Vom Landei über den gefeierten zum abgehalfterten Rockstar, vom Punk übers Bravo-Cover zurück zum Landei: Drummer Klubescheid erzählt die Geschichte seiner Band.

Eschwege (dani) - "Aus der Provinz in den Rock-Olymp", umreißt der Klappentext die Geschichte, die Christof Dörr zusammen mit Frank "Klube" Klubescheid für "Klube & The Bates" (Schwarzkopf & Schwarzkopf, 280 Seiten, broschiert) aufgeschrieben hat. Untertitel: "Wie ein Dorfpunk zum Rockstar wird und 1 Million Platten verkauft – bis das Schicksal gnadenlos zuschlägt." Klingt alles ganz schön reißerisch.

... The Bates? Kräht nach denen Ende 2018 wirklich noch irgendein Hahn? Ehrlich gesagt, hab' ich mich für mittelspannenden Punkrock aus Nordhessen schon nicht besonders interessiert, als das Quartett aus Eschwege Mitte der 90er seine großen Erfolge gefeiert hat. Die größten bescherten den Bates bezeichnenderweise Coverversionen, darunter eine Pogo-taugliche Neuauflage von "Billie Jean".

Lang ists her. Sänger Markus 'Zimbl' Zimmer lebt nicht mehr, gestorben schon 2006 an den Folgen seines übermäßigen Alkoholkonsums. Die haben die anderen Bates schon lange vorher zu spüren bekommen: Als die Verfassung ihres Frontmannes keine andere Alternative mehr zuließ, hatten sie sich in eine kreative Pause verabschiedet. Dass dieser Entschluss, nach einigen Jahren auf der Überholspur, das Ende der Erfolgs- und damit der Bandgeschichte bedeuten sollte, war damals offenbar keinem der Beteiligten wirklich klar.

"Habe ich wirklich alles getan?"

Jetzt, zwanzig Jahre später, rollt Bates-Drummer und Mitbegründer Klube die Vergangenheit wieder auf. "Habe ich wirlich alles getan?", kasteit er sich gleich im ersten Satz. "Habe ich wirklich alles getan, um Zimbl zu retten?" Man möchte diesen Mann am liebsten gleichzeitig in den Arm nehmen und ihn anbrüllen: "Hör' um Himmels Willen auf damit!" Schlimm, sehr, sehr schlimm, wenn die Hinterbliebenen nicht nur mit ihrem Verlust weiterleben müssen, sondern auch in dem Gefühl, im entscheidenden Moment versagt zu haben.

Das Autorendoppel Dürr/Klube erzählt die Bates-Historie als das, was sie vermutlich gewesen ist: die Geschichte einer dicken Freundschaft, die alle Bandmitglieder, besonders aber Zimbl und Klube verband. Trauer, Wehmut und Selbstvorwürfe durchziehen die 280 Seiten. Es klingen aber auch Stolz auf das Erreichte und Zufriedenheit damit durch, wie sich die Dinge (von der einen großen, nicht wieder gutzumachenden Tragödie abgesehen) entwickelt haben.

Per Schweinelaster zum Auftritt

Das Buch erzählt von Klubes Anfängen als Drummer in einer Jazzrock-Band und davon, wie skeptisch sich er und die Vertreter dieser seltsamen aufkeimenden Punkrock-Szene zunächst gegenseitig beäugten, bis zu dem Moment, in dem es zwischen ihm und Zimbl funkte, resultierend in der Gründung der Bates. Was mühsam begann - zu ihren ersten Auftritten gondelten The Bates im väterlichen Schweinetransporter - führte zu einem Majordeal, zu Dauerpräsenz in der Bravo, ausverkauften Hallen und Touren bis nach Japan, Sex, Drugs & Rock'n'Roll inbegriffen.

Aufstieg und Fall, Überleben und Sinnsuche

Klube erzählt mit der ungebrochenen Begeisterung des kleinen Dorfjungen, der sich seinen Traum vom weltweit gefeierten Rockstar verwirklicht hat. Er erzählt zugleich mit der reflektierten Abgeklärtheit des alternden Mannes, der auch die finstere Kehrseite des Ruhms kennen gelernt hat: Alles hat ein Ende, manches ein ausgesprochen bitteres. Der Schlagzeuger berichtet nachvollziehbar und wenig romantisierend über Aufstieg und Fall, vom Überleben und von Sinnsuche, und wirkt dabei kein Stück abgehoben.

Was sagen die anderen?

Trotzdem profitiert der Gesamteindruck davon, dass auch noch andere zu Wort kommen. Die Sichtweisen von Weggefährten, darunter der schon vor dem großen Rummel ausgestiegene Gitarrist Armin Beck (der später Pfarrer wurde), sein Nachfolger Michael 'Reb' Rebbig, Plattenboss Udo Lange, der The Bates bei Virgin Records betreute, oder Klubes Frau Suse, setzen dem naturgemäß subjektiven Blickwinkel des Haupterzählers Außenperspektiven entgegen, die das Bild abrunden und zuweilen auch geraderücken.

So liest sich "Klube & The Bates", der zugrunde liegenden Tragik und dem Umstand zum Trotz, dass die Story der Bates eben nicht nur eine Erfolgsgeschichte war, größtenteils locker und vergnüglich. Alles klingt, weil - mit Ausnahme Zimbls, leider - offenbar alle Beteiligten auf die eine oder andere Art ihren Frieden damit machen konnten, wie sich die Dinge nun einmal entwickelt haben, auch einigermaßen versöhnlich: ein angenehm unaufgeregtes Buch, interessant tatsächlich nicht nur für Bates-Fans. (Wer sich allerdings zu dieser Gruppe zählt, dem sei geraten, sich sein Exemplar direkt hier beim Verlag zu holen: Dort verkaufen sie die erste Auflage nummeriert und von Klube signiert.)

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laut.de-Porträt The Bates

The Bates (benannt nach Norman Bates aus dem Hitchcock-Klassiker "Psycho") gründen sich 1988 in Eschwege bei Kassel. Zur Band gehören Zimbl (Vocals, …

4 Kommentare mit 8 Antworten

  • Vor 6 Tagen

    Ach Gott The Bates... fand Independent Lovesong von denen ganz cool.

  • Vor 6 Tagen

    Hm, The Bates. Die hatte ich ja fast schon vergessen. Fand die Anfang / Mitte der 90er eigentlich ganz amüsant. Das waren sicher keine großartigen Musiker, noch haben sie das Rad neu erfunden, aber ich hatte ein paar Mal die Gelegenheit, die live zu erleben, und das war jedesmal okay. An einem guten Abend konnte die Band durchaus mehr sein, als die Summe ihrer Teile. Zudem waren die ziemlich sympathisch, und ich hatte mal das Vergnügen, mit dem Gitarrist auf dem Taubertal ein, zwei Bier zu trinken. Traurig, was dann so ab den frühen 2000ern und vor allem dem Frontmann wurde, aber wenn man ehrlich ist muss man eingestehen, dass so eine Band heutzutage wohl keinen Majordeal mehr abräumen würde. Das hatte seinerzeit wohl viel damit zu tun, dass die Hosen Virgin verlassen hatten, und man dort auf der Suche nach einer ähnlichen Combo war.
    Das Buch werde ich mir auf jeden Fall mal zulegen, und wenn es nur der Nostalgie wegen ist.

  • Vor 6 Tagen

    ......dass die Hosen Virgin verlassen hatten, und man dort auf der Suche nach einer ähnlichen Combo war......

    Wurden damals auch gefunden mit den Onkelz

    • Vor 4 Tagen

      Naja ab da haben die Onkelz sich dann selbst kopiert. Obwohl die EINS mit -Koma- einen ihrer besten Songs beinhaltet. -Viel zu jung-, -Zeit zu gehen-, -Regen- waren auch gut. Alles aus der Virgin-Phase.

  • Vor 5 Tagen

    Ja, The Bates gehörten auch kurz zu meinen Lieblingen. Vor allem "Hello" hatte es mir angetan. ♥