laut.de-Kritik

"Dein Lebenswerk hat so viel Bedeutung wie Hautfarben."

Review von

Bevor der Nepumuk mit "Ad Absurdum" begann, muss er einen Abstecher in die Achtziger gemacht haben. Er ist am Pool der Zeit entlang spaziert, ausgerutscht und ganz aus Versehen hineingefallen. Der Schreck war groß, aber dann fühlte es sich ganz angenehm an und beim Wiederaussteigen hatte er plötzlich Glitzer-Pailletten im Haar und Lionel Richie im Ohr. Anders lässt sich der Sound seiner neuen Platte nicht erklären.

Zwischen den wohlig warmen Jazz-Samples und entspannten Bass-Läufen haben sich hier und da nämlich funky Snythesizer und trashig-sympathisch anmutende Melodien eingeschlichen, die an die Soul-/Disco-/Pop-Produktionen der Achtziger erinnern. Anschmiegend und ein bisschen touchy, aber ohne Tiefgang und trotzdem mit ganz ganz ganz viel Leidenschaft. Sie stehen dem Nepumuk gut zu Gesicht und verleihen dem Album einen einladenden Vibe mit augenzwinkerndem Humor.

Der harmoniert - wie man es eigentlich schon immer vom Sichtexot-Rapper und Produzenten gewohnt ist - sehr gut mit den lyrischen Elementen. "Ad Absurdum" ist die thematische Versinnbildlichung von 'Musik um der Musik Willen'. Das Album folgt keiner wirklichen Intention, außer der, dass Nepumuk Spaß am Musizieren hat. Amüsant-durchdachter Battle-Rap trifft auf Laissez-Faire-Lebensweisheiten, persönliche Momente und gestochen scharfe Negativ-Analysen der Gesellschaft: "Du willst so viel Aussagen, doch dein Lebenswerk hat so viel Bedeutung wie Hautfarben".

Dass auch die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen nicht spurlos an dem Mainzer vorbeigehen, spiegelt sich ebenfalls auf "Ad Absurdum" wider. Ohne belehrend klingen zu wollen, macht er auf Alltagsrassismus aufmerksam. "Ich hab keine Zeit zu verschwenden für optische Grenzen, die sich materialisieren und um Jobs kämpfen / imaginäre Mauern geben deutschen Nachnamen das schicke Apartment und leugnen die Nachbarn." Seine wichtigste Message dabei ist jedoch: "Für mich seid ihr nicht weiß, sondern Mensch."

Gewohnt virtuos spielt sich Nepumuk durch "Ad Absurdum". Witz, Gnadenlosigkeit und geistreiche Wortspielereien geben sich auf harmonisch-melodischen Beats die Klinke in die Hand. Einen kleinen Wermutstropfen gibt es trotzdem, denn kurz vor Schluss geht dem zwanzig Song starken Album etwas die Luft aus. Der Gesamt-Dynamik von "Ad Absurdum" hätte eine abgespecktere Version wohl den letzten Schliff verpasst. Aber andererseits: Wer will sich denn wirklich über zu viele Songs von Nepumuk beschweren?

Trackliste

  1. 1. Ad Absurdum
  2. 2. Standpunkt (Feat. Anthony Drawn)
  3. 3. Fiktion
  4. 4. Kreiselmann
  5. 5. In Farbe
  6. 6. Alles Nur Geklaut
  7. 7. Nepumuk Shit (Feat. J. Lauxen)
  8. 8. Verlierer
  9. 9. Untergrundgesetz
  10. 10. Fahrtwind
  11. 11. Der Goldene Schnitt
  12. 12. A.i.s.
  13. 13. Embryo (Feat. Frau Butz)
  14. 14. Sterne
  15. 15. Alpha (Feat. Retrogott)
  16. 16. Endorphin City
  17. 17. Mammon
  18. 18. Sonne
  19. 19. Alles Vibriert
  20. 20. Fliegen

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