Bravo-Tauglichkeit und Talent genügen offenbar nicht: Am Ende der siebten DSDS-Motto-Show scheidet Sebastian Wurth aus.

Köln (dani) - Die achte Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" neigt sich ihrem Ende entgegen. Zum Glück, möchte man spätestens nach diesem Samstagabend konstatieren. Musikalische Gründe, sich zur besten Wochenend-Sendezeit besagtes Format anzutun, gibt es fortan kaum noch. Mit Sebastian Wurth schied der talentierteste Sänger aus dem Wettbewerb aus.

Damit war tatsächlich nicht zu rechnen: Der Bubi mit der verblüffend reifen Stimme wurde von Anfang an als Favorit gehandelt, kassierte von Jury- und Kritikerseite meist nichts als Lob und zierte bereits das Cover einer der letzten Bravo-Ausgaben. Alle haben sich verrechnet. "Ich gönn' es Ardian - und allen anderen", verabschiedete sich Sebastian versöhnlich.

Alles richtig gemacht - und raus

Dabei machte der Knabe aus Wipperfürth auch an dem Abend, der unter dem unsäglichen Mainstream-Radio-Motto "Das Beste der 80er, 90er und von heute" stand, eigentlich alles richtig. Er eröffnete den Abend so solide wie sicher mit "Ayo Technology" in der Singer/Songwriter-Fassung von Milow, die den dreckigen Text beinahe soweit vergessen macht, dass man einem Minderjährigen auf die Frage "Why don't you sit on top of me?" nicht am laufenden Band "Weil ich dafür vermutlich in den Knast käme!" zurück schleudern möchte. Nick Kamens "I Promised Myself" servierte Sebastian tadellos. Selbst im Kerzenmeer der Schnulze "Mandy" gab er eine erstklassige Figur ab. Der Konfirmationsanzug saß ebenfalls. So können wir Sebastian nächstes Jahr problemlos zum Grand Prix schicken, dann hat Deutschland endlich auch seinen Johnny Logan.

Gründe, ihn am Ende mit dem Rausschmiss abzustrafen, lieferte Sebastian Wurth nicht im Ansatz. Das wusste auch der um Klassen schlechtere Ardian Bujupi, der zuletzt zusammen mit dem Nesthäkchen den finalen Urteilsspruch erwartete. "Fertisch, isch kann gehen", hatte er längst kapituliert. Tja, das abstimmende Volk wollte es offenbar anders. Teenie-Girlies sind auch nicht mal das, was sie mal waren - oder sie stehen inzwischen tatsächlich eher auf aufgesetztes Machotum und komplette Hohlbrote. Der geneigte DSDS-Zuschauer darf sich in den kommenden Wochen auf beides einrichten.

Ardian: Bestenfalls mittelmäßig

Ardian, wie gesagt, präsentierte sich jedenfalls reichlich mittelmäßig. Im schlumpfblauen Trainingsanzügle gab er die Backstreet Boys-Nummer "We've Got It Going On" zum Besten. Mit "More" von Usher kehrte er in die bereits ausgiebig ausgeloteten Urban-Dance-Gefilde zurück. Wo die Jury in beiden Fällen die ach so "beeindruckende Tanzperformance" entdeckt haben will, blieb mir äußerst verborgen. Am besten sah Ardian (vom Morgenmantel aus Hugh Hefners Mottenkiste und der viel zu knappen Weste einmal abgesehen) in der dritten Runde aus: Der Refrain von "I Just Died In Your Arms" lag ihm zwar nicht wirklich, seine Strophen konnte man sich aber durchaus anhören.

Marco fehlt "das Edgige". Aha.

Dass RTL noch keinen Vorwand fand, Marco Angelini loszuwerden, erstaunt angesichts der erfrischend Format-kritischen Interviews, die der Österreicher vergangene Woche gab. Seine Leistung am Samstag rechtfertigte ein Weiterkommen leider nicht wirklich. Marco versemmelte gleich bei seinem ersten Song den Einstieg. Mit Lenny Kravitzens "Fly Away" fuhr er zwar deutlich besser. Seine Peter Schilling-Kopie mit dem NDW-Evergreen "Major Tom" ging dann aber allerhöchstens wieder als Mittelmaß durch.

Mit der Vielseitigkeit, die Marco bisher zeigte, ist es künftig vermutlich vorbei. "Ich stehe für Rock", gibt er sich entschlossen. Einer in Lametta gewandeten Fernanda Brandao (!) fehlte "das Edgige, die roughe Coolness". Mir fehlen angesichts dessen schon zum wiederholten Male die Worte. Mit sachlicher Kritik von Dieter Bohlen hat, wen er auf dem Kieker hat, offenbar gar nicht mehr zu rechnen.

Wiedererkennbarkeit mit Nerv-Faktor

Statt dessen feierte die Jury Pietro Lombardi ab. Ja, Applaus, die übersichtlichen Texte dreier über die Maßen ausgelutschten Nummern zu behalten, ist schon eine Riesenleistung. Der stets beschworene "Wiedererkennungswert" Pietros: zweifellos vorhanden. Niemand sonst schluchzt so seine Vokale in Kombination mit einer derart schauderhaften englischen Aussprache heraus. Doch bedeutet "wiedererkennbar" zugleich "gut"? Bei aller Sympathie für den kleinen Badener: Ein Album in voller Länge lang möchte ich mir das eigentlich nicht anhören müssen.

Überdeutlich merkte man, dass Stevie Wonders "I Just Call To Say I Love You" nur und ausschließlich Stevie Wonders wegen nicht ganz wie eine schauderhafte Alleinunterhalternummer wirkt. Pietros Ballade "To Make You Feel My Love" gab es zum Glück einmal nicht in einer Hermes House Band-Version. Inner Circles "Sweat", sorry, ist und bleibt Strandpopseichtreggae der unterirdischsten Sorte. Dachte, diese Schublade habe Bohlen bereits mit Mark Medlock besetzt ...

Sarah hält die Stellung

Das letzte Restchen wirkliches Gesangstalent hütet in diesem Jahr eine Kandidatin, die schon einmal ausgeschieden war. In einer fairen Welt müsste Sarah Engels den Sieg in dieser Staffel nun eigentlich nach Hause fahren. Zwar weigerte sie sich standhaft, irgendeine überflüssige Bewegung zu machen - was vermutlich auch an den 20-Zentimeter-Absätzen lag, in denen jeder vernünftige Mensch Angst hätte, sich beim kleinsten Schritt die Haxen zu brechen. Gesanglich meisterte Sarah allerdings jede Herausforderung, die Tina Turners "Simply The Best", "What A Feeling" aus "Flashdance" sowie eine Ballade aus dem Fundus Leona Lewis' bereit hielten, meisterhaft.

Talent? So abgeschafft wie die Live-Band

Doch Talent scheint 2011 nicht wirklich gefragt zu sein. Vermutlich so abgeschafft, wie die Live-Band, mit der die Kandidaten in früheren Jahren noch arbeiten durften. Statt dessen bekommen sie inzwischen jede Woche ein Black Eyed Peas-Playback zu ihrer gemeinsamen Einstiegsnummer (diesmal wars "I Gotta Feeling", langsam dürfte man das aktuelle Album durch haben) - und einen affigst kostümierten Studio-Tänzertrupp hinter sich gestellt. Der hat genau zwei Choreografien drauf. Ob in Strapsen, Laborkitteln oder im Poolparty-Look - diese Nasen zappeln wahlweise das Programm des VHS-Kurses "Hip Hop" (schon die Bezeichnung schmerzt ...) oder "Pole Dancing für Hausfrauen". Ein trauriges Bild.

Fotos

Sebastian Wurth, Pietro Lombardi und Sarah Engels

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41 Kommentare

  • Vor 11 Jahren

    @ Sodhan: Hmmm meine mich erinnern zu können, dass das schon mal irgendwo zur Sprache kam. Einer von uns beiden hat wohl nen schlechtes Gedächtnis. Ach ja und wenn du jemandem die Nazikeule entgegenschwingst, schwing sie gegen keine_Ahnung. Der hätte es wenigstens verdient^^.

  • Vor 11 Jahren

    Ich finde Basti ist noch sehr jung und ausserdem wer braucht schon DSDS wenn man Talent hat??:D

  • Vor 11 Jahren

    Der einzige Grund DSDS zu sehen, war für mich Sebastian, ein mehr als triftiger Grund DSDS nicht zu sehen, sind Pietro (Hä?) und Ardian (Boh! Escht!) Peinlicher als diese beiden im Fernsehen zu sehen, gibt es derzeit wohl nichts. Sarah gewinnt sicher nicht, da sie eine recht gute Stimme hat und geradeaus reden, gehen und gucken kann.