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"Jeder darf, was er braucht"

Bei rap.de befinden sie sich unterdessen ungebrochen auf dem Kreuzzug gegen "das N-Wort". Darf ein Weißer "Nigger" sagen? Darf ein Schwarzer "Nigger" sagen? Darf ein Weißer einen Weißen zitieren, der "Nigger" sagt? Oder einen Schwarzen? Ganz unabhängig vom Dürfen: sollte man denn?

An sich immer eine gute Idee, wenigstens hin und wieder das eigene Vokabular unter die Lupe zu nehmen. Sich Gedanken darüber zu machen, was man bei seinem Gegenüber möglicherweise auslöst, mit seiner Ausdrucksweise, schadet auch in den seltensten Fällen. Ich begrüße das. (Hallo!)

Trotzdem: Nachdem sich jetzt jeder und seine Mutter in mehr oder weniger rührseligen Geschichten, in Song- oder Statementform seine mehr oder weniger reflektierte Meinung zum Thema kund getan hat, reagiere ich zunehmend allergischer auf die Fraktion, die versucht, allgemein gültige Vorschriften durchzudrücken.

Himmel, hilf! Wer hätte gedacht, dass die Äußerung, die ich am Ende vollumfänglich unterschreiben kann, ausgerechnet aus dem Hause Hirntot kommt? Schwartz schreibt in seinem Gastkommentar bei rap.de, der sich stellvertretend für "das N-Wort" mit dem "F-", dem "K-" und dem "S-Wort" - Fotze, Krüppel, Schwuchtel! - befasst:

"Was in Rap-Texten passiert und wie man mit seinen Mitmenschen redet sind zwei verschiedene Paar Schuhe, und intuitiv weiß das jeder, bei dem die Erziehung nicht vollends versagt hat. Müsste man denn ansonsten nicht konsequent sein, und den Rap künftig komplett von solchen kontroversen Begriffen bereinigen? Oder es dahingehend determinieren, dass man als heterosexueller männlicher Rapper z.B. weder Frauen 'Fotze' noch Homosexuelle 'Schwuchtel' nennen darf? Will das irgendjemand ernsthaft? Klar: in einer perfekten Welt würde man solche Begriffe nicht benutzen. Es würde sie nämlich nicht geben, und man würde sie folglich nicht kennen. Wollen wir jetzt dieser Utopie anheim fallen?"

Schwartz' Fazit: "Jeder Rapper soll innerhalb seiner Kunst die Worte benutzen dürfen, die er benötigt. Wenn er kontroverse Begriffe benutzt, sollte er sich dessen bewusst sein, aber das war's auch. Ich meine, war es denn nicht nervig genug, das in den letzten zehn Jahren den engstirnigen Spießern der BPjM erklären zu müssen?"

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3 Kommentare mit 3 Antworten

  • Vor 2 Jahren

    "Will das irgendjemand ernsthaft?"

    Auf den Punkt getroffen.

    KANN das irgendjemand ernsthaft wollen - der keinen Sprung in der Schüssel hat? - wäre die konsequente Zuspitzung. Das mit der BPjM zudem ein schöner Seitenhieb, der die Lächerlichkeit dieser Debatte zum Vorschein bringt.

  • Vor 2 Jahren

    Ich kann Typen die bei Kritikern vorbei fahren und denen aufs Maul hauen nicht ernst nehmen.

  • Vor 2 Jahren

    ...diese Worte benutzt man doch, WEIL sie kontrovers sind...und nicht, OBWOHL sie kontrovers sind...die Schwarzen haben das Problem gelöst, indem sie das Wort "Nigger" gekapert haben- nun wollen es die Rassisten nichtmehr als Schimpfwort benutzen.
    SO funktioniert das.
    Wortverbote haben andererseits noch nie funktioniert...