laut.de-Kritik

Mit einem Lächeln versetzt er dir den tödlichen Stoß.

Review von

"Wie konsumiert man den Negroman am besten?" Mit absoluter Hingabe. Wer am Anfang noch zögerlich sein sollte: Keine Angst, das ergibt sich von ganz alleine.

Denn es ist dem Negroman total gleichgültig, was du gerade machst, während du "Cuck" hörst. Wenn der mit "Chastity" seinen Peniskäfig öffnet, ergibst du dich wie selbstverständlich. Ohne es zu wollen, ohne dich zu wehren. Du fällst einfach und verlierst dich im negroman'schen Universum.

Dort gibt viel zu entdecken. In dem endlosen Tunnel, den der Negroman mit liebevoller Verachtung seinen Penis nennt, liegen unzählige Soundschichten übereinander, deren Farben immer mal wieder anders schillern, mal warm und weich, so wie früher, als du ihn noch Loki nanntest, mal etwas kälter und härter, so wie du es im "Sequel" schon gehört hast. Hier und da lugt ein Sample hervor, lächelt dich an, grüßt freundlich und verschwindet wieder im unendlichen Meer der Klänge.

Das wohlige Gewusel verdunkelt sich, wenn die Stimme des Negromans erklingt. Wie ein wütendes Orakel spuckt er Gift und Galle auf die Gesellschaft, feine, mit Ironie gespitzte Pfeile regnen auf dich herab, treffen sie, folgt unmittelbar der Tod. Zwar bist du das gewohnt, du kennst ja deinen Gott, doch es überfordert etwas. Doch der Negroman weiß, was gut für dich ist, er nimmt dich an die Hand und zeigt dir sein Vergnügungsprogramm.

Du nimmst Platz auf "Möbeln, zwischen denen man nicht leben kann", es sich aber ganz gut sterben lässt. Der Negroman zeigt dir seinen "Bauchredner", den depressiven Yung Hurn, der dich mit Nagel- und Heckenschere zum Lachen bringt. Er wird zu deinem "Sub", deinem Haussklaven, dem du deine "Kippen genüsslich auf [seinen] Lippen ausdrücken" kannst. Er hängt sich "als Duftbaum in deine Küche, während du Werbung vakumierst" und zeigt dir seine beste Imitation von DJ Tomekk.

Du merkst erst jetzt, nachdem du "weich auf den Details des Perserteppichs" gelandet bist, dass du die ganze Zeit schon gefallen bist. Während du mit offenem Mund und großen Augen die Show des Negromans bestauntest, hat er dir ganz unbemerkt den Boden unter den Füßen weggerissen. Du hast seine Stiche gar nicht gespürt, du siehst das Blut erst jetzt. Du merkst, dass du es warst, der da im Bademantel stand, dein Haus, dein Auto und der Ehering deiner Frau, der im Rektum des Negromans steckt. Er hat dich exzellent getäuscht, mit all seinen kunstfertigen Reimen und Rhythmen, mit seinen Bildern.

"Sei nicht bescheiden Buddha, man ist Narzisst um Rap zu machen" flüstert er dir ins Ohr. Du fühlst dich betrogen und hebst zum Protest schon deinen Zeigefinger. Doch da steht der Negroman bereits vor dir und versetzt dir lächelnd den tödlichen Stoß. Und während du ins Jenseits gleitest, denkst du noch: "Vielleicht versuch' ich mein Glück am Greifautomaten ...".

Trackliste

  1. 1. Chastity
  2. 2. Sollsein
  3. 3. Bauchredner
  4. 4. Schandtat
  5. 5. Sub
  6. 6. Latecapsfinest
  7. 7. Showtime
  8. 8. Bwo
  9. 9. Bau
  10. 10. Testarossa
  11. 11. Lavish.jpg
  12. 12. Garfield
  13. 13. Zins
  14. 14. White Extinction
  15. 15. Ausgang

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