Hits entstehen nicht nur durch die Künstler, die auf der Bühne stehen oder in Musikvideos zu sehen sind. Die musikalische Grundlage liefern häufig Komponisten und Producer. Gerade in Genres wie Pop, Hip-Hop oder R'n'B ist diese Arbeitsweise weit verbreitet. Trotz ihrer unverzichtbaren Rolle bekommen die Produzenten und Komponisten von wenigen Ausnahmen abgesehen verhältnismäßig wenig vom Glanz des Erfolges ab.

Berlin (gb) - Die meisten von euch kennen sie bestimmt: Die Bilder aus großen Tonstudios mit einem riesigen Mischpult und vielen Geräten, die so kompliziert aussehen, dass ihr alleine vom bloßen Anblick schon erblasst. Vor allem in den 70er bis 90er Jahren und teilweise bis in die 2000er Jahre zeigten diese Fotos den typischen Arbeitsort von Musikproduzenten.

Analoge Produktionen

Damals wurde Musik fast ausschließlich analog produziert. Die einzelnen Spuren liefen auf einem großen, physikalischen Rack zusammen. Verwendet wurden vor allem echte Instrumente, aber auch damals schon Synthesizer, die allerdings nicht digital, sondern in Form eines echten, greifbaren Gerätes ihren Weg ins Studio fanden. Über den Mixer konnten verschiedene weitere Effektgeräte wie Kompressoren, Reverb oder Equalizer eingesetzt und für die Post-Produktion verwendet werden.

Das Ganze wurde schließlich auf ein Band gebracht und konnte dort noch weiter verändert werden. Das Ergebnis: Der charakteristische Oldschool-Sound, der viele Aufnahmen aus dieser Zeit geprägt hat. Eindrucksvoll zu sehen ist diese Art der Musikproduktion zum Beispiel im Musikvideo zu "Nothing Else Matters" der Metalband Metallica.

Zunehmende Digitalisierung

Schon in den 90ern, vorwiegend aber in den 2000er Jahren wandelten sich die Methoden weg von analogen, hin zu digitalen Produktionensweisen. So bekamen die Produktionen zunehmend einen digitalen Sound, von dem viele Liebhaber älterer Songs behaupten, dass er eine gewisse Wärme vermissen lässt. Außerdem spielen seit dieser Zeit verschiedene digitale Tools eine tragende Rolle, die die Qualität der Songs deutlich verbessern. Eines davon ist die Tonhöhenkorrektur, die heute vor allem unter dem Namen Auto-Tune bekannt ist. Das Ergebnis: Das Ausnahmetalent eines Künstlers wird weniger wichtig, es kommt für das perfekte Ergebnis eher darauf an, wie gut und präzise die Produzenten in der Postproduktion arbeiten.

Wie funktioniert Musikproduktion heute?

Heutzutage wird Musik nahezu ausschließlich digital produziert. Durch die komprimierte Technik ergeben sich zudem Produktionsmöglichkeiten in kleineren Homestudios. Nur Liebhaber des älteren Sounds greifen noch auf die analoge Technik zurück. In den allermeisten Fällen laufen die Spuren des Tracks aber dennoch zumindest in einem digitalen Programm zusammen.

Produktionsmöglichkeiten am eigenen Computer

Gerade für Fachfremde und Einsteiger birgt dieser Weg der Produktion viele tolle Möglichkeiten. So bietet der Markt eine Reihe von Musikprogrammen wie beispielsweise den Magix Music Maker, die ideal für Autodidakten geeignet sind. Der angehende Producer hat hierbei übersichtlich das ganze virtuelle Studio vor sich und kann mit wenigen Mausklicks loslegen.

Auch die entsprechenden Sounds sind in vielen Programmen bereits integriert. Zudem gibt es eine Reihe digitaler Erweiterungen, so genannte (Vst) Plug-ins. Mit etwas Recherche können dadurch selbst Einsteiger einen amtlichen und zeitgemäßen Sound produzieren.

Ebenfalls eine Folge der leichten Zugänglichkeit über zudem erschwingliche Profisoftware: Der Markt ist überflutet von Musikproduzenten. Einerseits mindert das an einigen Stellen die Qualität der entstandenen Tracks. Auf der anderen Seite haben junge (Ausnahme-) Talente ideale Bedingungen, auch mit geringen finanziellen Mitteln und rudimentärem musikalischem Wissen eine Karriere zu starten.

Produktionen aus dem Kinderzimmer

Auch die Locations haben sich grundlegend gewandelt: Wo früher ein großes Tonstudio nötig war, kann die Produktion heute in vielen Fällen in den eigenen vier Wänden stattfinden. Das spart gerade jungen Künstlern und Produzenten die für Einsteiger oft unbezahlbaren Studiomieten.

(Bild: Adobe Stock, © satura)

Zwar werden wirklich große Produktionen verschiedener Genres nach wie vor in großen Studios aufgenommen. Dennoch sind die Möglichkeiten zum Homerecording für Nachwuchstalente ein echter Segen, um erste Aufnahmen kostengünstig zu realisieren. Auch Studio-Produktionen werden heute nicht selten zuhause vorproduziert. Schillerndes Beispiel dafür ist der Rapper Shindy, der sogar noch zu Zeiten seines Deals bei Bushidos Label ersguterjunge jeden seiner Beats zuhause in Baden-Württemberg entwarf.

Exkurs – Was macht einen Hit aus?

Gibt es eine Formel für einen Hit? Diese Frage stellen sich wohl alle Musikproduzenten irgendwann im Laufe ihrer Karriere. Vor allem, um den grade gewonnen Erfolg fortzusetzen, wären gesicherte Kenntnisse darüber eine ideale Basis.

Akkorde und Melodien für einen Hit

Die Antwort lautet: jaein. Ein Hit ist zumindest nicht ohne Einschränkungen planbar. Jedoch können Produzenten und Komponisten die Erfolgschancen in einem gewissen Rahmen beeinflussen. Dabei spielen unter anderem die Harmonien eine Rolle. So gibt es beispielsweise eine Kombination von vier Akkorden, auf der eine ganze Reihe internationaler Hits basiert. Die Refrains dieser Songs lassen sich sogar auf dem gleichen Riff problemlos aneinanderreihen, wie unter anderem Klaas Heufer-Umlauf gemeinsam mit James Blunt in seiner Show Late Night Berlin eindrucksvoll demonstrierte. Zu den mit dieser Akkordprogression bekannt gewordenen Songs gehören unter anderem "Torn" von Natalie Imbruglia und "Forever Young" von Alphaville.

(Bild: Adobe Stock, © montree104)

Viele Komponisten und Producer setzen zudem darauf, dass ihre Melodien eingängig sind und Ohrwurmcharakter haben. Dafür gibt es zwar keine Formel, erfahrene Produzenten entwickeln über die Jahre aber ein immer treffsichereres Gespür für die passenden Tonfolgen.

Unverwechselbarer Sound – Kern des Erfolgs?

Die vergleichsweise geringe Anzahl erfolgreicher Produzenten zeigt, dass es aber wohl doch deutlich mehr braucht, als eine bestimmte Tonabfolge. Hier ist insbesondere ein eigener, unverwechselbarer Sound zu nennen. Viele Producer arbeiten mehrere Jahre daran, ihren Sound einzigartig und dennoch massenkompatibel zu gestalten.

Eigener Sound

Nicht nur stumpf Trends aufzugreifen, sondern sie selbst zu setzen und dabei ein unverwechselbares Klangbild zu kreieren, trennt in der Producerszene die Spreu vom Weizen. Zum eigenen Sound können gehören:

  • Klangauswahl
  • Melodieführung
  • Mix und Master

Dabei kommt es unter anderem auf die Instrumentierung an. Gute Producer arbeiten beispielsweise in Synthesizern nicht mit vorgefertigten Presets, sondern kreieren eigene Klänge oder modifizieren Drumsounds auf eine unverwechselbare Art und Weise. Hierbei entsteht ein Soundkosmos, der sich durch die gesamte Produktion zieht und für die Hörer wie eine Trademark wirkt.

Für den Sound kann auch die Auswahl der Melodieführungen und Riffs eine Rolle spielen. Diese geben den Produktionen ebenfalls einen eigenen Stil. Viele Producer setzen daher langfristig auf ein festgelegtes Raster an gleichen Studiomusikern.

Der eigene Sound kann beim Mixing und Mastering weiter individualisiert werden, da es hier eine lange Liste an Parametern gibt, die zur Veränderung des Klangbildes beitragen können. Schon der Faktor, ob ein Song basslastig oder mit ausgeprägten Mitten gemixt ist, hat einen großen Einfluss auf das Endprodukt und Hörerlebnis. Viele Producer haben eine ganz individuelle Art des Abmischens entwickelt, das zu einem großen Teil für das jeweilige Soundbild verantwortlich ist.

(Bild: Adobe Stock, © Jacob Lund)

Wenn die individuelle Soundkombination erst einmal zieht und Hits hervorbringt, nutzen viele Produzenten sie über Monate, wenn nicht sogar über Jahre. Auch Nachwuchsproduzenten orientieren sich mitunter an diesem Klangbild, schwimmen also mit dem Trend. Insoweit kann der individuelle Sound eines einzelnen Produzenten ein ganzes Genre prägen und weiterentwickeln.

Prägende Beispiele

Es gibt viele Beispiele für einen eigenen Sound, der über Jahre für den jeweiligen Produzenten als Erfolgsgarant diente. Dazu gehört unter anderem das Klangbild von Modern Talking aus den 80er Jahren. Dieter Bohlens Idee, Schlageransätze reif für die Disco zu machen und in nahezu jedem Song durch Falsettstimmen im Refrain zu ergänzen, wurde von ihm über mehrere Jahre hinweg bei unterschiedlichen Künstlern verwendet. Die Kombination garantierte bis zu ihrer 'Abnutzung' in den Ohren der Hörer regelmäßig hohe Charteinstiege.

Das Rap-Genre bietet ähnliche Beispiele. Dr. Dre fand seinen eigenen Sound gleich zweimal. Zum einen Anfang der 90er Jahre, als er Hiphop durch diverse Soul-Samples und selbst komponierte Tonfolgen erstmals wirklich melodische Ansätze verlieh und den G-Funk erschuf. Und zum zweiten Ende der 90er bzw. Anfang der 2000er Jahre, als er einen basslastigen Sound aus Pianos, Streichern, Gitarren und harten Drums entwarf, der über mehrere Jahre für Künstler wie Mary J. Blige, Eminem, Eve, und später auch 50 Cent und der G-Unit zum Hitgarant wurde.

Dres Sound liefert außerdem das perfekt gelungene Beispiel für die Faktoren Studiomusiker und Mix. So waren unter anderem Scott Storch (der später selbst zum Megaproducer wurde) und Mike Elizondo für die einprägsamen Melodieführungen der meisten seiner Hits aus dieser Zeit verantwortlich. Durch einen klaren und knalligen Mix bekam jeder Song zudem eine Trademark verpasst, das ihn von anderen Produktionen auch für ungeübte Hörer absetzte.

Weitere Beispiele für erfolgreiche Superproducer
Zwar stehen Musikproduzenten meistens im Hintergrund – einige von ihnen sind jedoch Promis und genießen große Anerkennung der breiten Masse. Wir haben ein paar Beispiele zusammengetragen.

Calvin Harris

Calvin Harris ist das Paradebeispiel des Musik-Allrounders. Die Alben, die er unter seinem Namen veröffentlicht, können aufgrund der Anzahl der Features zumindest teilweise als Produceralben durchgehen. Auf vielen der großen Hits, beispielsweise "Outside" mit Ellie Goulding oder "Blame" mit John Newman tritt Harris stimme überhaupt nicht in Erscheinung, obwohl beide Tracks im Jahr 2014 auf seinem Album "Motion" erschienen.

Harris Klangbild ist besonders synthielastig und durchgängig discotauglich. Obwohl er seinen Sound stetig entwickelt und immer am Zahn der Zeit liegt, heben sich seine Produktionen von der Konkurrenz ab. Der Grund dafür sind vor allem kompositorische Faktoren. Harris Singles des Albums Motion beispielsweise hatten alle einen besonderen Hymnencharakter.

Der schottische DJ und Producer ist ein Idealbeispiel dafür, wie Musikproduzenten als Djs in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer mehr in den Vordergrund rücken. Kein Wunder also, dass er auch im Jahr 2019 laut dem Forbes Magazin den dritten Platz der am besten bezahlten Djs der Welt belegte.

Dieter Bohlen

Dieter Bohlen mischte in den 80er Jahren mit seiner Gruppe Modern Talking weltweit den Musikmarkt auf. Na ja, fast weltweit, denn in den USA wurde er mit seinen Produktionen nie wirklich erfolgreich. In den darauffolgenden zwei Jahrzehnten schuf er eine fast unendlich scheinende Liste von Hits für nationale und internationale Künstler wie Bonnie Tyler, Andrea Berg oder Chris Norman.

Bohlen arbeitet bei all seinen Produktionen mit einem Team aus erfahrenen Studiomusikern und Toningenieuren. Die vorproduzierten Demos seiner Kompositionen setzt er im Studio gemeinsam mit dieser Truppe um. Bohlen werden trotz seinem großen Fleiß, der häufig gelobt wird, immer wieder Plagiate vorgeworfen.

Der norddeutsche Producer ist aufgrund seiner ständigen medialen Präsenz nach wie vor einer breiten Masse bekannt. Die Presse gab ihm den Spitznamen "Pop-Titan". Er wird vor allem als guter Geschäftsmann angesehen, der ein gutes Gespür dafür hat, welche Tracks am Markt Chancen auf Erfolg haben und welche eher nicht.

Timbaland

Timbaland hat sich in den 90er Jahren in der Hip-Hop-Welt mit einem ganz eigenen Klangkosmos einen Namen gemacht. Später produzierte er Hits für Pop-Künstler wie Justin Timberlake, Nelly Furtado und Madonna.

Der breiten Öffentlichkeit wurde er allem durch seine Feature-Beiträge für diese Pop-Künstler und die damit verbundene mediale Präsenz bekannt. Timbaland hat es geschafft, seinen eigenen Stil auf verschiedene Genres zu übertragen und dennoch seinen Markenkern zu behalten, der grade in seinen Produktionen für die Popwelt durch wiederkehrende Drum- und Percussionpatterns geprägt ist.

Frank Farian

Frank Farian hat vor allem in den 70er, 80er und 90er Jahren den internationalen Musikmarkt aufgemischt. Er produzierte unter anderem die Erfolgsgruppen Boney M, Milli Vanilli und La Bouche. Dabei gelangen ihm mit Boney M. sogar Charteinstiege in den USA.

Durch die Gruppe Milli Vanilli geriet der Produzent allerdings in einen großen Skandal. Die Künstler sangen ihre Songs nicht selbst, sondern waren nur ein gut aussehendes Aushängeschild, da die eigentlichen Sänger nicht ausreichend kommerziell vermarktbar waren.

Eher im Hintergrund – aber ihre Songs kennt jeder
Neben den bekannten Producern, die in den Medien eine gewaltige Präsenz haben, gibt es eine ganze Reihe von Produzenten, deren Namen nicht so geläufig, die dafür aber nicht weniger erfolgreich sind. Zwei Beispiele sind besonders prägnant.

Max Martin

Max Martin ist ein schwedischer Pop-Produzent und Songwriter, der vor allem mit US-amerikanischen Künstlern und Gruppen erfolgreich wurde. Er schrieb und produzierte unter anderem für Britney Spears ("... Baby One more Time"), NSYNC ("It's Gonna Be Me") und Katy Perry ("I Kissed a Girl"). Auch für Bon Jovi, Rednex, Pink, Celine Dion und die Backstreet Boys kreierte der Martin Hits. In den letzten Jahren ist er vor allem mit Taylor Swift erfolgreich.

RedOne

Der Name RedOne ist wohl noch weniger geläufig als der Name Max Martin. Vor allem mit einer Künstlerin war er unglaublich erfolgreich: Lady Gaga. Für sie produzierte er Hits wie "Poker Face" oder "Just Dance". Aber auch mit anderen Artists wie Jennifer Lopez, Nicole Scherzinger oder Justin Bieber war RedOne im Studio. Außergewöhnlich an der Karriere des schwedisch-marrokanischen Produzenten ist vor allem, dass er den wirklich großen Durchbruch mit Lady Gaga erst mit Ende 30 schaffte, während die meisten anderen Producer bereits in ihren 20ern große Aufmerksamkeit erlangen.

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