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Was war da denn los?

Was ist passiert, nachdem Cashmo seinen "Alman"-Song gedroppt und Gegenwind aus der Hip Hop-Journalisten-Bubble kassiert hat? Erst einmal gab es einen kleinen Shitstorm gegen diejenigen Journalisten, die sich spürbar von der Kernzielgruppe der Musik entfremdet haben. Dann hat Cashmo sich aber zur Aufgabe gesetzt, einen aufrichtigen Kreuzzug gegen den Hip Hop-Journalismus zu führen, und die Dinge wurden ein bisschen ekelig. Richtig schlimm wurde es, als der Angriff allen voran gegen Jule Wasabi zielte, die zwar durchaus nicht sympathisch auftrat, aber trotzdem dieses Level an Hetzkamapgne nicht verdient: Mit einem beispiellosen Cybermobbing-Pamphlet forderte Cashmo seine Follower auf, ihr das Leben zur Hölle zu machen. Was soll man sagen, außer: Das geht so richtig nicht klar.

Jule antwortet aber ebenso wenig mit richtiger Stellungnahme und stichelt weiter mit irgendwie bildungsarroganter Überheblichkeit. Keine Ahnung, wem man hier den Rücken stärken will. Cashmo hat im Kern der Sache mit ein paar Punkten durchaus Recht, vermischt diese aber mit unreflektiertem Bashing und macht seine Argumente mit offensichtlichen Arschloch-Aktionen zunichte. Jule verrennt sich trotz richtiger Grundgedanken ein bisschen in der eigenen Bubble-Philosophie, ist aber trotzdem nicht der Dämon in der Seele des Genres, wie manche Leute tun. Eigentlich ist das Ganze ein Missverständnis, das mit gegenseitigem Wohlwollen sehr schnell aus der Welt geschafft wäre. Da das beiden aber abgeht, werden sie sich wohl noch auf eine Weile bekriegen.

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8 Kommentare mit 21 Antworten

  • Vor 9 Monaten

    So, hier mein Statement zu dem Song:
    Generell finde ich es okay bis gut einen Track zum Thema "Alman im Kanak-Viertel" zu machen. Aber da sind einige Stellen im Text (und im Video), die mich stören.

    "Wie viele meiner Landsleute leben in Gefahr?
    Aber wirklich drüber reden, ist was keiner von uns darf"

    Die Zeilen aus der Hook werden insgesamt acht mal wiederholt. Die erste Zeile stellt die Frage wie viele Deutsche in Gefahr durch Ausländer leben. Und das sind ehrlich gesagt nicht so viele, selbst in stark von Ausländern dominierten Vierteln (die es in einer besseren, "linken" Idealen entsprechenden Realität gar nicht geben würde) muss man als Deutscher (Mann, für Frauen ist das leider noch was anderes, da kommt es aber auch nicht auf die Herkunft an) keine Angst haben, kann auch Nachts durch Dortmund Nordstadt oder Köln Chorweiler laufen und wird keineswegs auch nur annähernd in so großer Gefahr sein, wie z.b. ein Schwarzer, der durch Kloster Veßra oder Jamel läuft am helllichten Tag.

    Und diese "Gefahr durch Ausländer" ist wohl eines der meistgenutzten Motive "rechter" Propagandisten. Tatsächlich haben ja die Medienorgane der "rechten" Szene da auch sehr schnell drauf angebissen. Sowas sollte man insbesondere in der Hook nicht schreiben, wenn man nicht in die Nähe der "Rechten" gestellt werden möchte.

    Der zweite Teil ist ebenfalls eine typische Aussage, die "Rechte" immer wieder bringen: Dass über etwas nicht geredet werden dürfe. In Verbindung mit den Deutschen mit zugeklebtem Mund im Video ist das halt leider 1A-AfD-Propaganda. Egal, ob er sich danach von denen distanziert oder nicht. Denn jeder darf darüber reden, wir können gerne auch über die Ausgrenzung reden, die Cashmo und bestimmt auch andere deutscher Abstammung, die in ähnlichen Verhältnissen aufgewachsen sind, erfahren haben. Und ich bin mir sicher, dass er und die Anderen aufgrund ihres Deutschseins mal diskriminiert worden sind und deswegen in ihrem mehrheitlich fremd-stämmigen Umfeld Probleme hatten. Da wäre es dann aber interessant zu schauen, warum dieses Umfeld in dieser Form existiert, wie wir verhindern können, dass es solche Umfelder gibt, aus denen Kriminalität und Gewalt erwachsen. Cashmo selbst ist ja auch ein (ehemaliger) Verbrecher, eigentlich ein Paradebeispiel, dass die Armut und das Leben in der Armut Ursache für Kriminalität sind und nicht etwa Herkunft.

    Leider geht dieser Aspekt vollkommen im Song unter. Im Video wird es sogar gegenteilig dargestellt, der Jugendliche Alman ist da kein Verbrecher, die Kanaks hingegen schon, der Alman sieht aus wie ein Nerd, die Kanaks sehen aus wie Gangbanger und haben Drogen am Start, nur in der Szene, in der der eine Kanak den Alman bei den Bullen anzinkt, da hat der Alman auch auf einmal was mit Kriminalität zu tun, oder, schlimmer noch, hat er nicht, wird aber von den bösen Kanaks so dargestellt. Da reichen sich sogar noch der Gangsta-Kanak und der Bulle die Hand, im echten Leben kann der Kanak froh sein, wenn der Bulle nicht Hand an ihn legt (überspitzt). Das Video ist mindestens latent fremdenfeindlich.

    "Wenn schwarz-rot-gold dich hier zum Nazi macht
    Wo die anderen stolz steh’n am Fahnenmast"

    Ja ne. Als ob irgendwer auch nur eine Augenbraue heben würde für jemanden, der seinen Garten-Schwarz-Rot Gold beflaggt. Zur WM und EM kannste auch regelmäßig in voller Kriegsbemalung rumlaufen ohne dich lächerlich zu machen, und abseits davon machst du dich damit halt höchstens lächerlich. Sicher gibts da einige Spezialisten im "linken" Lager die das anders sehen, aber das ist eine weltfremde Minderheit. Schwarz -Rot - Gold macht niemanden zum "Nazi", aber so eine Zeile lässt dich schon ein bisschen wirken wie ein "Nazi".

    "Das Erbe meiner History Blut
    Aber Bro, sag mir, was hab' ich mit Hitler zu tun?"

    Meiner Meinung nach sollte jeder Mensch von den Grauen wissen, die geschehen sind, um dazu beizutragen, dass die sich nie wiederholen. Ich kann schon verstehen, wenn Deutschen das Thema Hitler satt haben und sich insbesondere daran stören, dass sie im Ausland oder von Ausländern damit assoziiert werden, aber das ist doch nur eine kleine Unbequemlichkeit. Hört sich aber leider wieder sehr nach "neurechter" Rhetorik an.

    "Komm mir nicht mit braun, rechts, Nazi und Rassist
    Denn jeder von ihn'n weiß, dass der Brudi keiner ist"

    Das ist auch nicht viel mehr als "Ich bin kein Nazi...". Es ist ihm zu Gute zu halten, dass er auch Sachen sagt wie "Wenn du weißt, wir sind beide eigentlich gleich/Sitzen hier im selben Boot, wegen Hautfarbe Streit", da steckt viel wahres dran, aber direkt danach wirds wieder "rechtspopulistisch" mit "Wo du oftmals über Christen ein paar Witze hörst/ Doch wie du weißt, hat mich dein Glaube hier nie gestört"

    Was dann allgemein etwas unglücklich ist, dass er hier seine Erfahrungen (die ich ihm nicht absprechen will) zu allgemein gültigen Tatsachen stilisiert. Erstmal sind seine Erfahrungen da schon ein bisschen älter, immerhin ist er 36. Wirkt da ein bisschen merkwürdig, dass er aus seiner Jugendperspektive auch den Shishabarboom anspricht, der ja eigentlich erst nach Ende seiner Jugend begann. Und er macht halt auch sehr oft ein "Wir" aus seinen eigenen Erfahrungen, sowieso ist das halt seine Sicht der Geschichte, vielleicht war er halt zu langsam und ist deshalb immer im Tor gelandet oder er wurde gar nicht angezinkt, weil er deutsch ist, ist halt nicht sicher. Und nur seine eigene Erfahrung.

    Wie gesagt, ich kann durchaus verstehen, wenn deutsch-Stämmige nicht von ihrem Umfeld diskriminiert werden möchten, aber da sollten wir daran arbeiten, dass diese Art des Umfelds verschwindet. Wenn wir Armut und Ghettoisierung verhindern, könnten wir viele Probleme an der Wurzel abschwächen.

    Cashḿo verfällt zu oft in "rechte" Rhetorik, ist zu plakativ und das Video setzt dem Song die Krone auf. Wirkt auch sehr auf Tabubruch ausgelegt, und das find ich nicht so pralle. Am Ende des Tages geht es dann nämlich nicht mehr um die existierenden Probleme sondern nur noch um Cashmos Erfolg.

    • Vor 9 Monaten

      naja, aber "Wie viele meiner Landsleute leben in Gefahr..." kann auch einfach nur von volksdeutschen in "sozialen Brennpunkten" handeln. wie halt cashmo. jeder kanakenrapper kommt genau von dort, wo das leben am härtesten und die umstände am schlimmsten sind. warum kann cashmo das nicht über deutsche singen, die dort leben? über die weiße unterschicht? in prekären verhältnissen? ich meine, klar es romantisiert das elend. aber das tun die kanakenrapper auch. wie du sagst. duisburg marxloh ist nicht southside chicago. und die prekären deutschen sind keine vergessene white trash ethnie

      "Ich kann schon verstehen, wenn Deutschen das Thema Hitler satt haben und sich insbesondere daran stören, dass sie im Ausland oder von Ausländern damit assoziiert werden, aber das ist doch nur eine kleine Unbequemlichkeit."

      Der witz ist doch: die migrantenpeergroup und das millieu, in welchen cashmo verkehrt/ aufwuchs, gibt einen fick auf hitler und was 'damals' war. völlig zu Recht übrigens. das sind keine deutschen, die haben mit dem führer nichts zu tun. wenn dein gesamtes umfeld dir spiegelt, dass hitler irrelevant ist und du aber gleichzeitig keine humanistische 13jährige schullaufbahn hast, die dir das gegenteil einimpft, wirds halt schwer andere ansichten als dein umfeld zu entwickeln. nehme ich an.

    • Vor 9 Monaten

      "warum kann cashmo das nicht über deutsche singen, die dort leben? über die weiße unterschicht? in prekären verhältnissen? ich meine, klar es romantisiert das elend. aber das tun die kanakenrapper auch."

      Da hast du nicht Unrecht, und er darf das ja. Wie er das tut ist aber mindestens sehr unglücklich, diese Stellen könnten auch die harmloseren Stellen auf einem Chris Ares Track sein, in der Hook wird auch bezug auf Flüchtlinge genommen und dann Deutsche in Gefahr, das ist schon aus dem AfD playbook.

  • Vor 9 Monaten

    Fler, Sammy, Harris, Kollegah, Cashmo...

    Irgendwie kommt diese Debatte alle 2 bis 4 jahre auf, wird aber jedes Mal dümmer.

  • Vor 9 Monaten

    too much promo für nen viel zu belanglosen track.