laut.de-Kritik

Die 24/7-New Rave-Party ist zu Ende. Gut so!

Review von

Drei goldene Regeln soll NYPC-Sängerin Tahita Bulmer vor den Album-Aufnahmen zu "The Optimist" für sich und ihre Crew aufgestellt haben: Kein Four-to-the-Floor mehr, keine Cowbells und kein monotoner Gesang. Äh, bitte? Was soll dann denn noch übrig bleiben vom hochtourigen Electro-Karussell? Lipglossige Fashion Victims?

Hätte man mich gefragt, wären die Londoner Hipster nach so nem Spruch ohne zu zögern in die One-Hit-Wonder-Schublade geplumpst, wie wir überheblichen Journalisten mit dem Masterplan für den Sound der Zukunft in der Hose das gerne mal tun. Aber man fragt mich ja in den seltensten Fällen. Vielleicht besser so.

"The Optimist" ist nämlich ein unerwarteter und dabei gar nicht verkopfter Schritt weg vom pumpenden Partysound des Debüts. Vielleicht hat es der Truppe (außer Bassist Volk, der ist nämlich rausgeflogen) irgendwann gestunken, ständig als die Band mit dem lustigen Eiscreme-Video beschrieben worden zu sein.

Vielleicht aber hatte Bulmer nach dem Aus ihrer zehnjährigen Beziehung einfach keinen Bock mehr auf 24/7-New Rave-Role Model. Logische Konsequenz: "The Optimist" klingt alles andere als überfrachtet, weitaus dunkler und in Sachen Songwriting zumindest größtenteils durchdachter. So wäre ein Song wie der Titeltrack (mit 5.33 Min. längste Spieldauer) in dieser emotionalen Tiefe vor drei Jahren - bei aller nach wie vor gültigen Wertschätzung ihres Debüts - nicht möglich gewesen.

Die Plattenfirma wird auch nicht die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen haben, denn mit den ersten zwei Stücken kommt der New Young Pony Club auch seinen hinlänglich bewiesenen Hit-Qualitäten ordentlich nach. In "Lost A Girl" schichten sie flächige Keyboards, machen dadurch Räume zu und erzeugen einen äußerst warmen Gesamteindruck, während "Chaos" den eckigen New Rave des Debüts herauf beschwört. In beiden Fällen: Top-Refrain ("Chaos" im Rory Phillips-Mix sogar mit Cowbells).

Der neue Hang zum spaßabgewandten Düster-Pop unter massiver Anwendung eisiger Synthies bringt den Pony Club zwar in unmittelbare Nachbarschaft zu den Ladytron der "Witching Hour"-Phase bzw. dem Lebenswerk von She Wants Revenge. Aber wer sollte sich daran schon stören?

Den Vorsatz, ihren Gesang variabler zu gestalten, hat Vorturnerin Bulmer jedenfalls sauber umgesetzt. Überhaupt wirkt sich die Arbeit, die die Band in den Backgroundgesang gesteckt hat, äußerst positiv aus. Sehr schön nachzuhören in "Rapture" oder der heimlichen Devo-Hommage "We Want 2". Dagegen zieht "Before The Light" allein schon Aufmerksamkeit auf sich, weil Bulmer mehr Hall auf ihrer Stimme hat als jeder 80er-Song von Tears For Fears.

Passt aber sehr gut zur melancholischen Stimmung und Bulmers mantrahaften Lyrics "Don't look at me now / look at my intellect / the things I leave behind like footsteps." Die vielen tollen Ideen, die in den erwähnten Songs stecken, gehen den etwas ziellosen "Stone" und "Oh Cherie" zwar ab, aber das stört letztlich nicht mehr. New Rave, was war das noch mal? Die Antwort der Klaxons steht noch aus.

Trackliste

  1. 1. Lost A Girl
  2. 2. Chaos
  3. 3. The Optimist
  4. 4. Stone
  5. 5. We Want 2
  6. 6. Dolls
  7. 7. Before The Light
  8. 8. Oh Cherie
  9. 9. Rapture
  10. 10. Architect Of Love

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