"Deutschland sucht den Superstar" drohte im Rahmen der zweiten Motto-Show mit den "größten Pop-Hymnen aller Zeiten". Die Zuschauer quittierten Marcel Pluschkes Patzer mit dem Rausschmiss.

Köln (dani) - Samstagabend, das alte Spiel: "Deutschland sucht den Superstar" geht in die nächste Runde. Der Untertitel der zweiten Motto-Show verspricht "Die größten Pop-Hymnen aller Zeiten". Die Schauder, die einem ob der zu erwartenden Grausamkeiten in Sachen Song-Auswahl jetzt schon über den Rücken kriechen, besitzen, wie sich herausstellen wird, vollste Daseinsberechtigung.

Themaverfehlungen an der Tagesordnung

Dabei scheint es sich bei den sogenannten "Motti" weitgehend um eine Formsache zu handeln, die letztlich nichts anderes besagt als Aleister Crowleys "Tu was du willst" - nicht umsonst der zentrale Leitspruch der Church of Satan. Wie anders lässt es sich erklären, dass einem in der Vorwoche "Ein Kompliment" der Sportfreunde Stiller als "Megahit von heute" untergejubelt werden sollte?

Nun, diesmal erfährt der geneigte Zuschauer endlich, dass Louis Armstrong mit "What A Wonderful World" eine "Pop-Hymne" schuf. "It's My Life" hätte ich als solche durchgehen lassen, hätte man die Nummer von Dr. Alban in die Arena geschickt.

Helmut Orosz bediente sich jedoch des gleichnamigen Titels aus dem Fundus von Bon Jovi: Thema verfehlt. Immerhin: Im Gegensatz zu seinem zahnlosen Balladen-Vortrag aus der vergangenen Woche rockte der Staffel-Senior ordentlich ab. Bis er - als letzter - an der Reihe war, hatte man bereits weit Schlimmeres überstanden.

Wende-Schlager im Doppelpack

Thomas Karaoglan zeigte erneut erhebliche Entertainer-Qualitäten. Bei "I've Been Looking For Freedom" fielen diese glücklicherweise stärker ins Gewicht als des 'Checkers' übersichtliches Gesangstalent. Der Kleine besitzt offenbar tatsächlich ein Händchen dafür, seine Fähigkeiten in Szene zu setzen, wenngleich sich nicht erschließt, warum er glaubte, mit einem Tretauto zu seinem Auftritt fahren zu müssen.

Ja, wenn es wenigstens ein Trabant gewesen wäre! Schließlich riss David Hasselhoff weiland 1989 die Mauer ganz alleine nieder, allerhöchstens vielleicht mit ein wenig Schützenhilfe der Scorpions ... Deren "Wind Of Change" pfeift natürlich ebenfalls um die Ecke: Ein anderer Kandidat lieferte eine ordentlich gesungene Schmalzfassung ab, hätte bei seiner Darbietung vielleicht wirklich auf seine Oma hören sollen. Die nämlich gab im Vorfeld Tipps - und streute ihrem offenbar konsequent bewegungs-unwilligen Enkel Salz in die Wunden. Geholfen hat es wenig: Hüftsteifheit, dein Name lautet Manuel Hoffmann.

Favoriten-Doppel bewährt sich

Die beiden erklärten Favoriten setzten sich auch diese Woche wieder deutlich vom Feld ab. Mehrzad Marashi lieferte, obwohl es sich so gar nicht um seine Musik handelte, eine amtliche Interpretation von U2s "One" ab. Er präsentierte sich einmal mehr als versierter Sänger, dessen Vortrag in seiner Perfektion aber fast schon Langeweile ausstrahlt.

An Geschick für frische, unerwartete Wendungen zeigte sich Menowin Fröhlich erneut überlegen: Der in Internetkreisen als "singendes Hackfleisch" geschmähte Kandidat gab im Alleingang USA für Africa. "We Are The World" kann man zwar kaum noch ertragen. Menowin erwies sich seinem ausgelutschten Titel zum Trotz einmal mehr als der einzige musikalisch relevante Grund, warum man diese Staffel weiter verfolgen sollte. Wie viele Produkte seiner Lenden RTL bis zum Finale noch aus dem Zylinder ziehen wird, bleibt abzuwarten.

Kim in Schräglage

Zylinder trug auch Kim Debkowski: Extravagant in Glitzer-Hot-Pants und goldene Stiefeletten gewandet gab sie die Zirkusdirektorin. Statt nun, wie erwartet, eine Nummer aus Britney Spears' "Circus" in die Manege zu treiben, wählte sie Irene Caras "Fame". Die von den Juroren Volker Neumüller und Nina Eichinger (sowieso) gelobte gesangliche Qualität muss mir entgangen sein. Dieter Bohlen offenbar ebenfalls: Er kritisierte als einziger die zahlreichen ins knappe Höschen gegangenen Töne.

Na, endlich! Der übliche Klamottentausch!

Ines Redjeb, einzige andere Frau im Rennen, verging sich ebenfalls an Irene Cara: Diesmal musste "What A Feeling" dran glauben. "Echt hart, dass sie als Schweißerin arbeitet. Hut ab!", quakte die Jura-Studentin im Vorfeld über Vorbild Alex. Hallo, Mädchen? Aufwachen! "Flashdance" war ein Film, Jennifer Beals keine Schweißerin, sondern Schauspielerin - und zudem eine mit Tanz-Double. Respektbekundungen also eher fehl am Platz.

Das Tanzen überließ Ines ebenfalls einem anderen. Sie beschränkte sich auf den üblichen Klamottenwechsel, den es - in dieser Staffel - schließlich nie zuvor gegeben hatte, ließ sich die Latzhose vom Leib reißen und stöckelte stimmlich wie körperlich unsicher durch ihren Auftritt. Es ist ja auch gemein: "Die Jungs sind klar im Vorteil, wir Mädels haben zehn Zentimeter hohe Absätze, knautschte sie. Flache Schuhe anziehen? Wenn man derart auf seine Optik angewiesen ist? Selbstverständlich keine Option.

Nelson abgewatscht, Marcel muss gehen

Ines hatte auch diesmal wieder Glück: Weder musste sie gehen, noch der für seine "Las Vegas-Jazz-Version" von "What A Wonderful World", "Hühnerkacke" in Bohlens Ohren, unangemessen deutlich gescholtene Nelson Sangaré. Im direkten Vergleich mit Marcel Pluschke gehen beide immer noch als Vollprofis durch.

Tja, Plüschi: "Live Is Life". Da lässt sich ein völlig in den Sand gesetzter Opus-Heuler schlecht kaschieren. Dafür, den Jungen mit dieser erbärmlichen Latzhosen-Feinripp-Unterhemd-Kombination eine Bühne besteigen zu lassen, gehörten zwei bis drei Stylisten an den Zehennägeln aufgehängt.

Das Urteil der Zuschauer: entsprechend und nachvollziehbar. DSDS verliert mit Marcel Pluschke zwar einen niedlichen Sympathieträger. Der Verlust an Gesangstalent dürfte sich im infinitesimal kleinen Bereich bewegen.

Fotos

Dieter Bohlen

Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig)

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11 Kommentare

  • Vor 11 Jahren

    Lieber Autor,
    das passiert, wenn sich Popper an Themen herantrauen, die definitiv ins Metal-Ressort fallen. So hat Crowley natürlich nicht Obiges gesagt, sondern als Engländer "Do what thou wilt" ausgesprochen, was man sicherlich so übersetzen könnte, was aber doch noch ein paar andere Interpretationen zulässt.
    Zweitens und wichtiger: Die "First Church of Satan" wurde von LaVey gegründet und hatte mit Crowley an sich gar nichts zu tun, sieht man davon ab, dass LaVey großzügig bei Crowley abgeschrieben hat.
    Also Finger weg vom Satanismus und weiter Bohlen huldigen.

  • Vor 11 Jahren

    Warum wird hier eigentlich jede DSDS-Folge seziert und über (das wesentlich ansprechendere) "Unser Star für Oslo" (so gut wie) kein Wort verloren?

  • Vor 11 Jahren

    Pluschke gehört allein dafür zugeschissen, dass ich jetzt "Live ist Life" in den Ohren habe und sogar laut und unkontroliert herumgröhle. HILFE!!!

    :angry: