Gegenüber "Walulis Daily" schränkt der Influencer seine Kritik ein. Rückendeckung erhält er vom Kliemannsland und Olli Schulz.

Zeven (dol) - Nachdem sich Fynn Kliemann in mehreren Instagram-Stories über Medien und die "woke linke Szene" echauffiert hatte, hat er nun einige Vorwürfe relativiert. Auf eine Anfrage des YouTube-Formats "Walulis Daily" schränkt er seine Kritik ein: "Generell habe ich nichts pauschalisiert. So spreche ich beispielsweise explizit von einem Teil einer Bubble, nicht von der generellen woken Szene." Mit der Story sei es ihm vor allem um die Frage gegangen, "ob es nicht auch mal gut sein kann, nachdem man seine Fehler eingestanden [und] sich ehrlich dafür entschuldigt" habe.

Erneut distanziert er sich von den Maskenspenden an Flüchtlingslager. "Trotz der Tatsache, dass es keine Beweise für die Anschuldigungen" gebe, werden diese "immer wieder geschrieben". Das "ZDF Magazin Royale" habe "Dinge suggeriert und konstruiert", die sie auf der eigens eingerichteten Seite LMAAFK.de anders darstellen. Gegen die "wildgewordenen Reporter", über die sich Kliemann auf Instagram beschwert hat, geht er juristisch vor. So gebe es inzwischen "viele erfolgreiche Abmahnungen sowie von Verlagen unterzeichnete sog. 'Strafbewehrte Unterlassungserklärungen'".

"Generelle Medienkritik" übe er nicht, erklärt er gegenüber der Redaktion. Für Irritationen hatte seine verschwörerische Behauptung gesorgt, dass er mit öffentlichen Geldern zerstört werde, weil er "nicht gespurt" habe. Dazu erklärt er: "Es ist objektiv richtig, dass das Kliemannsland und damit ich durch FUNK medial aufgebaut wurden. Es ist ebenso offensichtlich, dass nun mit einer Sendung des ÖR alles wieder zerstört wird." Zugleich distanziere er sich "stark von Hasstiraden gegen die öffentlich-rechtlichen Medien, allgemeine Medienkritik und irrwitzige Verschwörungstheorien."

Während Fynn Kliemann noch bemüht ist, sein jüngstes Wut-Video einzuordnen, droht sich bereits ein weiterer Krisenherd zu entwickeln. Nach Recherchen des Politmagazins "Kontraste" umging der Influencer bei einer Auktion über die von ihm betriebene Website "JingleBe" die eigenen Bedingungen. Im Frühjahr 2021 hat er demnach 99 kurze Musikstücke als Non-Fungible Tokens (NFTs) für insgesamt 215.000 Euro versteigert. Die Käuferinnen und Käufer bezahlten die von Kliemann und seinem Produzenten komponierten Kunstwerke mit einer Kryptowährung.

Am 7. März 2021 sollte die Auktion um 20:00 Uhr enden und die digitalen Werke an die jeweils Meistbietenden gehen. Doch laut dem ARD-Magazin habe "JingleBe" die Versteigerungen mitunter eine Stunde länger laufen lassen und somit die Höchstgebote zum Teil deutlich gesteigert. So endeten 84 Versteigerungen später als ursprünglich vorgegeben. Laut Berechnungen von "Kontraste" steigerte Fynn Kliemann damit seinen Umsatz um etwa 68.000 Euro. Da die Höchstbietenden zum regulären Auktionsende einen zivilrechtlichen Anspruch an den NFTs haben, droht nun Schadensersatzanspruch.

"Das hier ist das norddeutsche Ayahuasca"

Rückendeckung erhält Fynn Kliemann derweil von der nach ihm benannten Mikronation. "Wir, das Kliemannsland, haben uns von Fynn distanziert", leitet einer der Mitarbeiter bedeutungsschwer einen aktuellen Videobeitrag ein. Anstelle einer Distanzierung folgt jedoch ein knapp halbstündiger Image-film, in dem sich das Kreativprojekt als ein Sehnsuchtsort für verlorene junge Menschen in Szene setzt, die dort Sinn, Freude und Gemeinschaft finden. "Manche fahren einmal im Jahr Ayahuasca irgendwo sich reindönern und denen geht's dann gut. Das hier ist das norddeutsche Ayahuasca."

Dank abspringender Sponsoren gerät das Projekt mit den familienfreundlichen 'Jackass'-Aktionen nun unverschuldet in Existenznot, wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herausstellen. Für die aus ihrer Sicht ungerechten Kritiker finden sie wenig schmeichelhafte Worte. So überziehen die eben noch weihevollen Bewohner etwa den YouTuber Der Dunkle Parabelritter mit Schmähungen. Zum Ende des in Clickbaiting-Manier "Das Kliemannsland hat sich von Fynn Kliemann distanziert" benannten Videos heißt es in Richtung Fynn Kliemann: "Natürlich stehen wir hinter ihm."

Eine gewisse Doppelmoral erkennt Fatoni unter den Kliemann-Kritikern. "Wäre Fynn Kliemann Rapper, würden ihn alle als Businessmann feiern und 'Free Fynn'-Shirts tragen", schreibt er auf Twitter. Auch Olli Schulz wagt sich nach anfänglicher Zurückhaltung aus der Deckung. "Ich habe gesehen, was wochenlanger, öffentlicher Druck mit Menschen anrichtet", schreibt der Sänger auf Instagram, "Es ist schlimm und ich wünsche das wirklich niemandem." Er habe sowohl Jan Böhmermann als auch Fynn Kliemann in ihrer Küche weinen gesehen.

Zudem verweist Schulz auf Kasia Lenhardt, die sich nach Vorwürfen gegen Jérôme Boateng dem Druck des Boulevards ausgesetzt sah und sich schließlich im Februar 2021 das Leben genommen hat. Der Vergleich zog breite Kritik nach sich. Doch auch das Statement insgesamt erntet Spott durch den Titanic-Chefredakteur Moritz Hürtgen. "Ich bete heute für alle Millionäre, die in ihrer Küche weinen", schreibt er auf Instagram, "Normale Menschen mit normalen Problemen können sich solche Schmerzen nicht vorstellen." Kliemann selbst scheint unterdessen zufrieden mit der Aufmerksamkeit zu sein.

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Fatoni und Olli Schulz

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