Die GEMA will ihre Konzert-Tarife bis 2014 drastisch erhöhen. Die Gilde der Veranstalter protestiert entschieden.

Berlin (tol) - Die goldenen Zeiten der Musikindustrie sind längst vorbei. Wer heute mit Musik noch ordentliche Gewinne erzielen möchte, verlagert die Konzentration von den Verkäufen eigener Tonträger hin zum Konzert-Geschäft. Deutlichstes Indiz für diese Entwicklung war 2007 Madonnas Entscheidung, sich fortan komplett vom Konzert-Veranstalter Live Nation managen zu lassen.

Diesen Trend scheint nun auch die GEMA erkannt zu haben. Wie die Verwertungsgesellschaft in einer Pressemeldung bekannt gab, sollen die Tarife für Konzerte im Bereich der U-Musik künftig erheblich ansteigen. Die Konzertveranstalter müssen in Zukunft zehn Prozent ihrer Einnahmen an die Gema abführen.

Gestaffelte Abgabenerhöhung

Bislang tätigte man die Abgaben in gestaffelten Sätzen, die sich nach der Besucherzahl der jeweiligen Veranstaltungen richteten. So kostete ein Konzert mit 3.000 Zuschauern 1,9 Prozent des Erlöses, bei mehr als 15.000 Besuchern 3,6 Prozent. Diese Höhe empfindet die GEMA jedoch als "unangemessen niedrig", wie es in der Stellungnahme heißt.

Um die Tariferhöhung für die Ausrichter der Konzerte moderat zu gestalten, sollen die Abgaben schrittweise steigen. Das Maximum will man dann 2014 erreichen.

"Das grenzt an Wucher!"

Das Vorgehen der GEMA stößt auf massiven Protest des Bundesverbands der Veranstaltungswirtschaft (IDKV) und des Verbands der Deutschen Konzertdirektionen (VDKD). "Das grenzt an Wucher!", zitiert pop100.com IDKV-Präsident Jens Michow. "Bei dieser maßlosen Politik der GEMA drängt sich der Eindruck auf, dass die Veranstaltungsbranche für die weg gebrochenen Einnahmen aus dem Tonträgerverkauf herhalten soll."

"Aggressives GEMA-Verhalten"

Auch der VDKD-Präsident Michael Russ äußert sich verärgert: "Das geradezu aggressive Verhalten der GEMA führt zu einer massiven Gefährdung der Kalkulationsgrundlagen für Konzerte und gefährdet zahlreiche Arbeitsplätze in einer mittelständisch geprägten Branche. Die meisten Veranstalter kalkulieren
schon jetzt mit knappsten Margen.
", erklärt er.

Nach Angaben der Verbände liegt die Autorenvergütung bei einem Rockkonzert mit 1.200 Besuchern und einem Eintrittspreis von 23 Euro bei 600 Euro. 2014 betrage die Vergütung hingegen 2580 Euro. Um diese Entwicklung zu stoppen, leitete die VDKD nun ein Schiedsgerichtsverfahren gegen die GEMA ein.

Ergebnis: Höhere Ticketpreise?

VDKD-Justitiar Johannes Kreile schätzt auf Anfrage der Agentur ddp, dass die Tariferhöhung vermutlich eine Steigerung der Ticketpreise bedeute. Theoretisch wäre es auch möglich, den Künstlern geringere Gagen zu bezahlen, dies sei aber unüblich. "Es wird schwer, Robbie Williams zu erklären, dass er weniger Geld bekommt, weil die GEMA mehr möchte", so Kreile.

Die GEMA vertritt in Deutschland die Urheberrechte von mehr als 60.000 Textautoren, Komponisten und Musikverlegern sowie von mehr als einer Million Rechteinhabern weltweit.

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88 Kommentare

  • Vor 10 Jahren

    scheiß verdammter Drecksverein!!

    Womit halten sich denn kleine Bands über Wasser? Das sind doch die Gagen bei Konzerten und dort der CD - und T-Shirtverkauf. Die haben doch sowieso nix von der Gema.

    Es ist jetzt schon schwer als Veranstalter kleinerer Konzerte nicht ständig in den Miesen zu landen. Die Gema macht bei den Kosten jetzt schon einen ordentlichen Teil aus. Wenn sie das noch erhöhen, überlegen wir uns das in Zukunft genauer mit Konzerten.

    Davon haben die Bands sicher was!!

  • Vor 10 Jahren

    Ich hab da ja nicht wirklich nen Plan von, aber allein durch solche und ähnliche Meldungen immer mehr den Eindruck, die GEMA wär ein absolut sinnloser Haufen, der immer und ausschließlich geldgierig und zum Wohl von niemand außer sich selbst, Mist baut. Oder täusch ich mich da?

  • Vor 10 Jahren

    ....womit das geklärt wäre und der Einwand, es wäre eine scheiß Idee, sein Zeug bei der Gema anzumelden, wenn man in solchen Preisklassen spielt,auch verworfen.

  • Vor 10 Jahren

    hmm, was heißt "Öffentlicher Vertrieb"??
    Wird von manchen Vertrieben GEMA-Mitgliedschaft gefordert?

    Denn das Presswerk fordert die eigentlich nicht. Die machen das zwar gerne, aber nicht alternativlos.

  • Vor 10 Jahren

    Presswerken ist das natürlich egal, solange du das Geld für Druck- und Presskosten hinlegst. Der Vertrieb, der den Shit in die Läden stellt und in Umlauf bringt, will da schon auf der sicheren Seite sein, wenn ich das richtig verstanden hab.

    Man will seinen Kram ja auch gesichert haben, für die Band an sich bedeutet das ja erstmal garkeine Nachteile. Dass die GEMA als Apparat an sich fragwürdig handelt und besonders Veranstaltern ordentlich auf die Füße tritt ist eine andere Geschichte, klar.