Die Frauenbeauftragte des Familienministeriums fordert geschlechtsneutrale Umformulierungen im Hymnen-Text.

Berlin (mrk) - Aus "Vaterland" wird "Heimatland" und aus "brüderlich" "couragiert" - zumindest wenn es nach Kristin Rose-Möhring geht, der Frauenbeauftragten des Familienministeriums, die kürzlich geschlechtsneutrale Änderungen im Text der deutschen Nationalhymne anregte.

Die SPD-Politikerin hatte sich mit einem persönlichen Schreiben an die Mitarbeiter des Familienministeriums gewandt. Nachdem der Vorstoß an die Öffentlichkeit gelangte, äußerten sich vor allem Politiker zum Thema.

Österreich und Kanada änderten den Hymnentext

Rose-Möhring führt zur Begründung ihres Briefes die geschlechtsneutralen Umformulierungen in der Hymne Österreichs an. Dort ersetzt seit 2012 "Heimat großer Töchter und Söhne" den früheren Wortlaut "Heimat bist du großer Söhne". Das gefiel damals nicht jedem: Andreas Gabalier trug die Hymne beim Grand Prix in Spielberg 2014 bewusst mit dem ursprünglichen Text vor.

Auch Kanada beschloss Anfang Februar, u.a. auf Drängen Premierministers Justin Trudeaus, in der Nationalhymne "Söhne" durch "wir" zu ersetzen.

Not really amused ...

Zumindest in der etablierten Politik stößt Rose-Möhrings Vorschlag eher auf Ablehnung:

Bundeskanzlerin Angela Merkel "sehe keinen Bedarf einer Änderung", zitiert Regierungssprecher Seibert. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hält ebenfalls wenig von dem Vorschlag.

Großen Widerhall fand der Vorschlag der Frauenbeauftragten auch in den Medien, ganz überwiegend ablehnenden. Die SZ etwa weist in ihrem Beitrag darauf hin, dass der Begriff "Vaterland" sich im Lauf der Zeit von seinem patriarchalischen Ursprung etwas gelöst habe, während "Heimatland" vergleichsweise populistisch wirke und "mehr nach eigener Scholle und ethnischer Abschottung" klinge.

Der Text der deutschen Nationalhymne - 1841 in unserer Muttersprache verfasst - stammt von Hoffmann von Fallersleben. Die Musik komponierte Joseph Haydn.

Weiterlesen

5 Kommentare mit 12 Antworten

  • Vor 3 Monaten

    ... in unserer Muttersprache verfasst - der gefällt mir! :)

  • Vor 3 Monaten

    Solange wir solche Probleme/Diskussionen haben, geht's uns doch anscheinend ziemlich gut :D

    Am besten finde ich ja immer noch "gelitten wie eine Hündin"...dann sag halt gleich Bitch :lol:

  • Vor 3 Monaten

    Ist halt schon ziemlicher Schwachsinn. Bei der österreichischen Nationalhymne ist es ja schon sinnvoll die abzuändern, weil der Text in der alten Fassung ja schon ziemlich stark impliziert, dass nur die männliche Bürger Österreichs irgendwie erwähnenswert seien und das lässt sich auch schwer irgendwie anders lesen. Bei der deutschen Nationalhymne ist das aber ja ganz anders gelagert. Das sind halt etablierte sprachliche Begriffe, die halt auf die eine oder andere Weise gegendert sind, wie "Muttersprache" eben. Das heißt ja nicht einmal zwangsläufig, dass damit irgendein Werturteil getroffen sind. Sowohl Vaterland als auch Muttersprache sind nach meinem Empfinden z.B. überhaupt nicht wertend besetzt.

    Von daher ja, gibt halt tatsächlich Wichtigeres, mit dem man sich beschäftigen kann.

    • Vor 3 Monaten

      Davon mal abgesehen verstehe ich aber sowieso nicht, wie jemand so ein dämliches, fahnenschwingelndes Geplärre wie die deutsche (oder irgendeine) Nationalhymne ernst nehmen kann.

  • Vor 3 Monaten

    Mein Senf@Frauenbeauftragte vs. Nationalhymne

    1. Als jemand, der tagtäglich über Kunst schreibt und dem der Geist des Urhebertums nahe liegt, halte ich insgesamt wenig von der moralpanischen Mode, heutige Sprache in von Autoren im Original getextete Zeilen und längst vollendete Werke eingreifen zu lassen.

    Das ist für mich allerdings keine Genderfrage, sondern eine kulturelle. Mein Credo: "Willste was ändern? Na, super. Dann schreib dein eigenes Piece of Art oder sei der Autor des in Rede stehenden Stücks." Alles andere ist verfälschender Pfusch gerechtfertigt nur durch die breite Brust des jeweiligen Zeitgeistes.

    Im Grunde spricht mithin nichts dafür, historische Dokumente aus ihrer Zeitgeschichte per Vorschlaghammer heraus zu brechen. Denn sie sind Boten einer Vergangenheit, aus der man nur lernen kann, wenn man sie authentisch als Dokument belässt. Warum nicht gleich die Höhlenmalerei umpinseln, weil da ja nur Männer auf der Jagd waren und nur Frauen an der Feuerstelle kochten?

    Nein, jedes Ding atmet den Hauch seiner jeweiligen Ära; auch die unsrigen Bücher, Filme, Lieder etc. Alles baut dialektisch aufeinander auf per These, Antithese und Synthese. Wer diesen dokumentarischen Fluss trocken legt, verhindert Herleitung und Analyse.

    Ein Beispiel: Im quicklebendigen Jazzroman "Young Man With A Horn" etwa wimmelt es (geschrieben 1938) von zeitgenössischer Straßensprache voller "Coons", "Kikes" und "Krauts".

    Bei Bukowski ebenso. Wollen wir die auch allesamt umschreiben, weil das Publikum angeblich unfähig sei, Inhalte im Kontext seiner Zeit wahr zu nehmen?

    Songs – auch die Nationalhymne - samt ihrer Zeilen sind somit immer Ausdruck der jeweiligen Entstehungsepoche - Quasi Museen in Note und Wort.

    Doch hier kommt folgendes hinzu:

    2. Gleichwohl habe ich natürlich großes Verständnis, wenn man als Frau zum obigen Beispiel sagt:

    "Ok, fuck you. Das ist patriarchalischer Schnee von vorgestern. Wir wollen auch dem sich stetig ändernden Fluss der Sprache in diesem Symbol ethisch Rechnung tragen und uns hier endlich repräsentiert und respektiert fühlen."

    Das ist ja legitim. Womöglich sogar überfällig. Keine Frage. Denn unser heutiger Horizont ist weiter als jener vergangener Jahrhunderte.

    Problem des nur ein bisschen schwangeren Vorschlags der Frauenbeauftragten:

    Warum denn überhaupt an Museumsstücken festhalten und herumdoktern, statt einfach eine komplett neue Hymne zu schreiben, oder zu erwählen? Tradition ist doch eh nur die Illusion der Permanenz. Dann sich doch lieber ganz vom in vielerlei Hinsicht überkommenen Lied trennen und das Stück unangetastet ins Museum verfrachten.

    Ist ja vielleicht ohnehin eine gute Idee, einen Track ad acta zu legen, zu dessen Melodie nicht nur die jetzige Fußballmannschaft ins pariser Stadion einmarschiert, sondern bereits deren Großeltern mit Panzer und Knobelbecher. Aber natürlich hat man diese Sensivbilität nur für sich und die eigenen Befindlichkeiten (eigenes Geschlecht hie oder eigenes Nationalgefühl dort) und nicht für andere und diesen dekadenlangen Fauxpas. schon klar. Wohlfeiler geht es doch kaum.

    Dabei gäbe es genug würdige Songs da draußen im Orbit, die das Deutschlandlied ersetzen könnten.
    ...Hauptsache nix von Naidoo.

    Mein persönlicher Liebling - weil ganz ohne von allen Seiten meckernde Menschen und sehr nordisch ist Brels „Mijn Vlakke Land“. Dazu existiert sogar eine deutsche Textfassung, übersetzt von Hildegard Knef.

    https://www.youtube.com/watch?v=Bu_XS6T2TMM

    • Vor 3 Monaten

      Naja, ein Gedicht, Theaterstück, Song wasauchimmer umzuschreiben kann ja auch eine eigene, wertvolle künstlerische Leistung sein. Klassische Theaterstücke werden ständig umgeschrieben oder in moderne Settings transponiert und ich gehe mal davon aus, dass du dir auch nicht beim Hören jeder Coverversion die Ohren zuhälst oder das automatisch alles scheiße findest.

      Deiner Argumentation stimme ich aber insofern zu, dass es oft für'n Arsch ist wenn etwas aus nicht-künstlerischen Gesichtspunkten umgeschrieben wird, wenn etwas nur der politischen Korrektheit oder des Zeitgeistes wegen umgeschrieben wird ohne große Rücksicht auf die eigene Ästhetik des Werkes. Aber selbst hier sollte man mMn differenzieren. Nicht für jedes künstlerische Werk ist die genaue Sprache, in der es geschrieben wurde wichtig. Oft geht es ja zum Beispiel genauso sehr um die Handlung oder die Charaktere. Und wenn man solche Werke modernisiert und einer größeren Masse zugänglich macht, die sonst nur die Nase rümpfen würde, ist das ja vollkommen legitim. Es muss ja nicht jeder, den anwalt-snobbschen Anspruch haben, etwas in seiner "Zeitigkeit" wahrzunehmen oder in einem historischen Kontext zu sehen. Viele Werke und Geschichten sind ja viel universalerer Natur als das und brauchen in ihrem Kern diesen zeitlichen Kontext vielleicht gar nicht oder sind in einer anderen Sprachästhetik genauso wirkungsvoll oder zumindest immernoch interessant. Wenn man dein Argument auf die Spitze treiben würde, könnte man ja auch dafür argumentieren, dass künstlerische Werke auch gar nicht in eine andere Fremdsprache übersetzt werden sollten, weil dadurch auch vieles an Kontext und Ästhetik verloren geht. Letztendlich ist das ja beides irgendwo das Gleiche. Ob du nun etwas vom Französischen ins Deutsche oder vom altdeutschen ins neudeutsche transponierst, in beiden Fällen übersetzt du es ja letztlich von einer Sprache in eine andere.

    • Vor 3 Monaten

      Davon einmal abgesehen ist dein eigener Anspruch, Werke im Kontext ihrer Zeit wahrzunehmen ja letzten Endes auch eine intellektuelle Illusion. Einem zeitlichen Kontext wirst du dich selbst als Historiker und Sprachforscher nur annähern kônnen. Und das du den tatsächlichen geschichtlichen Verkauf als Prozess von These, Antithese, Synthese herleiten und verstehen kannst, ist letztendlich intelektuell auch Schwachsinn. Alle Information, die du von der Verhangenheit hast, ist ja nur ein Bruchstück dieser Vergangenheit. Und ob diese Bruchstücke tatsächlich genau diese sind, aus der sich eine geschichtliche Entwicklung herleiten lässt oder ob das nur ein komplett an den tatsächlichen Geschehnissen vorbeigehender Scheinzusammenhang ist, kannst du oder ich oder irgendwer ja oft überhaupt nicht beurteilen.

    • Vor 3 Monaten

      " für'n Arsch ist wenn etwas aus nicht-künstlerischen Gesichtspunkten umgeschrieben wird" - das ist der punkt im engeren sinne!

    • Vor 3 Monaten

      "Es muss ja nicht jeder, den anwalt-snobbschen Anspruch haben, etwas in seiner "Zeitigkeit" wahrzunehmen oder in einem historischen Kontext zu sehen."

      in der tat ausnahmsweise kein snobismus, sondern der tiefe respekt vor vollendeten werken und deren autoren.

      und das hat nichts damit zu tun, dass man ein werk nicht modern interpretieren dürfe per setting etc. doch solche projekte kommen ja meist aus fähigen händen und sind dann auch bewusst als experimenteller ansatz gekennzeichnet.

      es geht mir einfach um die von politischer und sozialer seite oft fehlende hemmschwelle; eine grundhaltung, die durch pseudo-ethische gesichtspunkte verklärt wird. denn die von dir erwähnte "modernisierung" ist ja oft bzw meist eher eine form der moralisch hochrossigen bereinigung. furchtbar!

      wäre es anders, hätte die frau beauftragte eben nicht nur den blick aufs genderpflaster gerichtet, sondern hätte sich gedaken gemacht, wie unzumutbar allein schon die melodie seit 70 für jene - und das ist ja locker die halbe welt - ist, die unter dem song als nazihymne und soundtrack zu mord und unterjochung litten.

      aber dieser tunnelblick der amtsträgerin ist doch ne kaum topbare farce. polt galore! das siehst du doch auch oder?

    • Vor 3 Monaten

      "Und das du den tatsächlichen geschichtlichen Verkauf als Prozess von These, Antithese, Synthese herleiten und verstehen kannst, ist letztendlich intelektuell auch Schwachsinn. Alle Information, die du von der Verhangenheit hast, ist ja nur ein Bruchstück dieser Vergangenheit. Und ob diese Bruchstücke tatsächlich genau diese sind, aus der sich eine geschichtliche Entwicklung herleiten lässt oder ob das nur ein komplett an den tatsächlichen Geschehnissen vorbeigehender Scheinzusammenhang ist, kannst du oder ich oder irgendwer ja oft überhaupt nicht beurteilen."

      das ist doch gar nicht der punkt. der punkt ist: es ist a) strukturell möglich aber b) eben nicht mehr möglich, wenn man historische dokumente mutwillig aus ihrem kontext herausbricht, statt dann einfach was neues zu machen. alles andere ist doch ein tritt in die fresse jeglicher dialektik. es ist die eingriffsgeilheit, die mich stört. statt etwas neues, eigenes zu machen.

    • Vor 3 Monaten

      "Wenn man dein Argument auf die Spitze treiben würde, könnte man ja auch dafür argumentieren, dass künstlerische Werke auch gar nicht in eine andere Fremdsprache übersetzt werden sollten, weil dadurch auch vieles an Kontext und Ästhetik verloren geht. Letztendlich ist das ja beides irgendwo das Gleiche."

      oh nein, das ist doch ein hanebüchener scheinzusammenhang.

      übersetzung dient der vermittlung des inhalts, seiner weitergabe & steht und fällt mit der qualität der übersetzer.

      obiges dient der änderung des inhalts und will etwas drittes, nicht werkkonformes vermitteln.

      viel verschiedener können zwei ansätze kaum sein. ich bitte dich.

    • Vor 3 Monaten

      @im engeren Sinne:
      Okay gut, habe dein Argument etwas allgemeiner gelesen. Gegen Kommentar 1 und 2 habe ich größtenteils nichts einzuwenden. Mit Kommentar 4 stimme ich auch überein, insofern sich dein "obiges" auf den konkreten von dir geschilderten engeren Fall bezieht und nicht auf alle Versuche etwas in neuerer oder modernerer Sprache widerzugeben im Allgemeinen.

    • Vor 3 Monaten

      Und zu dieser ganzen Hegel-Geschichte habe ich eine Menge Einwände, glaube auch nicht, dass du meinen Punkt vollends richtig interpretiert hast, das geht mir aber hier und jetzt zu weit. Von daher dazu nur soviel:

      "b) eben nicht mehr möglich, wenn man historische dokumente mutwillig aus ihrem kontext herausbricht"

      Wieso nicht? Das Originalwerk existiert ja weiterhin und ich gehe mal davon aus das etwaige Modernisierer in den meisten Fällen kenntlich machen, dass es sich bei ihrem Werk um eine umgeschriebene Fassung handelt.

    • Vor 3 Monaten

      "Wieso nicht? Das Originalwerk existiert ja weiterhin und ich gehe mal davon aus das etwaige Modernisierer in den meisten Fällen kenntlich machen, dass es sich bei ihrem Werk um eine umgeschriebene Fassung handelt."

      dein wort in goths ohr. aber eben, wenn es darum geht, aus politischen und ideologischen gründen zu handeln, ist doch der dammbruch zum echnatonisieren des grundwerks gelegt.

      der teil wird zugegeben deutlicher bei den anderen beispielen wie bukoswski oder "young man with a horn" oder nehmen wir mark twain: überall schießen pc-geglättete fassungen aus dem boden, die sich auch bald an den genannten und anderen vergreifen können, weil sie das publikum für so unterbelichtet halten, sprache nicht aus jener epoche zu begreifen, in der sie entstand. den obigen gedanen zuende gedacht, spricht huck finn bald von "afroamerikanern".

      dabei wäre die lösung so einfach: kommentierte fassungen der werke!

    • Vor 3 Monaten

      Schöner Text.

      Aber besser wäre, einfach den Text weglassen. Kennt doch eh keiner.

      War das jetzt Blüh oder brüh.....

  • Vor 3 Monaten

    mei, sollen sie die hymne doch gendern. oder gar nicht mehr singen. es ist absehbar, dass auf kurz oder lang hier dann eh gesungen wird, was der ajatollah gutheißt. naja, und da die meisten Politikerinnen respektive weibliche Intelektuelle*Innen nicht fickba... äh ich meine zur zweitfrau taugen und mutmaßlich mehr Energie in Karriere als Haushalt gesteckt haben... ich sehe da finstere Zeiten am Horizont für nahezu alle Rose-Möhrings/Stokowskis/Wizoreks etc. Sollen sie sich kurz über eine gegenderte Hymne freuen dürfen