Der Musikmarkt sendet deutliche Zeichen der Erholung: Mehr Downloads verkauft, CD-Absatzschwund gestoppt. Doch die Musikindustrie sieht keinen Grund, ihr Bad-Guy-Image abzulegen.

Berlin (rai) - Auf dem deutschen Musikmarkt mehren sich die Signale für eine Wende zum Besseren, das ließ der Bundesverband Musikindustrie am Donnerstag verlauten. Der Download-Markt legte 2007 um fast 40 Prozent zu, der Absatz von CD-Alben stagniert - was angesichts der Absatzrückgänge der vergangenen Jahre als Erfolg zu werten ist.

Die Zahl der Musikkäufer habe mit 41,4 Prozent den höchsten Stand der letzten fünf Jahre erreicht. Vor allem gebe es wieder mehr junge Musikkonsumenten.

Die Zahl der illegalen Downloads sei weiter zurückgegangen, freute sich Verbandsvorstand Dieter Gorny auf einer Pressekonferenz in Berlin. Ob das nun, wie Gorny meint, an der hartnäckigen juristischen Verfolgung der Filesharer liegt, an der dank DRM-Aufgabe endlich steigenden Attraktivität legaler Services oder schlicht daran, dass nach zehn Jahren Filesharing so langsam alle Musik geteilt ist und sowieso jeder alles hat, muss mangels empirischer Belege offen bleiben.

Doch statt den Schwung der positiven Absatzmeldungen zu nutzen und das Image der Musikindustrie - deren Sympathiewerte derzeit jenen eines Pickels am Arsch entsprechen - ein wenig aufzupolieren, intoniert Gorny lieber das altbekannte Klagelied: Noch immer kämen auf jeden legalen Download zehn illegale, auf jede gekaufte CD drei gebrannte, so Gorny.

Mit welchen Methoden auch immer sie erhoben sein mögen, die Zahlen überraschen - bewegen sie sich doch erstaunlich nah an jenem Wert, den der Bundesgerichtshof 1978 in einem noch heute wegweisenden Urteil für Privatkopien als angemessen betrachtete. Der BGH hatte seinerzeit sieben Vervielfältigungen pro Original als rechtmäßig angesehen.

Gorny lobte Großbritannien und Frankreich als Vorbilder im Kampf gegen Internetpiraterie. Und in der Tat kommen speziell aus Frankreich zuweilen vorbildhafte Ideen. So empfahl das französische Parlament bereits 2005, Filesharing zu legalisieren, die Einführung einer Kultur-Flatrate scheiterte ein Jahr später nur knapp.

Auch innovative Geschäftsideen stammen aus dem Nachbarland. Der kostenlose Music-On-Demand-Dienst deezer.com etwa setzt dem Jammern und Kundenkriminalisieren lieber nützliche Services entgegen.

Doch ach, all das meint Gorny gar nicht. Der vor zwei Jahren vom MTV-Konzern zur Musikindustrielobby weggelobte Ex-Viva-Macher begeistert sich viel mehr für Nutzerüberwachung und Internetsperren. Das leuchtendste Vorbild in diesen Dingen ist allerdings weder Frankreich noch das Vereinigte Königreich sondern viel mehr: China.

Weiterlesen

Netlabels SWR2 blamiert sich mit "Open Content"

Mit großem Trara angekündigt, wollte der öffentlich-rechtliche Rundfunksender SWR2 heute Morgen zum ersten Mal eine Sendung als "Open Content" publizieren. Nun steht das ernüchternde Ergebnis im Internet: Ein halbstündiger Beitrag über Netlabels. 64 kbit/s MP3 oder Realaudio. Bearbeitung verboten. Kommerzielle Nutzung verboten. Offen ist anders.

Filesharing EU-Grüne kämpfen für die User

Die Grünen im Europäischen Parlament nehmen sich der Entkriminalisierung von Filesharing an. Mit einem Videospot wollen sie deutlich machen, dass das Kopieren urheberrechtlich geschützter Filme und Musik keinem Verbrechen gleich kommt.

Filesharing Frankreich droht mit Internet-Entzug

Französische Internetprovider sollen Spähprotokolle über Copyright-Verletzungen an eine neue Behörde liefern, die dann den Kopiersündern den Netzstecker zieht. Auch der Deutsche Bundesrat will Konzernen Daten aus der Vorratsspeicherung anbieten.

Musikpiraterie Hohe Strafe für Filesharing

In den USA wurde eine Kazaa-Nutzerin zu einer saftigen Geldstrafe verurteilt, weil sie illegale Downloads verbreitet haben soll. Ob sich die Urheberrechtsklagen der Plattenfirmen gegen Filesharing wirklich lohnen, bleibt umstritten.

41 Kommentare

  • Vor 13 Jahren

    Meint er das ernst?

    :D

    Schön, wenn der Kapitalismus endlich die guten Seiten des Sozialismus erkennt. Überwachung, Zensur, Autorität, Abschaffung der individuellen Freiheit. Nur den Scheiß mit den Produktionsmitteln in der Hand des Volkes lassen wir weg, das verträgt sich nicht mit unserem Freiheitsbegriff.

  • Vor 13 Jahren

    @Subversive1 (« Gorny?

    Allerdings. »):

    word

    auch hier wieder nur dieser jammerlappige schmollwinkel.

    die eigenen fehler in der vermarktung, förderung und künstlichen überteuerung plus verschlafen des downloadzuges wird nicht mal als fußnote bei gorny erwähnt.

    ....und wer seinerzeit maßgebend dazu beigetragen hat, daß das musikfernsehen seinen teenierealityshowsuperficiality-harakiri begeht ist selbst eher ein musikkultureller totengräber denn ein geschädigtes opfer.

    lg dba

  • Vor 13 Jahren

    @Anonymous (« yeah, "the clash of the superschlauen superklugscheißers"!
    ich glaube, um den gewinner zu ermitteln müssen wir das "wir-wissen-was-tribunal" auf krypton anrufen. nur die können helfen!
    solange das nicht geklärt ist, sollte man sich überlegen, ob man die überwachung des internet nicht auf eierköppe wie euch ausweitet.

    immer auf der seite des besserwissers

    euer legasto-man! »):

    dafür

  • Vor 13 Jahren

    @Anonymous (« yeah, "the clash of the superschlauen superklugscheißers"!
    ich glaube, um den gewinner zu ermitteln müssen wir das "wir-wissen-was-tribunal" auf krypton anrufen. nur die können helfen!
    solange das nicht geklärt ist, sollte man sich überlegen, ob man die überwachung des internet nicht auf eierköppe wie euch ausweitet.

    immer auf der seite des besserwissers

    euer legasto-man! »):

    joa. war jetzt auch nich soo lustig.

  • Vor 13 Jahren

    Typischer Lobbyistenkommentar. Ich kann's nicht mehr hören.