laut.de-Kritik

Bei aller Trauer und Bitternis bleibt ein Funken Hoffnung.

Review von

Schmerz und Verlust führt Künstler*innen zu ihren bewegendsten Werken. Auch Nathaniel Rateliff lässt die Erfahrungen seines Lebens immer wieder in seine Musik einfließen. Sein Hit "S.O.B." (auf "Nathaniel Rateliff & The Night Sweats") handelte 2015 von seinem Kampf gegen den Alkoholismus.

Doch wieder einmal hat das Leben hart zugeschlagen. Sein guter Freund und Produzent Richard Swift starb 2018. Seine Ehe scheiterte schmerzhaft. All dies verarbeitet er nun auf "And It's Still Alright", dem ersten Solo-Album seit sieben Jahren. Seine Band The Night Sweats muss in diesem persönlichen Moment erst einmal pausieren.

Anstelle von Rock und Soul stehen nun intimer Folk und Country im Mittelpunkt. Der Longplayer führt auf diesem Weg zurück Rateliffs ersten Veröffentlichungen.

Es ist aber nicht ein großes Wundenlecken geworden. Nicht das düstere Werk, das andere Acts in dieser Situation veröffentlichen. Viel mehr umströmt "And It's Still Alright" bei aller Bitternis auch eine positive Energie und bei aller tiefen Trauer auch immer ein Funken Hoffnung. Es zeigt den Moment auf, in dem der Schmerz zwar noch alles beherrscht, aber langsam das Leben wieder hervor tritt. Es zeigt ein deutliches Abbild der Abgründe, doch der Blick nach vorne setzt langsam wieder ein.

Harry Nilsson, zeitweise auch Van Morrison, klingen als deutliche Inspirationsquellen der ruhigen Songs durch. Rateliffs akustische Gitarre bestimmt die Szene, sie wird zurückhaltend von Steelguitar (Eric Swanson), Bass ( Elijah Thomson), Keyboards (Daniel Creamer), Gitarre (Luke Mossman) und Violine (Tom Hagerman) unterstützt.

Den gallenbitteren Strophen von "Expecting To Lose" steht das muntere "Doo-doo, doo-doo-doo, doo-doo-doo" des Refrains entgegen. "Are you telling me now in the middle of the shit 'I need you' / Or are you telling me now in the middle of the shit 'fuck you'? / I'm the only one left on the sinking boat not believing / That you were calling from the water and screaming back, 'It's true'"" singt Rateliff in "You Need Me". Dabei steht das zu unbekümmerte Songwriting der Tiefe der Emotionen, die er in seine Texte legt zeitweise etwas im Weg.

Die zwei wohl besten Stücke des Longplayers setzen sich mit der Verzweiflung und den Gefühlen während Swifts Tod und Beerdigung auseinander. "They say you learn a lot out there / How to scorch and burn / Gonna have to bury your friends / And then you'll find it gets worse" heißt es im Titeltrack, nur um nahezu trotzig ein "but it's still alright" anzufügen. In "Rush On" bleibt nur noch Jaulen und Wehklagen. Rateliffs Stimme überschlägt sich in diesem auf das Minimum heruntergefahrenen Song immer wieder. In diesem Augenblick ist "And It's Still Alright" schrecklich bitter. Ein tief bewegender Trauermarsch, mit dem uns der Sänger am Ende ganz alleine lässt.

Trackliste

  1. 1. What A Drag
  2. 2. And It's Still Alright
  3. 3. All Or Nothing
  4. 4. Expecting To Lose
  5. 5. Tonight #2
  6. 6. Mavis
  7. 7. You Need Me
  8. 8. Time Stands
  9. 9. Kissing Our Friends
  10. 10. Rush On

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