Gestern begann die sechste Staffel des TV-Phänomens Deutschland Sucht Den Superstar. Man mag es kaum glauben: Die Show ist unter Jugendlichen beliebter denn je.

Berlin (mis) - Es gibt kein Entrinnen: Mit DSDS startete gestern Abend wieder Deutschlands Vorzeige-Castingshow, die in sieben Jahren zu einer Art Big Brother aus Dieter Bohlens Wohnzimmer verkommen ist. Hüben wie drüben sind die unbekannten Teilnehmer weitgehend talentbefreit, nur dass sie bei DSDS für ihr Nichtskönnen von einer sonnengegerbten Ein-Mann-Jury noch in den Boden gestampft werden. Welche zwei Wasserträger alljährlich neben Bohlen Platz nehmen, interessiert kaum mehr.

Freilich: Ohne die Abteilung Attacke wäre die Sendung ungefähr so spannend wie eine Modern Talking-Single, was jedoch selten so demonstrativ zur Schau gestellt wurde wie gestern.

Max von Thuns Duell mit Bohlen

Da erdreistete sich der Juror Max von Thun doch tatsächlich, eine Akustikgitarrenversion des Rihanna-Hits "Umbrella" interessant und im selben Atemzug das Original, den "wahnsinnigen Mega-Erfolgstitel" (Bohlen), als "unglaublich nervig" zu bezeichnen.

Gemeinsam mit dem positiven Votum des weiblichen Jurymitglieds Nina Eichinger durfte sich der 29-jährige Interpret vor dem in Zornesröte bebenden Bohlen den begehrten "Recall"-Zettel abholen.

Du sollst keine anderen Götter neben IHM haben

Kaum war der Kandidat vor der Türe, machte der Autokrat von Mallorca Tabula Rasa: Von Thun habe von Musik doch überhaupt keine Ahnung, keifte Tötensens Titan wutschnaubend gegen den Kollegen, was ja auch nicht Wunder nähme, schließlich sei von Thun ja nur ein Schauspieler.

Sieht man nun mal davon ab, dass weder die Rihanna-Version noch die Interpretation als sonderlich Aufsehen erregend zu bezeichnen war, zeigte diese Szene doch in herrlichster Kompaktheit die Essenz der Show.

Widerspruch ist unerwünscht

Nur wenn Dieter gute Laune hat, funktioniert auch DSDS. Gute Laune hat Dieter immer dann, wenn er Recht hat. Widerspruch duldet Dieter nur, wenn sein Gegenüber wenigstens halb so lange im Musikbusiness gearbeitet und - wenn schon auf der falschen Seite - zumindest einen ihm wohlgesonnenen Künstler herausgebracht hat. Was erklärt, warum in der ersten DSDS-Staffel einmal der Ex-BMG-Chef Thomas M. Stein an Bohlens Seite saß.

Schlechte Vorzeichen wiederum für einen wie von Thun, der als Gegenargument statt goldene Schallplatten nur "mein Gefühl" zu bieten hat. Was immer er sich vor seiner Jurorenzusage darunter vorgestellt hatte, Bohlens Beleidigungen nötigten den Jungschauspieler noch in der ersten Castingstadt Berlin zum Ausstieg.

Rekord: 32.000 Bewerber

Mehr Aufreger hatte die Show, die RTL mit über vier Millionen Zuschauer in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen wieder ein Traumergebnis bescherten, nicht zu bieten.

Der Fremdschämfaktor blieb im überschaubaren Bereich und hatte eigentlich nur einen einzigen Ausreißer nach oben zu bieten, als eine offensichtlich nicht für den Modeljob geeignete, sich aber als Model ausgebende Teilnehmerin in bekannter Weise gedemütigt wurde. Rekordverdächtige 32.000 Jugendliche sind sich dieses Mal für ein mögliches Urteil dieser Art nicht zu schade gewesen. Kulturpessimisten dürften sich angesichts dieser Entwicklung in den australischen Dschungel wünschen.

Die Unbelehrbaren (Loser)

Ein Ersatz für von Thun war übrigens schnell gefunden. Der linientreue Volker Neumüller arbeitete bereits mit Melanie C. sowie mit DSDS-Siegern wie Mark Medlock zusammen und dürfte Bohlen nur eine Fingerübung auf seinem Handy gekostet haben.

Als Randfiguren wirkten außerdem Kai Pflaume-Reinkarnation Marco Schreyl als Moderator sowie in früheren Staffeln mit Pauken und Trompeten davongejagte DSDS-Kandidaten mit, die als "Die Unbelehrbaren" von RTL akkurat betitelt wurden.

Als einer dieser Sorte seinem Versprechen einer erneuten DSDS-Bewerbung die Begründung "Die Hoffnung stirbt zuletzt" folgen ließ, musste man sogar Bohlens Konter anerkennen: "Aber hoffentlich bald."

Fotos

Dieter Bohlen

Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig)

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48 Kommentare

  • Vor 11 Jahren

    Zitat (« Da erdreistete sich der Juror Max von Thun doch tatsächlich, eine Akustikgitarrenversion des Rihanna-Hits "Umbrella" interessant und im selben Atemzug das Original, den "wahnsinnigen Mega-Erfolgstitel" (Bohlen), als "unglaublich nervig" zu bezeichnen. »):

    Wo er recht hat... :D
    War aber doch klar, dass das nicht funktionieren konnte. Max von Thun ist wohl mit einer Portion Idealismus an die Sache ran gegangen und Bohlen sieht einzig das Geschäftliche. Zoff vorprogrammiert!

  • Vor 11 Jahren

    Zitat («
    War aber doch klar, dass das nicht funktionieren konnte. Max von Thun ist wohl mit einer Portion Idealismus an die Sache ran gegangen und Bohlen sieht einzig das Geschäftliche. Zoff vorprogrammiert! »):

    Meine Worte.

    Lustig fand ich: Die letzten Worte von Max von Thun waren ja: "Umbrella" nervt mich. Wundert mich, dass noch niemand einen Schirm in ihren Arsch gerammt hat.
    Tja, da würde es viele geben, die Rihanna was in den Arsch rammen würden. (Sorry)

  • Vor 11 Jahren

    Hoffentlich ist unter den Leuten die Bohlen runtermacht ein gestörter Psychopath,der ihn dann abknallt.Das wäre genial.

  • Vor 11 Jahren

    @dein_boeser_Anwalt (« ich weiß, dass ist nicht der springende punkt.

    ich schick dir mal ne pm dazu.

    aber wohl erst morgen

    grob gesagt: freiwillig auf welcher basis?

    vor ort wird hinter den kulissen im einzelfall nach vollkommen anderen kriterien entschieden, als offiziell gegenüber den bewerbern in künstlerischer/qualitativer hinsicht geäußert wird.

    das geht schon durch als vorspiegeln falscher tatsachen, ohne, dass man sich da groß verbiegen müsste. da bin ich gar nict der einzige. ähnliches war sogar schon prüfungsgegenstand an juristischen fakultäten. »):

    Das glaube ich dir auf der Stelle. Ich finde das ganze auch als an der Grenze des rechtlich erlaubten. Zum Teil empfinde ich es als diskriminierung. RTL sucht sich die Kandidaten aus von denen sie zu 100% überzeugt sind das die es nicht bringen und machen diese fertig wohlwissend das dies der Quote entgegen kommt und das Volk amüsiert. Viele gucken auch nur deswegen die Castings... ich übrigens auch aber ich schäm mich nicht für diesen voyeurismus. Manches geht mir aber entschieden zu weit. Hatte das Djungelcamp nicht manchmal gar ein höheres Niveau? Wer würde Dirk Bach oder Sonja zum Beispiel an den Pranger stellen für ihre schlichtweg doofen Sprüche? Keiner dafür gibts ja den Bohlen...

  • Vor 11 Jahren

    DSDS ist knallhartes Business. Bist du auch nur im geringen Interessant für das Format kommt was über dich ins Fernsehen. Kannst du nicht Singen und hast keine Geschichte oder Unterhaltungswert wirst du nicht mal erwähnt. Nicht umsonst gibt es vor Auswahlen. Die Jugend will es doch so. Lieber 15 Minuten Pseudo Fame als für immer ein "niemand". Wenn sich dann halb Fernseh Deutschland drüber schlapp lacht und man später per Youtube immer wieder aufs Brot geschmiert bekommt, tja da muss man dann wohl durch.

    Und wenn Meister Bohlen sagt:"Entweder der Thun oder ich" dann ratet mal wer gehen darf. Denn Bohlen ist der Chef im DSDS Ring und da hat kein anderer was zu melden. Wenn der Chef zu einem eigentlich sehr gut Soul/Blues singenden Metlock sagt "du singst meine seichte brühe" dann wird er das machen.

  • Vor 11 Jahren

    alle die pro bohlen sind mögen jimi blue oder // und sind behindert

    damit wäre das thema beendet