Mega? Beim Start der 15. Staffel wirkt das einstige Flaggschiff unter den Casting-Shows trotz neuer Juroren vor allem mega-abgewirtschaftet.

Köln (dani) - Neues Spiel, neues Glück? Nö, eher olles Spiel, und inzwischen gar kein Glück mehr übrig: Im mittlerweile 15. Aufguss wirkt "Deutschland sucht den Superstar", bei aller Kritik am Format einst das Flaggschiff unter den TV-Castingshows, so abgewirtschaftet und aus der Zeit gefallen, dass einem nicht einmal mehr rechtschaffene Verachtung bleibt. Nur Mitleid - davon allerdings viel.

Mitleid verdienen die Verantwortlichen bei RTL, die offenbar keinerlei Idee haben, wie sich der Platz zur eigentlich doch besten Sendezeit auch nur halbwegs ansprechend füllen lässt.

Quote und Teilnehmerzahlen im freien Fall

Mitleid verdienen die Texter, die diesen angewesten Kadaver einer Show - wie übrigens in jedem Jahr zuvor - zur "größten", "spannendsten", "wildesten" Ausgabe deklarieren müssen, "aller Zeiten", versteht sich, obwohl jeder noch nicht restlos verblödete Zuschauer um die längst lächerlichen Einschaltquoten und die im freien Fall befindlichen Teilnehmerzahlen weiß.

Neue Jury

Mitleid verdienen die wieder einmal neuen, wieder einmal komplett egalen Juroren, die diesmal neben Dieter Bohlen am Jurytisch Platz nehmen dürfen. In diesem Jahr heißen sie Carolin Niemczyk (wer?), Ella Endlich (wer?) und Mousse T. (ach, ja, da war mal was - vor sehr, sehr langer Zeit). Es handelt sich (in dieser Reihenfolge) um die mäßig begnadete Sängerin einer Pop-Formation namens Glasperlenspiel, eine Musicaldarstellerin, die, wenn überhaupt, vor knapp zwei Jahrzehnten mit "Küss Mich, Halt Mich, Lieb Mich", der deutschen Fassung eines Märchenfilmsongs, ein bisschen was gerissen hat, und um einen Musikproduzenten mittleren Alters, der seinen größten Hit zwar immerhin mit zusammen mit Tiger Tom Jones hatte, was halt aber auch schon beinahe zwanzig Jahre (und damit länger als die Lebensspanne des durchschnittlichen DSDS-Konsumenten) zurück liegt.

Alte Witze

Ja, sogar Dieter Bohlen verdient irgendwie Mitleid, dem offensichtlich niemand mehr einen halbwegs frischen Witz zu schreiben vermag, weswegen er unentwegt die alte Fäkalgrütze vom Kaliber "Du singst wie 'ne Klobürste" wiederkäuen und dann noch - mit auch wieder bemitleidenswert schlechter schauspielerischer Leistung - eine Ohnmacht mimen muss, damit überhaupt irgendwas passiert und die gerade zum Vorführen, pardon, Vorsingen angetretene angebliche Krankenschwester helfend Hand anlegen kann. My ass!

Eitel, gestört, behindert

Für diejenigen, mit denen man am meisten Mitleid haben sollte, geht mir selbiges dagegen langsam aus: Wie kann es eigentlich sein, dass im Jahr 2018, im fünfzehnten Durchlauf dieses Schaulaufens der Eitelkeiten, Selbstwahrnehmungsstörungen und, pardon, es lässt sich kaum noch anders ausdrücken, handfesten Behinderungen immer noch junge Menschen finden, die eitel, gestört, behindert oder alles zusammen genug sind, um sich derart mitleidlos vorführen, demütigen und ausschlachten zu lassen. Schlimmer noch der Gedanke, dass all diese bedauernswerten Existenzen offenbar noch nicht einmal so viel rudimentär bei Trost befindliches soziales Umfeld besitzen, um sie von dieser Selbstdemontage abzuhalten.

Nö, für Partyschlagerschreihälse ("Bier, Bier, Bier!") in Hosenträgern, verzweifelte Möchtegern-Diven im billigen Nuttenlook oder noch billigerem Karnevalskostümchen, für "das männliche Helene Fischer-Sternchen" auf Partnerinnensuche oder den/die zehnte(n) Irren, der/die sich einbildet, er/sie sei "etwas Besonderes", habe "das gewisse Etwas" oder das noch ominösere "Gesamtpaket", und wolle "den Traum leben", für die hab' ich kein Mitleid mehr. Die machen einfach nur noch traurig und wütend.

Mega!

Am Ende zweier quälend öder Stunden habe ich keinen einzigen interessanten Sänger gehört, obwohl Mousse T. bereits einen (Santo. Vergessen Sie diesen Namen!) in den Auslandsrecall durchgewunken hat. Der findet in diesem Jahr übrigens in Südafrika statt und wird, versteht sich, der "wildeste, spannendste, größte aller Zeiten". Ever! Mega!

Damit einen die Ungeheuerlichkeit dieser frechen Lüge nicht allzu sehr empört, gab es fuckin' viele Ed Sheeran-Songs. Nichts lullt schließlich wirkungsvoller in den Schlaf als der König des Schnarchpops. Das vernichtendste Urteil von allen, habe leider vergessen, welcher der drei gesichtslosen Neu-Juroren es abgesondert hatte, passt so jedenfalls auch auf die ganze Sendung: "Für DSDS reicht das nicht."

Fotos

Dieter Bohlen

Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig)

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