Mit dem Slogan "Cash me outside, how about that" startet eine Vierzehnjährige dank der Kraft des Internets geradewegs in eine Rapkarriere.

Los Angeles (ynk) - These: Mit den aktuellen Entwicklungen der Trap-Szene sind viele Labels komplett überfordert, weshalb sie nachhaltig an Relevanz verlieren.

Begründung: Jüngst warf irgendein Label oder eine anders geartete Firma der vierzehnjährigen Danielle Bregoli, die via Internet-Meme aus einer Talkshow bekannt wurde, eine ganze Menge Geld hinterher, um sie ein Major-taugliches Video samt professionell ausproduziertem Song veröffentlichen zu lassen.

Bhad Bhabie nennt sich das Mädchen nun, das gerade den Spaß seines Lebens haben sollte. Nachdem sie nämlich bereits für Kodak Black auf "Everything 1k" ein wenig Viralität ins Video brachte, tritt sie nun ihre eigene Rapkarriere los: Mit der Single "These Heaux" beschwert sie sich über fehlende Straßenkredibilität und Realness moderner Straßenrapper. Ihr wisst schon, damit Katy Perry mit ihrer Hymne gegen seichte Popmusik nicht mehr den Hypocrite des Jahres darstellt.

Der Song macht dabei sogar vieles richtig. Der Beat ballert in jeder Manier der modernen Ära, das Autotune auf der Stimme bringt sogar das Organ, das immer noch hörbar links und rechts der Audiospur in sich zusammenbricht, einigermaßen auf Kurs, und auch sonst stehen alle Signale auf Banger.

Blöd nur, dass im Grunde keines der Elemente in diesem Song in irgendeiner Weise auf einer Vision der minderjährigen Rapperin aufzubauen scheint. Sie muss hier (und man entschuldige den Zynismus) einfach nur ihren viralen Rücken herhalten, um den Industriehacks eine Chance zu geben, künstlich Trubel und Hype aufzubauen. Der Song klingt nicht schlecht, allerdings hat Bregoli genau so lange irgendeinen Stand im Business, bis das Label die Tontechniker von ihrem Projekt abzieht. Dann wäre Bhad Bhabie auch nur noch ein Fisch auf dem Trockenen.

Ob irgendetwas aus diesem Projekt herauskommt, lässt sich schwer abschätzen. Viralität und Zündstoff bietet Bhad Bhabie eben doch genug, um auch über kurze Zeit bereits eine eindrucksvolle Menge Klicks anzuhäufen. Die starke Tontechnik lässt den Titel eben auch solide genug klingen, dass ein paar davon fürs Erste verweilen werden. Trotzdem sollten artifizielle Hypes wie dieser hier auch in der Trap-Ära kein Modell werden, das nachhaltig funktioniert. Es braucht auch keinen Hellseher, der offenbart, dass die Resonanz recht negativ ausfällt.

Da bleibt nur die Hoffnung, dass das Mädchen bald fallen gelassen wird und wieder ein einigermaßen normales Leben führen darf. Denn auf diese Weise, prophezeie ich, wird keine langlebige, stabile Rapkarriere erwachsen.

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laut.de-Porträt Kodak Black

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