Düsseldorfs Bürgermeister folgt der öffentlichen Kritik und Forderung der Opposition. So richtig entschuldigen will er sich aber nicht.

Düsseldorf (dük) - Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel hat die Corona-Botschaft von Farid Bang an die Düsseldorfer Jugend wieder löschen lassen. Damit reagierte er auf die herbe öffentliche Kritik an der Auswahl seines Botschafters und die Forderung der Parteien CDU, FDP und Grüne, das Video als Bedingung für weitere Gespräche über die Situation zu entfernen.

Via Facebook nahm Geisel Stellung und schilderte zunächst den Status Quo: "Das Video wurde inzwischen auf den städtischen Seiten gelöscht und ist nur noch auf der Seite von Farid Bang zu sehen. Ich bin damit dem Willen der Fraktionen gefolgt".

Der Bürgermeister hatte den Rapper ursprünglich engagiert, um mehr junge Menschen von den Corona-Maßnahmen der Stadt zu überzeugen. Allein mit polizeilichen Mitteln könne man die Situation am Rheinufer und in der Altstadt nicht in den Griff bekommen, so Geisel: "Vielmehr bedarf es einer Ansprache, die von denjenigen, deren Verhalten sowohl unter dem Gesichtspunkt des Infektionsschutzes als auch im Hinblick auf die öffentliche Sicherheit und Ordnung Anlass zur Sorge gibt, gehört und als glaubwürdig empfunden wird."

Blamable Missverständnisse

Nicht nur wegen der Wahl Farid Bangs hatte die Stadt viel Gegenwind bekommen. Mit der Aussage, die Jüdische Gemeinde sei vor der Entscheidung konsultiert worden und habe keine Einwände gegen den Rapper vorgebracht, blamierte sich die Politik, denn wenig später folgte das Dementi. Es habe keinerlei Abstimmung bezüglich des Videos gegeben, hieß es in der Pressemitteilung der Jüdischen Gemeinde. Spätestens seit der Echo-Verleihung 2018 steht Farid Bang wegen seiner Texte im Kreuzfeuer der Kritik. Ihm wird unter anderem Antisemitismus vorgeworfen.

Das Video mit der Botschaft selbst lässt sich übrigens als vollkommen harmlos einstufen und bietet eher wenig Angriffsfläche. "Hört auf, hier Unfug zu machen, sonst zieh' ich euch die Ohren lang", wendet sich Farid Bang an die Zielgruppe, die sich trotz der Corona-Regeln der Stadt weiterhin in Scharen an den beliebten Party-Orten der Stadt aufhält.

So richtig entschuldigen will sich Oberbürgermeister Geisel übrigens nicht. Auch der Brief, den er vor wenigen Tagen an seine Wahlkampfunterstützer und die SPD-Mitglieder verschickt hat, sei nicht als Entschuldigung zu verstehen. Darin spricht Geisel von "jungen Männern zumeist mit Migrationshintergrund, die sich nicht nur nicht an die geltenden Infektionsschutzregeln, sondern generell an keine für ein zivilisiertes Zusammenleben geltenden Regeln halten". Es gehe in Wahrheit um "ein Problem mangelnder und möglicherweise scheiternder Integration beziehungsweise um die schrittweise Entwicklung einer Parallelgesellschaft, die schon heute dazu geführt hat, dass viele Düsseldorferinnen und Düsseldorfer abends und nachts Altstadt und Rheinufer meiden."

Reaktionen von Frauen und der Queer-Community

Deswegen habe er sich mit Farid Bang zusammengesetzt und ihn als Botschafter auserkoren. Den Echo-Skandal habe Geisel noch immer im Gedächtnis und auch die antisemitischen Texte von Farid Bang seien ihm bekannt. Aus dem Brief wird allerdings deutlich, dass Geisel die Reaktionen auf "frauenverachtende und homophobe Äußerungen und Textzeilen in den Songs von Farid Bang" nicht erwartet hatte: "Mir wurde sehr deutlich, dass viele Frauen und viele Mitglieder der Queer-Community nicht nur keinerlei Verständnis für meine Entscheidung haben, sondern regelrecht entsetzt und zum Teil auch persönlich getroffen und verletzt sind [...] Nachhinein gesehen mache ich mir natürlich den Vorwurf, diesen Aspekt offensichtlich nicht gründlich genug recherchiert und im Gespräch mit Farid Bang nicht deutlicher zur Sprache gebracht zu haben", so Geisel.

Die Toten Hosen als alternative Botschafter?

Andere Optionen wie zum Beispiel die Toten Hosen, laut Geisel "zweifellos vorzügliche Botschafter unserer Stadt", seien aus den genannten Gründen nicht infrage gekommen. Mit einer solchen Band als Gesicht der Corona-Kampagne kann man die Zielgruppe wohl nicht erreichen. Wie sich zeigt, hat die Corona-Situation ein übergreifendes Problem ans Tageslicht befördert, das Geisel in seinem Brief anspricht und damit offen zugibt, bestimmte Bevölkerungsgruppen überhaupt nicht erreichen zu können: Es gibt laut Geisel "einen Teil der Gesellschaft, zu dem wir als Vertreterinnen und Vertreter von Politik und Verwaltung und des gesellschaftlichen Mainstreams praktisch keinen Zugang haben".

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7 Kommentare mit 22 Antworten

  • Vor 12 Tagen

    Dieser Kommentar wurde vor 12 Tagen durch den Autor entfernt.

  • Vor 12 Tagen

    Ist doch großes Kino da integriert sich ein Farid vom Kriminellen zum braven, Steuern zahlenden Botschafter der seine Reichweite nutzt um sozial schwachen, unangepassten Menschen den richtigen Weg zu zeigen. Das wollen wir in Deutschland dann auch nicht.

  • Vor 11 Tagen

    Tjoa. Nices Beispiel für so einige Trends und Spaltungen, die es derzeit national und international gibt. Mir fällt da auch nix gescheites zu ein. halt vllt Mal bissi Ambivalenz wagen? Ich kann doch auch meinen Gegnern Mal zugestehen, dass sie was richtig machen und dass dann einfach Mal so hinnehmen. Aber nein, das geht weder bei der AFD noch bei der neuen bourgeoisen linken. Ein falscher Like, ein dummer Vergleich (siehe Luisa Neubauer)… und das Ciao.