Im Rahmen eines neuen Fördermodells übernimmt die Hamburger Kulturbehörde die GEMA-Gebühren für die Clubs der Hansestadt.

Hamburg (mma) - Bemerkenswert: Während sich der Bund im allgemeinen Privatisierungsrausch und angesichts mauer Kassenlage immer weiter aus der Verantwortung für seine Bürger zieht, weht auf Landesebene auch mal ein anderer Wind. Etwa in der Freien Hansestadt Hamburg, wo viele kleine Clubs von der angekündigten Erhöhung der GEMA-Gebühren für Live-Venues in ihrer Existenz bedroht sind.

Die dortige Kulturbehörde übernimmt künftig und rückwirkend bis Anfang 2008 die anfallenden GEMA-Gebühren, erklärte die parteilose Kultursenatorin Karin von Welck nun der dpa. Im Rahmen eines neuen Fördermodells stellt die Stadt ihren Clubs insgesamt 150.000 Euro zur Verfügung.

Damit sollen die GEMA-Gebühren zur Gänze abgedeckt und die Livemusik gestärkt werden, so von Welck. Das neue Modell löst die alte Klubprämie ab, über die zuvor jährlich 56.000 Euro an die Spielstätten ausgeschüttet wurden.

Freude beim Klub-Kombinat

Die Gelder sind für Clubs bestimmt, die an einem festen Spielort mit einer Kapazität von weniger als 1000 Besuchern mehr als 24 Konzerte im Jahr veranstalten. Die Regelung gilt rückwirkend zum 1. Januar 2008. Sie kommt damit auch der alteingessenen Reeperbahn-Instanz Molotow zugute. Deren Besitzer sahen sich vor gut einem Jahr gezwungen, sinkenden Einnahmen durch einen Spendenaufruf entgegenzuwirken (laut.de berichtete).

Jetzt hat der Hamburger Senat also erkannt, wie wichtig eine lebendige und vielseitige Clubszene für die Stadt ist. "Wir freuen uns sehr, dass endlich ein transparentes Fördermodell für Hamburgs private Musikbühnen entstanden ist", erklärt Karsten Schölermann, Präsident des Klub-Kombinats und Betreiber des bekannten Clubs Knust. Ob von der Entscheidung Signalwirkung für andere deutsche Großstädte ausgehen kann?

P.S. Eine Gegenposition zur neuen "Marke Hamburg" vertritt aktuell Ted Gaier von den Goldenen Zitronen in einem offenen Brief an den Hamburger Senat (siehe Surftipps).

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20 Kommentare

  • Vor 11 Jahren

    naja, die gema hat ja auch ihre vorteile .........für gut verkaufende, etablierte künstler..

    aber die aktion find ich schön, während im ruhrpott irgendwie zunehmende schließungen von einigen clubs zu betrauern ist, wahrscheinlich aus anderen gründen, wäre trotzdem was feines, wenns das hier auch gäb.

  • Vor 11 Jahren

    Aber das ist dock keine dauerhafte Lösung oder? Außerdem lässt sich dieses Konzept leider nicht überall durchführen(haushalsschwache Länder). Und die GEMA glaubt am ende vielleicht noch, dass sie mit allen erhöhungen durchkommt.

  • Vor 11 Jahren

    sie könnten ja auch musik spielen, die nicht zum gema-repertoire gehört. oder bands die gema-mitglied sind weniger gage zahlen, die bekommen schließlich die gema-gebühren ausgeschüttet.

    zudem besteht die gema-erhöhung in der streichung von rabatten, die bisher großveranstaltern eingeräumt wurden. dass die jetzt wegfallen finde ich nur fair, die großen sollten genauso viel zahlen wie kleine.
    für kleine clubs bleiben die preise konstant, die erhöhung wurde von den großen und vom veranstaler-verband kolportiert, um bei den kleinen veranstaltern und der bevölkerung stimmung zu machen.

  • Vor 11 Jahren

    nein, in diesem fall lohnt sich gema auch gar nicht, wieso ist die band denn überhaupt mitglied? haben sie denn genug airplays oder verkäufe dass sich das lohnt?
    die gema ist ein modell, das für ein massengeschäft konzipiert wurde, für kleine künstler lohnt sich das oft nicht. aber das kann man ja abwägen bevor man beitritt.

    und wie ich bereits geschrieben habe ist das PRO-verfahren (mit dem diese live-geschichten verrechnet werden) schlecht und muss schleunigst geändert werden, wie viele andere dinge.
    bis dahin sollte man versuchen möglichst häufig in möglichst vielen gema-bezirken zu spielen um im ranking aufzusteigen (oder eine befreundete band irgendwo in deutschland bitten, einen song pro abend zu covern, damit das auf dem meldebogen landet)

    das ganze ändert aber nichts daran dass es eine grundsätzliche daseinsberechtigung für verwertungsgesellschaften gibt, weil der einzelne urheber seine rechte ab einer gewissen popularität einfach nicht mehr selbst wahrnehmen kann.

  • Vor 11 Jahren

    @aggrotroll (« nein, in diesem fall lohnt sich gema auch gar nicht, wieso ist die band denn überhaupt mitglied? haben sie denn genug airplays oder verkäufe dass sich das lohnt?
    die gema ist ein modell, das für ein massengeschäft konzipiert wurde, für kleine künstler lohnt sich das oft nicht. aber das kann man ja abwägen bevor man beitritt.

    und wie ich bereits geschrieben habe ist das PRO-verfahren (mit dem diese live-geschichten verrechnet werden) schlecht und muss schleunigst geändert werden, wie viele andere dinge.
    bis dahin sollte man versuchen möglichst häufig in möglichst vielen gema-bezirken zu spielen um im ranking aufzusteigen (oder eine befreundete band irgendwo in deutschland bitten, einen song pro abend zu covern, damit das auf dem meldebogen landet)

    das ganze ändert aber nichts daran dass es eine grundsätzliche daseinsberechtigung für verwertungsgesellschaften gibt, weil der einzelne urheber seine rechte ab einer gewissen popularität einfach nicht mehr selbst wahrnehmen kann. »):

    Ich stimme dir in vielen Punkten zu, aber es darf doch eigentlich nicht sein, dass gerade die, deren Interessen die GEMa ja angeblich vertritt gezwungen werden müssen zu tricksen.

    Grundsätzlich ist es für viele Künstler Überlebenswichtig, dass eine Verwertungsgesellschaft ihre Interessen vertritt, nur kann ich mich des Eindrucks einfach nicht erwehren, dass die GEMA hauptsächlich ihre eigenen Interessen vertritt.

    Das problem ist doch, daß so gut wie alle aus der Musikbranche sehr unzufrieden ist, mit dem was die GEMa leistet und tut, diese jedoch vom Gesetzgeber praktisch die Lizenz zum Gelddrucken hat.
    Nicht ein Mensch aus der Live-Branche würde sich aufregen, wenn z.B. die GEMA anhand von verkauften Tickets abrechnen würde. Das wäre kalkulierbar. Wenn dann noch der Anteil von eigenen Songs der Bands berücksichtigt würde (90% der Lieder eigene Songs, dann 90% der GEMA-Gebühren für die Band), dann wäre zumindest für die live Branche alles in Butter.

    Das wäre sehr einfach und ohne größeren Verwaltungsaufwand zu handhaben. Und es wäre vor allem gerecht.

    Als absolutes Negativ-Beispiel führe ich gerne eins meiner Konzerte vom 04.09.2009 an.
    1300 qm Halle (abteilbar) mit 67 zahlenden Besuchern + ca. 120 "Gewinnern" von Freikarten.
    Eintrittspreis 32,- € - Gesamteinnahmen knapp 2000 € - Gemarechnung (wegen der ursprünglichen Hallengröße) knapp 1200 €
    Jetzt kann man sagen: Pech gehabt! Aber wenn die GEMA eine Gebührensteigerung von ca. 600 % bis zum Jahr 2014 ankündigt, weil sie ach so wenig bekommt, dann frage ich mich, wieviele Veranstalter überleben werden. Und da die Live-Branche heute schon zu den Haupt-einnahmequellen der allermeisten Künstler zählt, sehe ich diese Problematik als gefährlicher für die Musikszene als das Filesharing.

    Zurück zum Topic: Ich sehe den Hamburger Vorstoss mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
    Zum einen ist es Klasse, das die Hamburger was für ihre Musikszene tun, aber als "egoistischer" Veranstalter muss ich dann ja das Hamburger "Knust" z.B. dem Frankfurter "Batschkapp" vorziehen, da ich ja die GEMA-Gebühren auf das Knust abwälzen kann.
    Denken aber mehr Veranstalter so wie ich, dann führt das zwangsläufig dazu, dass es eine Schwemme von Club-Konzerten von Nicht-Hamburger-Bands geben wird und die dortige Clubszene schnell gesättigt ist.
    Das fällt dann wieder auf die Hamburger Musik-Szene zurück, denn welcher Club gibt dann noch unbekannten lokalen Bands eine Chance, wenn er z.B. halbwegs bekannte Bands aus Berlin oder sonstwo her, verpflichten kann?

    Ein zweischneidiges Schwert mit nur einem Gewinner: Der GEMA

    Edit: Sorry für die Fehler in der Klein- und Großschreibung, aber beim Thema GEMA t(fl)ipp ich aus