nächstes Mal in Jerusalem!", verkündete die exzentrische ESC-Gewinnerin Netta euphorisch nach ihrem Sieg und löste damit eine Welle der Entrüstung aus. Bei Barzilais Spruch handelt es sich nicht um die schlichte Ankündigung des nächsten ESC-Wettbewerbs. Diese Worte werden traditionell am Ende des Yom-Kippur- und des Pessach-Fests gesungen und besitzen im Judentum eine religiöse Bedeutung. Der Satz birgt daher politische Sprengkraft, zumal sowohl Israelis als auch Palästinenser ein ungeteiltes Jerusalem als Hauptstadt beanspruchen.

Der israelische Staatschef Benjamin Netanjahu wiederholte auf Twitter sogleich die Redewendung: "Netta, du bist ein echter Schatz. Du hast dem Staat Israel viel Ehre eingebracht! Nächstes Jahr in Jerusalem!" Dies dürften einige anders sehen. Etwa die von Palästinensern gegründete BDS-Bewegung ("Boycott, Divestment and Sanctions"), deren Ziel in der wirtschaftlichen und politischen Isolation Israels besteht.

Auch streng gläubige Juden dürften die üblicherweise samstags stattfindende Veranstaltung für problematisch halten, schließlich gilt der Sabbat als Ruhetag. Und dass die zahlreichen homosexuellen ESC-Fans, die zu dem Ereignis anreisen, im religiös und erzkonservativ geprägten Jerusalem mit offenen Armen empfangen werden, scheint ebenfalls unwahrscheinlich. Die liberalere Stadt Tel Aviv, in der Nettas Sieg auf offener Strasse zelebriert wurde, wäre wohl der geeignetere Ort für den Wettbewerb. Gleichwohl brachte bereits die transsexuelle Sängerin Dana International den ESC nach ihrem Sieg 1998 im Folgejahr nach Jerusalem.

Vorwurf der "kulturellen Aneignung" gegen Netta

Aber es geht nicht nur innenpolitisch zur Sache. Kritik hagelt es auch bezüglich Nettas eigenwilligem Style. Die Sängerin hätte bei ihren ESC-Auftritten im Kimono und mit überzogenem Make-Up das Klischee einer asiatischen Frau abgegeben, im Bühnenbild standen außerdem die berühmten Winkekatzen aus Japan. Empörte Tweets ließen nicht lange auf sich warten. Die US-Feministin Riley J. Dennis etwa schrieb: "Israel tut so, als ginge es in seinem Song um Vielfalt, obwohl er eigentlich super rassistisch ist."

Der britische Schauspieler Jassa Ahluwalia reagierte entsetzt: "Holy $?#!, yellowface?!" Als Gelbgesicht bezeichnet man jemanden, der auf rassistische Weise asiatische Menschen nachahmt.

Fotos

Netta Barzilai

Netta Barzilai,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Netta Barzilai,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Netta Barzilai,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Netta Barzilai,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Netta Barzilai,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Netta Barzilai,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Netta Barzilai,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Netta Barzilai,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Netta Barzilai,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof)

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8 Kommentare mit 18 Antworten

  • Vor 11 Tagen

    Wenn sich Asiaten (gemeint sind wohl Japaner) darüber beschweren, dass das Träller-Klöpschen einen Kimono anhatte, darf ich mich dann über Asiaten im Anzug bescheren, das ist doch auch kulturelle Aneignung?!

    • Vor 10 Tagen

      @mad dog:
      Sagen wir's mal so: nimm mal nicht den Asiaten im Anzug, sondern den Asiaten in der pinkfarbenen Krachledernen auf dem Oktoberfest.
      Mir ist schon klar, daß den meisten Deutschen mittlerweile Traditionen mittlerweile in etwa so wurscht sind wie Donald Trump die regelmäßigen Schweigegeld-Abbuchungen, aber es soll ja Menschen geben, die da durchaus empfindlich sind, meint: die sich daran stören, wenn ihre Kultur und ihre Traditionen verzerrt wiedergegeben werden.
      Wenn Du wissen willst, was ich meine, dann kauf Dir mal ein hier erhältliches Indianer-Kostüm und begib Dich derart gewandet in ein Reservat. Sag Bescheid, wenn Du überlebt hast.
      Wenn Träller-Klöpschen ja wenigstens in einem ordentlichen Kimono oder einem Gewand mit festlichem Charakter stecken würde, wenn da wenigstens nicht nur irgendein Fetisch erkennbar wäre, sondern Respekt oder wenigstens die Liebe zur japanischen Kultur, ... Aber da ist augenscheinlich ungefähr so wenig Substanz vorhanden wie in ihrem Liedtext. Sie zeigt das, von dem sie glaubt, daß es auf den unbedarften Zuschauer japanisch wirken könnte, dazu eine geballte Ladung Klischee im Hintergrund - kann mir schon denken, daß so ein Botschafter nicht jedem gefällt.
      Gruß
      Skywise

  • Vor 10 Tagen

    Weshalb zitiert man zwei unzurechnungsfähige Idioten, die nichtmal sonderlich bekannt sind, zu einem minderrelevanten Thema und bauscht das zu einem Artikel auf? Substanz des Artikels geht echt gegen Null. :confused: