Vor wenigen Tagen hatten die Punk-Urgesteine die Krankheit ihres Frontmanns öffentlich gemacht. Nun erlag er im Alter von 66 dem Krebs.

Hamburg (dani) - Vor knapp einer Woche erst hatten Abwärts die traurige Nachricht öffentlich gemacht: Ihr Frontmann Frank Ziegert, im Bandkontext kurz als Frank Z. unterwegs, leide an Prostatakrebs, die Erkrankung sei "in ein Hardcore-Stadium" eingetreten. Wenige Tage später bestätigte sich das nun auf die bitterste Weise: Der Sänger, Texter und Strippenzieher hinter den Hamburger Punk-Urgesteinen ist tot. Er wurde 66 Jahre alt.

"Wir trauern um einen außergewöhnlichen Künstler, Musiker und Freund", schreiben seine hinterbliebenden Bandkollegen in der Nachricht. Damit stehen sie nicht alleine da. Zahlreiche Wegbegleiter*innen haben bereits ihre Anteilnahme bekundet und teilen Erinnerungen an Frank Z., darunter die Toten Hosen ...

... oder Tocotronic-Bassist Jan Müller:

Dass der Tod von Frank Z. in Punkkreisen und darüber hinaus weithin Betroffenheit auslöst, verwundert nicht: Seine schon Ende der 1970er Jahre aus der Taufe gehobene Formation Abwärts mischte mit Unterbrechungen seit Jahrzehnten in der deutschen Punk-Szene mit und prägte sie entscheidend.

Ziegert, gelernter Schriftsetzer, war aus Bochum nach Hamburg gekommen. Zusammen mit zwei Kunststudenten gründete er dort zunächst die nach zwei Auftritten schon wieder in den Nebeln der Zeit verschwundene Gruppe Big Muff. Das Folgeprojekt erwies sich als ungleich langlebiger: Den ersten Auftritt absolvierten Abwärts 1979 im Rahmen des Festivals "Geräusche für die 80er".

Der Dreh- und Angelpunkt

Frank Z. war nicht nur Gründungsmitglied, sondern auch Dreh- und Angelpunkt der Formation, die einzige Konstante im LineUp von Abwärts, die er zeitweise sogar als Solo-Projekt betrieb. Über die Jahre und Jahrzehnte wirkten allerdings zahlreiche Musiker*innen bei Abwärts mit, darunter die Performance-Künstlerin Margita Haberland, FM Einheit und Mark Chung (Einstürzende Neubauten), Michael 'Elf' Meyer von Slime oder seit dem letzten Comeback 2004, das auf dessen Betreiben hin zustande kam, Die Ärzte-Bassist Rodrigo Gonzalez.

Bereits 1980 erschienen die Abwärts-Debüt-EP "Computerstaat" und das darauffolgende Album "AmokKoma", das als ein Meilenstein des Genres gilt. Dem damals frisch gegründeten Label ZickZack Records bescherten sie neben begeisterten Rezensionen auch für Punk-Verhältnisse schier unfassbare Verkaufszahlen.

Später wechselten Abwärts zu Totenkopf, der Plattenfirma der Toten Hosen, und zogen hier so viel Aufmerksamkeit auf sich, dass ihr Bandlogo, ein skelettierter Hasenkopf, auch dem Herrenmagazin Playboy vor Augen kam: "Unter Androhung von einer Viertelmillion Mark Zwangsgeld wurde uns untersagt, den Abwärts-Bunny weiter auf Plakaten und Covern etc. zu verwenden, da er eine 'bösartige Verunstaltung des Playboy-Häschens' darstellen würde", erinnerte sich Frank Z. seinerzeit. "Da hatten sie natürlich Recht."

Der Knochenbunny wich, Abwärts machten weiter, wechselten jedoch noch mehrmals die Labelheimat. Ihr jüngstes Album "Superfucker" veröffentlichte die Band, die sich zwischendurch mehrfach aufgelöst, wieder zusammen- oder ganz neu gefunden hatte, im vergangenen März bei Off Ya Tree Records.

2024 hätten eigentlich Tourtermine angestanden, die Abwärts im Zuge der Bekanntgabe der Krankheit ihres Frontmannes aber bereits abgesagt hatten.

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laut.de-Porträt Abwaerts

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