Das Game hat offenbar hart zurückgefickt: Vom Glanz ehemaliger "Selfmade Legenden" ist nicht mehr viel übrig.

Düsseldorf / Essen (dani) - "Oh, mein Gott! Wir haben das Game gefickt", vermeldeten die versammelten Selfmade Allstars einst, "Casper, Kollegah, Shiml, Favorite." Lang ists her, in gut zehn Jahren ist eine Menge passiert. Selfmade hat seine besten Zeiten hinter sich. Cas, "dabei, weil er Talent hatte", scheint momentan der einzige zu sein, der seine Begabungen vernünftig nutzt. Während Shiml alles brachliegen ließ und irgendwo am Rand des Vergessens dümpelt, wünscht man sich als ehemaliger Fan das gleiche verzweifelt für Favorite: Seinen drogenbefeuerten Highspeed-Absturz hätte man doch lieber nicht beobachtet.

Kollegah meißelte sich unterdessen ein übermenschgroßes Denkmal. Warum er sich allerdings seit einiger Zeit in den Kopf gesetzt zu haben scheint, das mit aller Gewalt mit dem Arsch wieder einreißen zu müssen, weiß höchstens der Boss allein. Die neueste Episode in seiner Reihe der schwer nachvollziehbaren Moves: Er gräbt nun ausgerechnet den aller-abgehalftertsten seiner Ex-Kompagnons wieder aus. Zusammen sind Kollegah und Favorite "back wie englische Rücken" - und das Resultat wirkt so verstörend wie verzweifelt:

Vermutlich soll das alles irgendwie authentisch rüberkommen. Allerdings verlangt ein Künstler seinem Publikum, wenn er einem neuen Track erst einmal eine volle Minute verwackelte Liveaufnahmen mit beschissenem Ton von seiner laufenden "Monument"-Tour voranstellt, schon arg viel Geduld und Vertrauen ab. Beides hat Kollegah in jüngerer Vergangenheit heftig strapaziert. Um nicht zu sagen: verspielt. Ob die "Backstage Bars", die die beiden ehemaligen Selfmade-Legenden nun - originell, haha! - durch Backstage-Bereiche latschend zum besten geben, die verlorene Zeit wert sind, darf und muss natürlich wie immer jeder für sich entscheiden.

Ich kann das nicht genießen. Zu traurig finde ich, zu sehen, wie durch Favorite ist und wie offensichtlich er Hilfe bräuchte, die er - genau so offensichtlich - nicht bekommt. In diesem Zustand an einen unangenehmen, aufgeblasenen Selbstdarsteller zu geraten, der ebenfalls merklich die Bodenhaftung verloren hat und mit Hochdruck an der Selbstdemontage arbeitet, kann nicht gesund sein. Passend wirkt da bestenfalls der Titel: "Back wie englische Rücken". Will meinen: am Arsch.

Fotos

Kollegah

Kollegah,  | © Selfmade (Fotograf: Laion) Kollegah,  | © Selfmade (Fotograf: Laion) Kollegah,  | © Selfmade (Fotograf: Laion) Kollegah,  | © Selfmade (Fotograf: Laion) Kollegah,  | © Selfmade (Fotograf: Laion)

Weiterlesen

laut.de-Porträt Kollegah

"Kollegah macht Musik für alle, die sich cool fühlen wollen." "Geld machen und ausgeben, großartige andere Interessen hab' ich eigentlich nicht." "Vorbilder …

laut.de-Porträt Favorite

"Meine Rhymes sind immer satt, da ich aus Essen bin." ("Spot An"). Allein: Manchmal hilft das wenig. Die Schattenseiten des Lebens holen Favorite bereits …

6 Kommentare mit 29 Antworten

  • Vor 18 Tagen

    Boah. Favorites äusserliche Erscheinung hat Ihren vorläufigen Tiefpunkt erreicht. Zähne kaputt, Gesicht aufgedunsen, apathische Mimik. Er sieht aus, als wäre das pep kurz davor, ihm aus allen Körperöffnungen zu schiessen.

  • Vor 18 Tagen

    uff. erste ding was ich gut finde. scheiß mal auf das aussehen, ihr redet doch sonst immer alle von realness. ja, so sieht das halt dann mit 30+ aus. geht mal wieder vor die tür. noch mehr sowas und weniger nadelstreifenanzug, weniger frauenverachtung und weltverschwörugnsgelaber und ich bin dabeiheiii.

  • Vor 18 Tagen

    Faves Lispeln ist einfach nur belastend.

  • Vor 18 Tagen

    Sah Favorite jemals anders aus? Wenn er sich diesen beknackten Bart mal wegmacht, sieht er aus wie 20, zumindest auf dem Bild da oben. Abgesehen davon ist dies eine einmalige und vermutlich auch Favorites letzte Chance noch mal mit Musik Fuß zu fassen. Verstehe daher den Hate auf Kollegah im Artikel nicht, Kollegah dürfte, auch wenn er verrückt ist, vermutlich der normalste aus Favorites gesamten Umfeld sein.

  • Vor 18 Tagen

    Jetzt kann Kolle zeigen, was das Alpha Mentoring wirklich kann!

  • Vor 17 Tagen

    Fav tut mir wirklich von Herzen leid. Wäre zu hoffen, dass das von Kolle tatsächlich ein Ehrenmann-Move ist, also ein ernstgemeinter, und kein Kalkül um selbst als der Lebensretter dazustehen.

    • Vor 17 Tagen

      So denke ich auch!
      Allein der Glaube fehlt mir.

    • Vor 17 Tagen

      Würde Sören garnicht vorwerfen, dass er Fav für Promo melken will, aber ob der Psychosen-Felix wirklich der Richtige ist um Fav Halt geben zu können...man darf es bezweifeln. :(

    • Vor 17 Tagen

      Ja, der hat doch mehr als genug eigene Probleme. Ist ein netter Move von ihm, der beiden nützen kann, aber ansonsten sollte man da nichts erwarten außer vielleicht einem Feature auf "Alphagene II".

    • Vor 17 Tagen

      Im Prinzip kann er doch Fav auch bei Alpha Music signen? Besser als die ganzen Hampelmänner aus den letzten 4 Jahren ist er vermutlich auch heute noch...fraglich nur ob sich Kollegah, der in meinen Augen schon sehr fokussiert, strukturiert und professionell arbeitet, sich mit so einem Hallodri wie Fav dauerhaft abgeben möchte.

    • Vor 17 Tagen

      "Kollegah, der in meinen Augen schon sehr fokussiert, strukturiert und professionell arbeitet,"

      Made my day

    • Vor 17 Tagen

      Kannst du ja sehen wie du willst, aber er verfolgt einen klaren Plan, dem alles untergeordnet ist: Gewinnmaximierung. Und den Gewinn maximierst du nur durch professionelle und strukturierte Arbeit. Ist ja scheißegal wie dämlich und bekloppt seine Äußerungen sind, er scheffelt damit Kohle, und um mehr geht es (ihm) nicht. Ebenso wenn man sich das Aussehen betrachtet und das mit den Crackfressen ähnlich erfolgreicher Rapper vergleicht(187, Capital Bra, Bausa, Ufo etc...). Da steckt schon Disziplin und Fokus hinter, auch wenns manche nicht wahrhaben wollen.

    • Vor 16 Tagen

      Seine Moves, nachdem er Selfmade verlassen hatte, waren alles andere als strukturiert und professionell. Und diese Dirk Reuter Geschichte und diese Ssynic Geschichte, und diese Samarita-Geschichte, und diese Felix-Blume-Geschichte... Er agiert anscheinend sehr impulsiv und nicht fokussiert. Absolut nicht souverän sondern getrieben und hilflos. Und man merkt sehr stark, dass er in seinem Umfeld niemanden mehr hat, der ihm seine echte Meinung sagt, anders kann ich mir nicht erklären, dass er diese traurigen lustigen Videos von vor einigen Monaten rausgebracht hat. Im allgemeinen braucht der wahrscheinlich mindestens so viel Hilfe wie Fave, nur hat er halt (noch) Geld.

    • Vor 16 Tagen

      Also Letzteres finde ich eine sehr gewagt Aussage. Ja, der Felix hat sicherlich seine Issues und Alles was Du da schreibst stimmt ja auch soweit, seit er Elvir nicht mehr um sich hat scheint es abwärts zu gehen mit ihm, aber Fav ist ein Drogenwrack, das irgendwo in der Gosse rumhängt, das ist schon nochmal ein anderes Level finde ich.

    • Vor 16 Tagen

      Word, wobei wir über Kolles Privatleben ja nicht viel wissen, außer dass er eine waschechte Alpha-Frau an seiner Seite hat und deshalb kein Sexist sein kann. Wenn ich ihn mir aber so ansehe, sieht er auch aus, als hätten ihm in den letzten Jahren Stress und Drogen oder andere verbotene leistungssteigernde Substanzen ordentlich zugesetzt. Die meisten Mittdreißiger sehen deutlich frischer aus, Haarausfall hin oder her.

    • Vor 16 Tagen

      Kolle hat eine Beziehung? Alde..

    • Vor 16 Tagen

      so aufgepumpt wie der daherkommt ists halt offensichtlich, woher die nahende plätt küt.
      aber alles kein thema mehr heutzutage. soll mal bei willi herren durchklingeln, der weiß rat.

    • Vor 16 Tagen

      Wobei bei ihm ja aktuell eher so ein bisschen Fler-Transformation anstatt Bosstransformation am stiso zu sein scheint. :lol:

    • Vor 16 Tagen

      Habe die Parallele vorher nie gesehen, aber Kolle und Willi Herren passen irgendwie gut zusammen in Sachen Style und Seriösität. :lol:

    • Vor 16 Tagen

      Der Felix hat sich eben mit der wirksamsten Betroffenheits-Lobbys von allen angelegt, auch wenn die Auslöser nur Zeilen von Farid waren sowie der Vorwurf, dass ein Selbstdarstellungs-Charity-Video keine politisch ausgewogene Dokumentation wurde.
      Aber schon haben viele im vorauseilenden Gehorsam die Beissreflexe aktiviert, wenn es um dem Mann geht, und ziehen dann hierfür fadenscheinige Gründe hervor, welche bei anderen Rappern nicht mal Gründe zum Stirnrunzeln wären.

    • Vor 15 Tagen

      Quatsch, das interessiert mich ehrlich gesagt nur am Rande. Der Typ ist in den letzten Jahren durch seinen musikalischen Niedergang, sein fehlendes Stilgefühl, sein oftmals unfreiwillig komisches Auftreten (ich erinnere allein an die Geschichte mit Samarita, wo er nicht entertainen, sondern den Harten machen wollte), die ganze Alpha-Mentoring-Sache und weitere Business-Fails und all die Psychosen einfach zu einer ziemlichen Witzfigur geworden. Dazu brauchte es doch keinen Echo-Skandal.

    • Vor 15 Tagen

      Ist auf jeden Fall ziemlich an den Haaren herbeigezogen wie unwillige Frauen, was diovysos da redet. Sehe das wie Icy: Echo juckt nicht, aber der Rest halt schon, allein dieses "Alles auf Null"-Video, wie er da am Anfang so auf das Fensterbrett schlägt, das ist so hart. :lol:

    • Vor 15 Tagen

      Ich verstehe es halt einfach nicht. Er hatte sich seinerzeit mit King ein absolutes Denkmal gebaut, das war von den Texten über die Attitüde bis hin zu den Videoproduktionen konkurrenzlos. Keine Ahnung, warum jetzt diese Moves die fast schon panisch wirken? Angst, dass ihm zwischen den Meros und Capis die Base abhanden kommt? Das ist irgendwo zwischen Fremdscham-Unterhaltung und Trauerspiel einzuordnen, auf jeden Fall aber in jeder Hinsicht unsouverän.

    • Vor 15 Tagen

      Ich hab mir nicht jede YouTube Kasperei reingezogen, aber der musikalische Output war - mit Ausnahme einiger Fremdschammomente auf dem letzten Hoodtape - für diese Musikrichtung doch überaus konstant hochwertig.
      Sicher hat auch Kolle seine peinlichen Momente. Aber die sind für 90% der Deutschrap-Zirkus alltägliches Sozialverhalten.

    • Vor 15 Tagen

      https://rap.de/meinung/170459-was-ist-eige…

      Deutschrapper sind im Großen und Ganzen zwar ein dysfunktionaler Haufen narzisstischer Charakterschweine, aber Kollegahs Fettnäpfchen-Marathon dieses Jahr war trotzdem denkwürdig. Die Musik bleibt natürlich Geschmackssache und ich halte "Monument" für sein stärkstes Album seit langem, aber mit dem meisten, was er nach 2010 veröffentlicht hat, konnte ich nicht viel anfangen, bis auf das kurzlebige ZHT4 und einzelne Perlen wie "Bossaura" (Song) und "Schwarzer Benz".