Yannik erklärt Dani, warum Blackpink und ihre neue Single "How You Like That" die beste Sache ever ist. Er versucht es zumindest.

Seoul (ynk) - Es langweilt, die Rekorde von Blackpink aufzulisten. Die koreanische Girlgroup hat es nämlich schon wieder getan, ihre neue Single "How You Like That" erntete übers Wochenende in drei Tagen schlappe 150 Millionen Views und brennt numerisch auch auf allen anderen Kanälen. Ihre letzte Single "Kill This Love" steuert gerade militant auf die Milliarde zu. Wir können diskutieren, einordnen, aber die Kluft zwischen K-Pop-Stans und Nicht-Jüngern läuft inzwischen so tief, dass nur noch Konfrontation hilft.

Dani, der amtliche gute Geschmack der Redaktion (hört Aesop Rock oder Gil Scott-Heron oder so) setzt sich mit diesem Yannik, dem amtlichen schlechten Geschmack der Redakton (hört Lil Baby und BTS oder so) zusammen. Das Ziel: Danis Erstkontakt mit "How You Like That" federn und ihr erklären, was da auf dem Bildschirm passiert. Vielleicht bleiben die Fragen trotzdem offen, vielleicht haben wir hiernach ja ein zweites K-Pop-Opfer in der Redaktion. Wir starten ins Video:

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Yannik: Das ist der beste Tag ever. Okay, bevor wir anfangen: Was weißt du über Blackpink?

Dani: Ich weiß, dass es K-Pop ist. Ich weiß, dass es mehrere Mädels sind. Drei? (Vier). Naja, nah dran, Größenordnung korrekt. Ich weiß ... nichts über Blackpink. Ich weiß nicht, ob ich je einen Blackpink-Song gehört habe und wenn, dann, weil du ihn mir aufgezwungen hast.

Yannik: Was erwartest du?

Dani: Ich will schon, dass es bunt ist. Ich will bunte Haare. Ich habe ja etliches in deiner K-Pop-Liste gesehen (Anm. von Yannik: Schamloser Plug!) - die Latte liegt hoch!

Yannik: Die Latte liegt hoch, aber ich glaube, dieser Song kann liefern. Let's get it!

0:25

Dani: Weißt du, worum's in dem Song geht?

Yannik: Jein. Es ist immer ein bisschen schwer zu sagen, um was es genau bei einem K-Pop-Song geht. Prinzipiell erstmal würde ich sagen: um nichts. Versuch' nach der Hook vielleicht nochmal, dir einen Reim darauf zu machen.

Dani: Also mache ich mir erstmal nichts aus der ganzen Märchen-Symbolik hier. Dieses Elsa-goes-Dornröschen-Ding einfach ignorieren, ja? Warte ... sind das Einschusslöcher in der Wand? Das ist Blut! Da sind blutige Ränder?

Yannik: Sie hat die Wand eben so hart durchgebrochen, dass die Gebäude anfangen, zu verbluten. Wie in der ikonischen Szene im ikonischen Film "Robo Geisha". Schau sie an, sie kann so etwas.

Dani: ...okay.

1:03

Dani: Ist das ... (zögert) Ist das ... (zögert erneut) Ist das Hip Hop?

Yannik: (lacht)

Dani: Ist es?!

Yannik: Ja und nein. Warte dafür mal auf den nächsten Part. Ich kann dir jetzt aber vielleicht etwas mehr zum Inhalt sagen.

Dani: Ich bitte darum.

Yannik: Also, meine Theorie zum Inhalt von "How You Like That" basiert vor allem auf dieser Schlüsselszene. Lisa singt hier: "Look at me, now look at you (Ah)/ Look at me, now look at you (Ah)/ Look at me, now look at you (Ah)/ How you like that?" Vielleicht war das mal als Breakup-Song intendiert, aber realistisch und vom Vibe würde ich sagen: Das ist ein Disstrack.

Dani: Mhm.

Yannik: An den Hörer.

Dani: Mhm.

Yannik: Also an mich.

Dani: Mhm.

Yannik: Ich finde, ich habe genau das verdient.

Dani: (kurzes Schweigen) Also ja, ich sehe schon den Kontrast: Erst "supersüßes Mädchen aalt sich im Sonnenlicht" und dann "Skimaske auf, durchladen und niederstampfen". Damit kann ich arbeiten.

1:21

Dani: Also, es ist ja schon echt solide gerappt, muss man sagen

Yannik: Das ist Lisa! Ihre Rap-Parts sind auf fast jedem Song ein Highlight. Ich mochte auch den Basar-Sound, der nur für zwanzig Sekunden auftaucht und dann nie wieder aufgegriffen wird.

Dani: Ah, ja. Warte, Szenenwechsel. Wer ist jetzt die da?

1:32

Yannik: Das ist Jennie!

Dani: Wie kannst du die eigentlich auseinanderhalten?

Yannik: ... jetzt Jisoo!

Dani: Das ist hier doch eigentlich die interessante Frage.

Yannik: Ach komm, das sind vier Frauen, die sind jetzt doch nicht so schwer auseinanderzuhalten.

Dani: Ja, aber ... wieso will man denn überhaupt ... (lacht) nein! Warum ist es wichtig, die auseinanderzuhalten?

Yannik: Um zu wissen, wer welche Rolle spielt! Lisa zum Beispiel, die vor zehn Sekunden den Basar-Rap-Part hatte, der schon wieder in der Lawine neuer Parts untergegangen ist, hat auf fast allen Songs die coolen Rapparts. Auf einem Song hat sie mal "I'm a star, no Patrick" gerappt und ich bin immer noch schwer beeindruckt davon.

Dani: Soso.

Yannik: Das gerade ist Jennie, das Gesicht der Gruppe. Jisoo, sie in Rot, hat die besten Vocals und eine ultra-schöne Stimme und Rosé, die später auftaucht, macht oft diese gigantischen Bridges. Je mehr man sie auseinanderhält, desto mehr versteht man, welche Parts und Strukturen auftauchen. Manchmal sind die Songs fast zu formelhaft.

Dani: ... okay. Sehr viel gutes Budget drin. Kann man nicht mosern.

Yannik: Es ist tatsächlich nicht gerade DIY.

2:40

Dani: Warte ... trojanische Pferde? Was?

Yannik: Weil sie die Redaktion unterwandert haben.

Dani: Funktioniert. Ich bin aber ein bisschen enttäuscht, dass es am Ende nicht noch Synchronschwimmer gab. Hmm. Ja.

Yannik: Ja! (lacht)

Dani: Ne, ich mein, ich kann damit ja was anfangen. Erstens hab ich ein großes Herz für Pop und zweitens hab ich ein großes Herz für ... funktionale Musik.

Yannik: Keine Frage, es ist sehr funktional.

Dani: Es funktioniert wie Hölle. Das kannst du auflegen und die Leute drehen dir durch. Auch die Indie-Snobs mit ihren verspulten Indie-Platten drehen dir dann durch wie auf eine Scooter-Hookline.

Yannik: Es ist genau das! Deswegen ist mir die Frage mit dem Inhalt vorhin auch so schwer gefallen. Es ist basically einfach das Aufgeben jeder Kohärenz zugunsten der Frage: Wieviele Hooks kann ich in drei Minuten stopfen? Deswegen sprintet das hier auch durch "Disney-Eisprinzessinnen" zu "Ich beleidige dich auf Trap-Beats" zu "Ich rappe auf dem Basar", und es endet mit Öl-Pumpen, brennenden Regenschirmen und trojanschen Pferden. Hauptsache, so viel Input, so viel Reiz wie möglich auf so engen Raum wie möglich zu packen. Sie singen irgendwann "Look up in the sky, it's a bird, it's a plane". Die Antwort ist: Ja. Ja!

Dani: Ich glaube wirklich, dass es sehr gut funktioniert. Aber es ist halt wie der ganze Scheiß, der gut funktioniert: Es ist überhaupt nichts drin. Beziehungsweise es ist so viel drin, dass es egal ist, was drin ist.

Yannik: Ja! Aber gerade das macht es für mich cool! Für mich ist das die Überwindung von Inhalt. Es ist nur Form.

Dani: Ist das gut?

Yannik: Ja!

Dani: Ich weiß nicht.

Yannik: Ich finde, es ist das Beste. Ich will nichts anderes mehr sehen. Inhalt? Miss me with that.

Dani: Ist das so? Au weia. Die Jugend ist verloren.

Yannik: Darauf können wir uns einigen.

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