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Keemo, Haze, Apache: Deutschrap, allzu oft totgesagt, gehen die interessanten Akteure schon so schnell nicht aus. Aber gerade letzterer ist mir persönlich wirklich in Rekordzeit langweilig geworden.

Auf 16Bars haben sie nun einen Artikel über seinen immensen Aufstieg geschrieben, der großteils eigentlich eher offensichtliche Spuren verfolgt, damit aber eigentlich ziemlich richtig liegt. Trotzdem halte ich es zumeist mit der Review von Yo Mama Fromm: Der Typ ist eindimensionaler, als er auf den ersten Blick scheint.

Mein persönlicher Erklärungsansatz ist einfach, dass Deutschland schon seit je her krampfhaft versucht, keinen Pop zu machen. Heißt natürlich nicht, dass nicht der Großteil der Musikindustrie hier bis auf die letzte Faser weichgespült und rückgratlos wäre, aber der meiste Pop-Stuff hier schämt sich ins Bodenlose dafür, Pop zu sein. Sogar die ganzen Radio-Menschen bezeichnen sich durch die Bank als "Liedermacher", "Song-Poeten" oder ähnliche Ausreden. Da kommt Apache, gibt keinen Fick und macht einfach einmal derben, ins Gesicht bretternden Pop mit Synthesizern und Groove, und alle sind geschockt.

Irgendwie hat hierzulande nämlich seit Jahren niemand mehr zugegeben, dass er Bock auf einen richtig dummen, effektiven Popsong hat. Deswegen scheint es auch einigermaßen wichtig für Apache zu sein, sich nach wie vor als Rapper zu labeln. Geschenkt, dass er ab und zu rappt. Der Kerl ist genau wie Post Malone Pop-Artist durch und durch, aber seine ganze Präsentation, seine stumpfen Lyrics und die Hood-Inszenierung scheinen nur da zu sein, um Rapfans von ihrem schlechten Gewissen zu erlösen, dass sie da gerade den Pop-Crave stillen, den sie schon seit Ewigkeiten in sich tragen.

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1 Kommentar

  • Vor einem Jahr

    Apache hat sich meines Wissens selber noch gar nicht zu Wort gemeldet. Seine Art, Einflüsse und seine Selbstwahrnehmung würden mich viel eher interessieren als seine Musik. Vielleicht könntet ihr ja mal ein Interview mit ihm klarmachen.