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Kritik an der Kritik

Kritik gab es auch an den hiphop.de-Awards - natürlich seitens beleidigter Künstler, die sich nicht oder nicht ausreichend gewürdigt fühlten, aber auch generell an den Nominierungen, insbesondere in der wirklich armselig bestückten Kategorie "Line des Jahres". Äh ...

... say no more.

Kollege Clark Senger ließ sich aber doch zu einem recht langen Rechtfertigungsstatement hinreißen, das ich inzwischen mehrfach gelesen habe, und ich versteh' immer noch nicht wirklich, was es mir sagen will:

"Schon seit Jahren dürfen auch Lines nominiert werden, die nicht besonders komplex geschrieben sind, aber umso mehr knallen oder für Gesprächsstoff sorgen. Weil sie zum Beispiel genau auf den Punkt bringen, was eine Künstlerin oder einen Künstler in diesem Jahr ausgemacht hat."

... oder weil sie so scheiße sind, dass man darüber spricht, was sie in einer "Beste Line"-Auswahl verloren haben? DER Plan wäre aufgegangen.

"Viele dieser Lines sind allerdings aus der Kategorie 'muss man dabei gewesen sein, um es zu checken'. Wenn man solche Kandidaten ohne Kontext liest, hat man nicht das Gefühl, etwas Pulitzer-Preis-Verdächtiges vorgesetzt zu bekommen."

Verrückter Gedanke: Dann sind es vielleicht einfach keine guten Lines?

"Vielleicht bitten wir die Jury in Zukunft, nach klassischen Punchlines Ausschau zu halten? Sollten nur mehrfach gereimte Doppeldeutigkeiten à la Kollegah, Farid Bang, Snaga & Pillath oder Ali As in dieser Kategorie stattfinden? Oder hätte mit dem 'Punchline-Zeitalter' auch diese Rubrik enden sollen?"

Ja, keine Ahnung. Hätte sie?

"Dass Rap in den vergangenen Jahren erst sehr melodisch wurde und dann Vibe über Technik setzte – nennen wir es Streaming-Zeitalter – ist kein Geheimnis. Dass viele Rapfans dabei die technischen oder lyrischen Skills vermissen, hat man auch längst mitbekommen. Worauf kommt es bei Hiphop an, von Rap über Tanz bis Graffiti? Auf Style und Skills."

Na, denke mal, bei einer Kategorie "Line des Jahres" kommt es weder auf Vibe noch auf Skills an, sondern auf eine gute Line. Aber vielleicht hab' ich einfach ein zu schlichtes Gemüt.

Fazit: "Von der Grundidee sind wir weiterhin überzeugt. Wie wir in der Praxis unser Ziel erreichen und an welchen Stellschrauben wir nachjustieren, steht 2021 auf dem Prüfstand."

Ich bin mäßig gespannt.

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