Recall war gestern. Die 15 Casting-Kandidaten, die sich weiterhin Hoffnungen auf den Titel "Superstar" machen dürfen, stehen fest.

Schwetzingen (dani) - Fast zweieinhalb Stunden dauerte die gestrige Ausgabe von "Deutschland sucht den Superstar". Erst um 22:40 Uhr wusste die Zuschauergemeinde Bescheid, welche 15 der ehedem 35.000 Superstar-Anwärter sich in die erste Live-Show am kommenden Freitag gerettet haben.

Wie üblich hätte sich der Prozess durchaus abkürzen lassen, hätte man auf die Ausstrahlung endloser nutzloser Drum-Herum-Storys verzichtet. Statt minutenlange Dokumentationen des Putzfimmels von "Checker" Thomas Karaoglan oder die dramatischen Herzbeschwerden Céline Deneflehs, die sich - Oh, Wunder! - dann doch als gar nicht so dramatisch herausstellten, hätte vielleicht doch der eine oder andere Auftritt mehr interessiert. Aber in der siebten Staffel sollte der DSDS-Nerd derlei Banalitäten mittlerweile gestählt über sich ergehen lassen. Man kennt es schließlich nicht anders.

Mit übertrieben viel Sangeskunst wartet der diesjährige Durchgang bisher ohnehin nicht auf. Das Teilnehmerfeld vor traumhafter Südsee-Kulisse auf 25 Nasen einzudampfen, dürfte Dieter Bohlen & Co. anders lautenden Beteuerungen zum Trotz nicht allzu schwer gefallen sein.

Maximaler Nutzen aus "A la la la la long"

Zur allgemeinen Begeisterung interpretierten Mehrzad Marashi und Menowin Fröhlich gemeinsam "Sweat". Mehr hätte sich aus dem gruseligen Inner Circle-Sommerohrwurm tatsächlich nicht herausholen lassen. Das Fortkommen dieser beiden Jungs: im Angesicht der schwachen Konkurrenz doppelt Formsache.

Ewig gültige Mechanismen

Die weiteren Überlebenden hätte man getrost auch auswürfeln können. Besondere Begabungen zeichneten sich nicht ab, dafür aber scheinbar ewig gültige Mechanismen des Showgeschäfts: Titten wiegen lächerliches Stimmvolumen und völlig absentes Rhythmusgefühl auf (Steffi Landerer). Große Fresse ersetzt das Dahinter (Thomas Karaoglan). Einen schrägen Vogel braucht man immer (Dirk Petry). Insofern taugt "Deutschland sucht den Superstar" durchaus zum Lehrstück darüber, wie es in der Unterhaltungsindustrie zugeht.

Totale Selbsterniedrigung

Dass zudem die totale Selbsterniedrigung scheinbar nie aus der Mode kommt, bewies Kima Isik. Eigentlich schon ausgeschieden, erwinselte sie sich eine weitere Chance und durfte - warum auch immer - schließlich doch noch beim Einzel-Singen in Schwetzingen antreten.

Weiter half ihr die schmerzhaft entwürdigende Bettelei dann aber nicht: Ein einziger Song im Repertoire reicht halt nicht mal für eine Talentshow. Was jemand, der permanentes Versagen allen Ernstes mit "Jedes Mal verkack' ich, weil die da vorne mich die ganze Zeit so anschauen" zu rechtfertigen versucht, auf einer Bühne verloren zu haben glaubt - eins der vielen Mysterien verzerrter Teenager-Realitäten.

Beeindruckende Kulissen

An beeindruckenden Kulissen knausert der diesjährige Recall nicht gerade. Eben noch an weißen Stränden durch den Sand gepflügt, standen die verbliebenen 25 Jungstar-Anwärter kurz darauf auf der Bühne des Schwetzinger Rokoko-Theaters - zwar weniger Postkarten-tauglich, aber unbestritten ein stimmungsvoller Rahmen.

Auf Steffi Landerer schien das Eindruck zu machen: Mit Patti Smiths "Because The Night" machte sie eine deutlich bessere Figur als kurz zuvor unter Palmen - auch wenn ihr ihre Stöckelpantoletten sichtlich Probleme mit der Motorik bereiteten. Einfach mal Schuhe anziehen, in denen man laufen kann, wäre wohl zu leicht.

Einfach mal Englisch lernen?

Oder einfach mal Englisch lernen? Marcel Pluschke und Kevin Reichmann dürfen sich hier getrost angesprochen fühlen. Gesanglich schlugen sich beide wacker. Warum man sich aber, anstatt fremde Zungen zu vergewaltigen, keine Nummer in seiner Muttersprache aussucht - ich weiß es nicht.

Unterhaltsamer Ausbruch

Als berechtigt stellte sich das Vertrauen in Dirk Petry heraus. Der Mann mit den zahlreichen Hüten wunderte sich im Vorfeld zwar selbst, wie weit er es schon geschafft hatte. Sein knautschiger Vortrag von "Summertime" aus "Porgy & Bess" unterhielt dann aber um ein Vielfaches mehr als die ansonsten vorherrschende Stromlinienförmigkeit.

Kevin Rebstocks Déjà-vu

Helmut Orosz jagte, als seien Tod und Teufel hinter ihm und seiner Klampfe her, mal wieder durch eine Bryan Adams-Nummer. Die Jury watschte seine Darbietung ab, ließ ihn dann aber doch noch als letzten Kandidaten in die Live-Shows einziehen.

Das Nachsehen hatte - wie schon im vergangenen Jahr an gleicher Stelle - Kevin Rebstock. Wie in derart kurzer Zeit aus einem selbstbewussten, moppeligen Abiturienten ein verhuschtes Komplexbündel werden konnte, auf das angeblich nichts als Hartz IV wartet: erschreckend. Vielleicht sollte man es doch mal mit einer Ausbildung versuchen.

Optik ist nicht alles

Zu dem Zeitpunkt, da Helmut Orosz erleichtert auf die Knie niederbrach, hatten 14 Kollegen den Fahrschein in die nächste Runde bereits in der Tasche. Das erste Ticket in die Live-Show löste - völlig verdient - Menowin Fröhlich, der Stevie Wonders "I Just Call To Say I Love You" darbot. Optik ist eben doch noch nicht alles. Zum Glück.

Fotos

Dieter Bohlen

Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig)

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2 Kommentare

  • Vor 11 Jahren

    Hab da mal ne Frage, wer schaut sich das Bohlen Event noch an? Man war ich froh als Modern Talking sich auf gelöst haben, nein Herr Bohlen konnte es nicht sein lassen und erhoffte sich mit Blue Systemen den gleichen Erfolg. Gott, sein Dank, denn ohne Thomas ging das nicht auf! Also Comeback mit Modern Talking und am Ende sich ganz klein darstellen, als Gitarrist von Thomas. Verkaufen kann sich der Dieter ganz gut, für Geld macht er alles, denn wie wissen ist er ja sparsam und geschäftig! Also setzt er sich mit seiner Erfahrung in eine Jury und macht einen auf dicke Hose, dass er der Hitproduzent der Nation ist! Nun junge Menschen kann man damit imponieren aber ältere haben einen anderen Stellenwert von Superstars! Wenn man sich jetzt schon Superstar nennen darf nur weil man im Fernsehen ist, was sind dann Musiker die schon mehrere Jahre was geschaffen haben, die, ja auf Deutsch gesagt schieße gefressen haben um an einen Vertrag zu kommen , sich eine Fangemeinschaft aufgebaut haben und sich über Kritikern hinweg gesetzt haben! Nichts von dem hat der Dieter geschafft, als der Markt für Modern Talking ab gegrast war, war er weg! Als Produzent sitzt man im Hintergrund und kann man sich nicht selbst darstellen, anders gesagt, da kann er so viel Mist produzieren wie er will, der Künstler muss den Kopf hinhalten! Und genau dazu dient diese Show schlechter Produzent sucht ``Sänger`` die er dann verheizt um wieder von vorne anzufangen! Nun bleibt die Frage, wie lange brauch RTL und Nation um das zu erkennen. Solange werden sich sicher keine ``großen Produzenten, Kritiker und Musiker in die Jury setzen.
    Also bitte nicht mehr anrufen, dann wird die Haupteinnahme Quelle genommen! Nur anschauen, nicht anfassen, äh anrufen!

  • Vor 11 Jahren

    Wer das allen ernstes noch Verfollgt frage ich mich aber auch des öfteren. Ich meine jeder normale Mensch schaltet doch spätestens seid der 3. Staffel nicht mehr ein, und selbst das hat dann lange gedauert, bis gemerkt wurde, dass dieser hirnverbrande Müll eine abartige perversion von Ausbeutung und Bloßstellung ist.
    Aber anscheinend leben in Deutschland leider doch mehr Trottel als befürchtet.

    mfg